+
Schalkes Salif Sane (Mitte) und Guido Burgstaller (links) reklamieren Handspiel bei Schiedsrichter Marco Fritz. Der hatte weiterspielen lassen und sich die Szene auch nicht auf dem Monitor an.

Kommentar

Hand ist nicht gleich Hand

  • schließen

Die vermeintliche Fehlentscheidung von Schiedsrichter Marco Fritz im Bundesliga-Spiel Schalke - Bayern München zeigt: Es ist schier unmöglich für Schiedsrichter und ihre Assistenten, es immer so auszubalancieren, dass sie überall auf Nachsicht und Verständnis treffen. Der Kommentar.

Schalkes Trainer David Wagner und Sportvorstand Jochen Schneider haben bemerkenswert souverän auf die vermeintlichen Fehler des Schiedsrichter Marco Fritz und seines Videoassistenten Bastian Dankert reagiert. Schneider verwehrte sich im Fußballstammtisch „Doppelpass“ angenehm zurückhaltend gegen Interpretationen, sie seien „verpfiffen“ worden. Das sei sicher die falsche Wortwahl, gerade für einen aufrechten Referee wie Fritz. Auch Wagner gab unmittelbar nach dem 0:3 gegen Bayern München ein gutes Bild ab. Ohne Schaum vorm Mund analysierte der Coach die Szenen, bei denen sein Team seiner Meinung nach jeweils einen Strafstoß nach Handspielen der Münchner Spieler Pavard und Perisic verdient gehabt hätte.

Auch unter den Schiedsrichtern ist man sich recht einig, dass es besser gewesen wäre, wenn der Videoassistent den Unparteiischen auf dem Platz hinaus vor den Bildschirm in die Review-Area geschickt hätte, um sich die fraglichen Situationen höchstpersönlich noch einmal anzuschauen. Andererseits: War sich das Land nicht vor Monaten noch einig, nur lupenreine Fehlentscheidungen sollten geahndet werden und nicht diese vielen Szenen im Graubereich?

FC Bayern gegen Schalke: Handspiel und Elfmeter? Oder doch nicht?

Es ist schier unmöglich für die Referees und ihre Assistenten, es immer so auszubalancieren, dass sie überall auf Nachsicht und Verständnis treffen. Zum Beispiel der Fall Pavard: Einerseits heißt es im Regelwerk, ein Handspiel ist zu ahnden, wenn der Spieler den Ball durch Erweiterung der Körperfläche abwehrt. Die war zweifellos gegeben. Also Elfmeter!

Andererseits heißt es auch, es müsse sich dabei um eine unnatürliche Bewegung handeln. Pavard befindet sich in der fraglichen Szene in einer Drehbewegung ohne Orientierung zum Ball. Unnatürlich ist es dabei sicher nicht, den Arm zum Ausbalancieren fast im 90-Grad-Winkel vom Körper abzuspreizen. Also kein Elfmeter!

Ergo: Es gibt keine sonnenklar richtige oder falsche Entscheidung für diese Szene. Das wäre nur der Fall gewesen, wenn sich Pavards Arm ÜBER Schulterhöhe befunden hätte. Dann soll es IMMER Strafstoß geben.

Keine Tore per Handball in der Fußball-Bundesliga

NIEMALS zählt seit dieser Saison ein Tor, wenn der Ball dem Schützen oder einem Vorlagengeber - und sei es noch so unabsichtlich - gegen die Hand oder den Arm gesprungen ist. Die Fifa will damit ganz grundsätzlich verhindern, dass es im Fußball per Handball zu Torerfolgen kommen kann. In der Theorie eine nachvollziehbare Neuerung, die es den Schiedsrichtern leichter macht. Die Regel gibt ihnen nämlich keinen Handlungsspielraum mehr.

In der Praxis sieht es dann aber so aus, dass der Bremer Niklas Füllkrug den Ball aus wenigen Zentimetern gegen die Schulter geschossen bekommt, ehe sein 2:2-Ausgleich in Hoffenheim aberkannt wird. Jeder kann sehen, dass der Mittelstürmer weder seine Körperfläche erweitert hat noch absichtlich handelte. Aber all das tut nichts zur Sache. Der Ball war am Arm. Bei einer Stürmeraktion reicht das zur Aberkennung eines Tores.

Glück für den FC Bayern

In der Erklärung für eine breite Öffentlichkeit macht es das für die Schiedsrichter aber umso komplizierter, wenn gleichzeitig in Gelsenkirchen der Münchner Perisic einen Freistoß mit seinem linken Arm vom Tor ablenkt und dafür nicht mit einem Strafstoß bestraft wird. Glück für die Bayern: Handspiele von verteidigenden Teams sollten laut DFB-Schiedsrichterkommission in dieser Saison defensiver geahndet werden. Gerade in Anbetracht der rigorosen Haltung bei Stürmer-Handspielen müsste dieser nachsichtige Ansatz dringend überdacht werden. Sonst kapiert erst Recht niemand mehr gar nichts.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion