23. Mai 2015: Die Dortmunder Fans verabschieden sich von Trainer Jürgen Klopp. Klubchef Aki Watzke ist bis heute nicht drüber hinweg, und alle Klopp-Nachfolger leiden darunter.
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23. Mai 2015: Die Dortmunder Fans verabschieden sich von Trainer Jürgen Klopp. Klubchef Aki Watzke ist bis heute nicht drüber hinweg, und alle Klopp-Nachfolger leiden darunter.

Kommentar

Favres letzten Tage?

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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In Dortmund leiden alle Trainer unter dem großen Jürgen Klopp: Der aktuelle BVB-Coach aber droht eher an seiner sperrigen und unverbiegbaren Art zu scheitern. Der Kommentar.

Damals, in einer längst vergangenen Zeit, war Borussia Dortmund just auf den letzten Platz gerutscht. Nach 18 Spieltagen der Saison 2014/15. Und doch hätte Jürgen Klopp seinen neuen Vertrag mitsamt Gehaltserhöhung mit Nutella aufs Frühstückstoast pinseln können - Klubchef Aki Watzke hätte hocherfreut mit Leberwurst gegengezeichnet. Stattdessen entschied Klopp bald darauf, dass es Zeit ist zu gehen. Watzke, emotionaler Typ, ist bis heute nicht drüberweg. Und alle Klopp-Nachfolger leiden darunter.

Ein bisschen mehr als fünf Jahre später trifft das auch auf Lucien Favre zu. Dienstagabend nach der 0:1-Niederlage gegen die bärenstark verteidigenden Bayern, die zuallerletzt Favre zu verantworten hatte, klang der Trainer im Interview mit Sky-Reporter Patrick Wasserziehr noch so desillusioniert und gleichzeitig doch auch irgendwie aufgeräumt, als er geheimnisvoll den Eindruck erweckte, die Zusammenarbeit mit dem BVB hätte sich zum Saisonende erledigt. Tags darauf kam dann das Dementi: Alles falsch verstanden worden.

Kann man so sehen, muss man aber nicht so sehen.

Denn natürlich weiß Favre trotz vorgeblich selbst auferlegter Zeitungs-Abstinenz, dass die örtliche Presse in der rumpeligen Hinrunde schon aus Klubkreisen gebrieft worden war und den zeitigen Abschied des Trainers medial vorbereitet hatte. Dann gewann Dortmund, gut verstärkt mit dem norwegischen Über-Bubi Haaland, wieder reichlich Spiele und blieb den Bayern im Nacken. Bis Dienstagabend. Seitdem sind die Meisterträume praktisch perdu. Und prompt ist die Wahrscheinlichkeit wieder viel, viel größer, dass ohne den Treiber Titelchance auch das Verhältnis Favre/BVB zurück in den knirschenden Normalbetrieb fährt.

Klar, dieser Favre ist furchtbar anstrengend, vor allem für die Presseleute, weil er partout keine Geschichten liefert. Jedenfalls keine guten. Wenn es stimmt, was gut informierte Kreise nicht bloß mutmaßen, dass nämlich der recht eloquente Niko Kovac vom Spätsommer an neuer Borussen-Dompteur wird, dann wäre dieses Problem schon mal gemildert. Dass Dortmund sodann aber aufregender Fußball spielen wird, darf tunlichst bezweifelt werden.

Den Bayern wäre Dienstagabend nur mit einer glücklichen Schiedsrichterentscheidung oder der Brechstange beizukommen gewesen. Aber dann hätte Lucien Favre sich selbst verraten müssen. In Dortmund wissen sie längst: Dieser Mann verbiegt sich nicht. Dann geht er lieber.

Von Jan-Christian Müller

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