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Katar-Sponsoring: Leon Goretzka stellt sich gegen Bayern-Bosse

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Von: Florian Schimak

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Leon Goretzka ist so etwas wie das politische Sprachrohr im deutschen Fußball. Nun hat er sich auch gegen ein Katar-Sponsoring des FC Bayern ausgesprochen.

München – Wenn am Donnerstag der DFB-Kader für die WM 2022 bekannt gegeben wird, dürfte auch der Name Leon Goretzka auftauchen. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern ist nicht nur sportlich sowohl im Verein als auch in der deutschen Nationalmannschaft nahezu unersetzbar. Längst hat der 27-Jährige über den Rasen hinaus ein wichtiges Standing. Auch tz.de berichtet darüber.

Name: Leon Goretzka
Geburtstag: 06. Februar 1995 (27 Jahre)
Verein: FC Bayern München (seit 2018)
Position: Zentrales Mittelfeld
Länderspiele: 44 Partien (14 Tore)

Leon Goretzka hat „beklemmendes Gefühl“ nach homophobe Aussagen von WM-Botschafter

Goretzka kann man guten Gewissens als politisches Sprachrohr im deutschen Fußball bezeichnen. Der gebürtige Bochumer spricht gesellschaftliche Themen in der Öffentlichkeit an. Sein Torjubel bei der EM 2021 vor dem ungarischen Fanblock war beispielsweise mehr als ein Statement.

Auch seine deutlichen Worte am Dienstagabend in der Allianz Arena nach der 6:1-Gala der Bayern gegen Werder Bremen ließen aufhorchen. Als Goretzka auf die homophoben Aussagen des WM-Botschafters Khalid Salman in der ZDF-Dokumentation „Geheimsache Katar“ angesprochen wurde, sprach Goretzka von einem „beklemmenden Gefühl“.

WM 2022 in Katar: Leon Goretzka hätte sich „anderes Land gewünscht“

Im WM-Gastgeberland herrsche „ein Menschenbild aus einem anderen Jahrtausend“, so Goretzka in der Mixed Zone der Allianz Arena: „Das ist nicht das, wofür wir stehen wollen und was wir auch vorleben.“ Solche Aussagen, wie die von Salman, seien „absolut inakzeptabel“. So deutlich hatte sich ein deutscher Fußballer bislang noch nicht geäußert.

In der angesprochenen Doku, die am Dienstagabend zeitgleich zum Bayern-Spiel auf ZDF lief, kommt auch Goretzka selbst zu Wort. „Ich persönlich hätte mir schon ein anderes Land gewünscht, um eine WM in meinem besten Fußballalter zu spielen“, sagt der Bayern-Star im Gespräch mit Reporter Jochen Breyer. „Dass zu den Kriterien nicht dazu zählte, dass es in diesem Land eine funktionierende Menschenrechtssituation gibt, ist ein großer Fehler“, kritisiert Goretzka die WM-Vergabe ins Emirat: „Natürlich ist das etwas, was uns sauer macht.“

Leon Goretzka würde sich ein Ende des Katar-Sponsorings beim FC Bayern wünschen.
Leon Goretzka würde sich ein Ende des Katar-Sponsorings beim FC Bayern wünschen. © IMAGO

WM 2022 in Katar: Leon Goretzka hat wenig Verständnis für die FIFA-Vergabe

Warum die FIFA das Turnier überhaupt an Katar gab? Goretzka weiß es auch nicht. „Ich denke, es war nicht aufgrund der Tradition der Fußballhistorie in dem Land“, so der Mittelfeld-Star.

Goretzka ist sich seiner Verantwortung in den kommenden Wochen bewusst. „Ich möchte die Bühne nutzen“, erklärt er weiter: „Es wird unsere Aufgabe sein, die Weltaufmerksamkeit, die bei einem solchen Turnier herrscht, zu nutzen, um die Werte zu vermitteln, die uns wichtig sind – und nicht nur, die Katar wichtig sind.“

Leon Goretzka kündigt Zeichen bei WM 2022 an: „Muss optimal maximal sichtbar sein“

In welcher Form das stattfinden soll, das will Goretzka nicht beantworten: „Das wird man sehen. Aber ich kann Ihnen versichern, dass wir alles dafür tun werden. Das Zeichen muss im Optimalfall maximal sichtbar sein.“

Das Thema Katar betrifft im deutschen Fußball nicht nur die WM. Auch beim FC Bayern hat dies spätestens seit dem Eklat auf der Mitgliederversammlung 2021 verbrannte Erde hinterlassen. So ist der Wüstenstaat ein Sponsor des Rekordmeisters, im Januar reist die Mannschaft nach Doha ins Trainingslager. „Es ist richtig, dass wir das Katar-Logo auf dem Ärmel tragen“, sagt Goretzka: „Ich glaube, der Vertrag läuft kommendes Jahr aus. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Verein im Sinne des Klubs und der Mitglieder handeln wird.“

Katar-Sponsoring: Goretzka stellt sich gegen Bayern-Bosse

Der Bayern-Star sei also dafür, wenn das Katar-Sponsoring beendet werden würde? „Ich persönlich hätte nichts dagegen“, so Goretzka. Wie gut diese Aussage bei den FCB-Bossen wohl ankommt? Uli Hoeneß und Thomas Müller hatten sich in der jüngsten Vergangenheit weniger kritisch in diesem Zusammenhang geäußert.

Auf der diesjährigen JHV des FC Bayern wich Herbert Hainer der Forderung nach dem Ende der Zusammenarbeit aus. „Diese Frage kann ich heute nicht mit Ja oder Nein beantworten“, sagte der FCB-Präsident damals. Oliver Kahn vertagte die Entscheidung. „Wir werden das Thema weiter intensiv nach der WM besprechen und für den FC Bayern eine Lösung finden“, kündigte der Vorstandsvorsitzende im Oktober im Audi Dome an. Im Gegensatz zu den Bossen hat sich Goretzka nun klar geäußert.

Wie auch immer die Entscheidung ausfallen wird, eins steht jedenfalls fest: Leon Goretzka hat sein Profil vor der Fußball-WM noch einmal deutlich geschärft. (smk)

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