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FC Bayern München

Jahreshauptversammlung von Bayern München: Extrem unsouveräne Chefs

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Wie die Granden des Fußball-Rekordmeisters auf die Sorgen seiner Mitglieder reagiert, ist peinlich. Vor allem beim Thema Katar. Ein Kommentar.

Frankfurt am Main - Jahreshauptversammlungen beim FC Bayern München haben ja häufig einen folkloristischen Charakter. Es wurde meist über irgendwelche Triple oder Viertel gejubelt, manchmal vergoss Uli Hoeneß bittere Tränen (bei seinem Abschied als Präsident) oder er schimpfte wie ein Rohrspatz, auf „die Scheißstimmung“ im damals noch neuen Stadion, für die doch die Fans zuständig seien. Nun, beim jüngsten Treffen der Mitglieder, war der wegen Steuerbetrugs vorbestrafte Alt-Präsident „schockiert“, er bellte hinterher, das sei „die schlimmste Veranstaltung“ gewesen, die er je beim FC Bayern erlebt habe. Tatsächlich war es ein denkwürdiges, unvergessliches Treffen.

Jahreshauptversammlung Bayern München: Revolte der Basis

Denn wann kommt es vor, dass sich die eigenen Leute von der FCB-Führungsetage radikal abwenden, „wir sind Bayern und ihr nicht“ rufen und den Chef vom Ganzen, Herbert Hainer, gnadenlos ausbuhen? Was mussten die Granden da erleben, kurz nach Mitternacht: Es war nicht mehr und nicht weniger als eine Revolte der Basis. Und die wütend formulierte Kritik zeigte zudem, wie groß der Graben ist beim FCB zwischen den Oberen und der Anhängerschaft, selbst wenn knapp 800 Mitglieder in der Basketballhalle sicher nicht repräsentativ sein können. Aber dieser Denkzettel kam an.

Es zeigt auch, dass das Katar-Engagement des FC Glorreich, das „uns gutes Geld“ bringt, wie Ex-Chef Karl-Heinz Rummenigge sagte, der Anhängerschaft kaum noch zu vermitteln ist. Es ist auch diese Doppelmoral, die den Mitgliedern wider den Strich geht – wenn Vorstand Oliver Kahn in seiner Rede einerseits vor Investoren warnt, die unbegrenzt Geld in den Fußball schießen, anderseits der Klub selbst seit 2018 Geschäfte mit den einschlägig in Misskredit gekommenen Katarern macht.

Jahreshauptversammlung Bayern München: Der ruhmreiche FCBayern kneift

Und es ist natürlich auch extrem unsouverän von der Führungsriege, über dieses sehr umstrittene Katar-Sponsoring nicht einmal eine Debatte zuzulassen, ja sie abzuwürgen und einen langen bekannten Antrag vorher schon mit juristischen Winkelzügen erst gar nicht auf die Tagesordnung setzen zu lassen. Es zeugt von erstaunlicher Arroganz und einer katastrophalen Kommunikationsstrategie. Totschweigen eines unbequemen Themas ist selten eine tragbare Lösung.

Der Glanz der Erfolge kann die Probleme beim FC Bayern nicht immer überstrahlen: Vorstandschef Oliver Kahn spricht zu den Mitgliedern.

Warum scheut der große FC Bayern den Dialog mit seiner Basis, wenn er doch sonst die Politik vertritt, im Gespräch mit den Scheichs aus dem Wüstenemirat bleiben zu wollen? Aus Angst? Der ruhmreiche FC Bayern kneift vor der Frage: Moral oder Fressen oder profaner: Geld oder Liebe (der Fans). Und warum, so fragte ein Mitglied unter größtem Applaus, könne man nicht einmal das zweitbeste Angebot nach Qatar Airways annehmen - bei einem Jahresumsatz von etwa 650 Millionen Euro?

Es hat den Anschein, als entgleiten dem FC Bayern derzeit viele Themen - die zahlreichen Corona-Fälle im Team, die Impfskepsis mancher Stars, jetzt die Debatte um das Katar-Geschäft. Offensichtlich war, dass viele Mitglieder dem Kurs der Führung nicht mehr so ohne weiteres folgen wollen. Der Unmut war unlängst im Stadion auf einem Banner formuliert: „Für Geld waschen wir alles rein“. Nur auf dem Rasen klappt es noch, da agiert ja auch Robert Lewandowski, nicht Herbert Hainer oder Oliver Kahn. (Thomas Kilchenstein)

Rubriklistenbild: © Ulrich Gamel/dpa

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