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Nach der Niederlage gegen den FC Liverpool sitzt David Alaba auf dem Rasen und schnürt seine Schuhe.

FC Bayern

Auf Tauchgang

Der FC Bayern bekommt vom FC Liverpool gnadenlos seine Probleme aufgezeigt.

Es dauerte ein paar Sekunden, bis wieder Leben in Niko Kovac kam. Wie angewurzelt war der Trainer des FC Bayern nach dem Schlusspfiff erst einmal in der sogenannten Coaching Zone stehen geblieben und hatte ins Nichts gestarrt, ehe er sich langsam auf den Weg zu seinen Spielern machte. Sein Kollege vom FC Liverpool, Jürgen Klopp, war da längst auf dem Spielfeld und deshalb Kovac einen Schritt voraus – wie die gesamte Mannschaft von der Insel dem deutschen Rekordmeister an diesem für die Münchner so betrüblichen Champions-League-Abend. „Wir haben unsere Grenzen aufgezeigt bekommen“, gab der Trainer nach dem 1:3 gegen Liverpool im Achtelfinal-Rückspiel am Mittwoch zu.

Die erfolgreiche Aufholjagd in der Bundesliga mit überzeugenden Siegen in Gladbach und zuletzt gegen Wolfsburg hatte den Blick ein wenig getrübt, jenen auf das große Ganze. Die Diskussion um einen dringend notwendigen Umbruch waren in den vergangenen Wochen etwas weniger geworden, weil die aktuelle, in die Jahre gekommene Münchner Mannschaft doch noch in der Lage schien, sich zu behaupten, national und vielleicht sogar international. Das 0:0 im Hinspiel an der Anfield Road war eine reife defensive Leistung gewesen, doch um Mannschaften vom Kaliber Liverpools am Ende auszuschalten, braucht es eben auch eine reife offensive Leistung. Jürgen Klopp hat mit seinem Team dem FC Bayern vor Augen geführt, dass nicht nur eine Ära vorbei ist, sondern es wohl auch eine sehr teure Angelegenheit werden wird, um die Lücke zu Europas Elite zu schließen.

Die Bayern wussten sich kaum zu helfen

Aber es liegt nicht nur am Kader, sondern es ist auch eine Frage des Münchner Systems, das in den Grundzügen noch immer auf Louis van Gaal zurückzuführen ist. Damals waren die Spieler jung und dynamisch, heute sind sie beides eher nicht. Am Mittwoch wussten sich die Bayern kaum zu helfen gegen den konsequent pressenden Gegner. Es mag zum einen an fehlender Entschlossenheit, am Mut zum Risiko gelegen haben, aber eben nicht nur, wie Verteidiger Mats Hummels findet. „Wir haben eine gewisse Spielweise, die gegen pressende Mannschaften nicht immer zum hundertprozentigen Erfolg führt“, sagte der Innenverteidiger. „Da täten uns dann ein paar andere Begebenheiten in unserem Spiel ganz gut.“ Aber damit ja niemand auf die – naheliegende – Idee kommt, es könnte an fehlenden Impulsen von der Bank liegen, nahm er gleich einmal Kovac in Schutz. Der Trainer, sagte er, „fordert das ein, aber es klappt auf dem Platz dann nicht immer“. Am Mittwoch nur ganz selten, einmal sprang der Ausgleich heraus, als Serge Gnabry mit seiner Hereingabe das Eigentor von Joel Matip erzwang. Ein anderes Mal vergab Lewandowski.

Man habe es nicht geschafft, druckvoll zu agieren, gibt Hummels zu, und „das Tempo nach vorne zu bringen“. Liverpool dagegen verstand es, das eigene Spiel in der zweiten Hälfte anzupassen mit etwas mehr Ballbesitz wie üblich. Klopp hatte einen Plan B, Wenn Kovac auch einen hatte, haben seine Spieler ihn nicht umgesetzt. Und dann, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic, „werden wir durch ein Standardtor gekillt, was bei der Stärke von Virgil van Dijk passieren kann“. Nicht passieren dürfen hätte dagegen der erste Treffer der Reds, als Manuel Neuer bei einem langen Ball auf Sadio Mané aus seinem Tor lief und dann vom Senegalesen mit einer Körpertäuschung ausgetrickst wurde. „Wir kriegen daheim in der Champions League gegen die großen Teams immer ein paar interessante Gegentore“, findet Hummels.

So kurz nach dem bitteren Aus, dem ersten im Achtelfinale seit 2011, wollte oder konnte sich Sportdirektor Salihamidzic nicht zu möglichen Konsequenzen aus den Erkenntnissen des Duells mit dem letztjährigen Champions-League-Finalisten äußern. „Am Ende der Saison werden wir alles bewerten“, sagte er. „Wir haben noch zwei andere Aufgaben zu erledigen“, die Titel in der Bundesliga und im DFB-Pokal zu holen. Dann, findet Hummels, könne man noch von einer ordentlichen Saison sprechen. National. International war der FC Bayern einfach nicht gut genug.

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