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Nicht zu bremsen, auch von zwei Mann nicht: Serge Gnabry (Mitte) vom FC Bayern München.

FC Bayern München

Der FC Bayern frisst seine Gegner - mit Haut und Haar

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Unter Trainer Hansi Flick findet Bayern München zu alter Stärke zurück. Beim 4:0 in Düsseldorf ist der Rekordmeister in allen Belangen überlegen

Thomas Müller rieb sich schelmisch das rechte Kinn und versuchte, mit dieser gespielten Nachdenklichkeit direkt zum Münchner Mannschaftsbus durchzustarten. Aber dann blieb der stelzenbeinige Offensivspieler doch stehen, der starke Auftritt der Bayern beim 4:0 in Düsseldorf machte die Statements an diesem Nachmittag ja auch besonders angenehm. Und als erstes blätterte Müller gedanklich eben zwei Wochen zurück – zur Heimpartie gegen Dortmund, die der Rekordmeister ebenfalls mit 4:0 gewonnen hatte.

Denn dort lag für den 30-Jährigen die entscheidende Parallele – und zugleich ein großer Unterschied. „Vor der Länderspielpause waren wir absolut zu Leistung verdammt. Wer da nicht heiß ist, hat den Job eh‘ verfehlt. Aber diesmal war die Ausgangslage eine ganz andere. Dabei haben wir unsere Leistung absolut bestätigt – und das stimmt uns positiv“, betonte Müller. Oder anders ausgedrückt: „Natürlich haben wir mehr Qualität als Düsseldorf. Aber darum geht’s im Fußball ja nicht immer.“

Der FC Bayern frisst seine Gegner wieder auf - seit Hansi Flick Trainer ist

Seit Hansi Flick vor drei Wochen den Cheftrainerjob von Niko Kovac übernommen hat, fressen die Bayern ihre Gegner also wieder auf. Am liebsten mit Haut und Haar. „Sie waren uns in allen Belangen überlegen“, konstatierte selbst Fortunas Sportvorstand Lutz Pfannenstiel. Und Oliver Fink, Düsseldorfs im oberpfälzischen Hirschau geborener Kapitän, kommentierte: „Die Bayern haben eine Leistung angeboten, die über jeden Zweifel erhaben war.“

Unter Flick ist das gesamte Bayernspiel deutlich nach vorne verlagert, das Resultat ist ein stark erhöhter Druck auf den Gegner. In Düsseldorf bildeten die Innenverteidiger Javi Martinez und David Alaba ein extrem bewegliches Verschiebekommando. Unterstützt wurden sie dabei von Joshua Kimmich: Der Nationalspieler, der unter Flick den Job im defensiven Mittelfeld von Thiago übernommen hat, ließ sich immer wieder ins Abwehrzentrum zurückfallen – und schuf so in Kooperation mit Martinez und Alaba Freiräume für die Außenverteidiger.

FC Bayern: Pavard und Davies wissen ihre Möglichkeiten zu nutzen

Benjamin Pavard (von Anfang an bis Ende) und Alphonso Davies (mit zunehmender Spieldauer) wussten diese Möglichkeiten für entsprechende offensive Vorstöße zu nutzen. Rechtsverteidiger Pavard erzielte ein Tor selbst, bereitete ein weiteres mit vor – so dass Kimmich erfreut berichtete: „Es macht Spaß, gemeinsam zu verteidigen. Das ist wirklich die Basis. Egal, wer sich gerade in einen Schuss wirft. Und vorne haben wir einfach die Qualität, ein, zwei, drei oder vier Tore zu machen.“

Dass Robert Lewandowski dabei erstmals in dieser Bundesligarunde nicht zu den Torschützen zählte, macht die Sache im Grunde noch wertvoller. Denn die Abhängigkeit von den Treffern des Polen, der in Düsseldorf einige starke Szenen hatte, auch als Passgeber, nimmt ab – ohne dass der ehrgeizige Goalgetter die Lust verliert. „Irgendwann musste das passieren. Und Sieg ist Sieg – mit einem guten Spiel, muss man sagen“, nahm Lewandowski seine aktuelle Torlosigkeit locker – und sagte stattdessen: „Wir spielen vorne jetzt ein System, wo man immer etwas Neues zeigen kann.“

FC Bayern unter Hansi Flick: Das Fangnetz enger gezogen

Dabei schließt das mutigere Anlaufen, das Flick seinem Team verordnet hat, Mittelfeld und Angriff naturgemäß mit ein. Die Abstände der einzelnen Mannschaftsteile zueinander sind nun enger, die Abstände zum gegnerischen Tor bei Ballgewinnen geringer geworden. „Wir haben viel Vertrauen zum Neben- und Vordermann, weil die Wege einfach kurz sind. Außerdem hören wir uns so auf dem Platz. Denn ob man zehn oder 15 Meter auseinander steht oder 20 oder 30 – das ist ein Riesenunterschied“, erklärte Torwart Manuel Neuer, der generell erkannt hat: „Wir haben viel mehr Kontrolle als vorher, stehen höher. Das kommt uns zugute.“

Ende Oktober hatte Friedhelm Funkel noch die vielen Gegentreffer der Bayern als großes Manko benannt. Nun konnte Fortunas Trainer live beobachten, wie dieser Schwachpunkt nach dem Trainerwechsel von Kovac zu Flick entschlossen beseitigt wurde. Die Münchner haben die einzelnen Mannschaftsteile dichter verknüpft und zugleich flexibilisiert – und damit auch ihr Fangnetz enger gezogen. In den ersten zehn Ligaspielen kassierte der FCB 16 Treffer, in den beiden Partien unter Flick keins. Auch bei dessen Startspiel gegen Piräus in der Champions League (2:0) blieb der Bayern-Strafraum Sperrgebiet. Beim nächsten Königsklassenkick, am Dienstag in Belgrad, soll nun die Fortsetzung folgen.

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