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Klare Botschaft auf dem Sportplatz. 

Gewalt gegen Schiedsrichter

Faustschlag gegen Schiedsrichter

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Nach einem tätlichen Angriff in der Kreisliga im Kreis Dieburg fordern Unparteiische Konsequenzen und Unterstützung.

Thorsten Schenk war auch einen Tag nach dem Vorfall immer noch fassungslos. Angriffe auf Schiedsrichter sind für den Kreisschiedsrichterobmann aus dem Odenwaldkreis nichts Unbekanntes, aber Gewalt in dieser Form hat er bislang noch nicht erlebt. Beim Kreisliga-C-Spiel der FSV Münster gegen den TV Semd im Kreis Dieburg hat am Sonntag ein FSV-Fußballer nach einer Gelb-Roten Karte den Schiedsrichter mit einem Faustschlag niedergestreckt. Dieser wurde ohnmächtig und musste mit dem Hubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden. Die Szene wurde auch noch gefilmt und verbreitete sich in Windeseile in den sozialen Netzwerken. „Er wird noch ein paar Tage im Krankenhaus bleiben müssen“, sagte Schenk am Montag. „Wir hoffen, dass er keine Folgeschäden davonträgt und die Geschehnisse irgendwann hinter sich lassen kann.“

Tagung beim DFB

Auch der Hessische Fußballverband (HFV) reagierte bestürzt. „Wir sind schockiert über diesen neuerlichen Vorfall körperlicher Gewalt gegen unsere Schiedsrichter in Münster. Leider reißen die Meldungen von verbaler und körperlicher Gewalt gegen Schiedsrichter in jüngster Zeit nicht ab“, erklärte HFV-Präsident Stefan Reuß. „Wir werden diese Auswüchse an Gewalt nicht tolerieren, sondern mit aller Härte und allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln sportgerichtlich dagegen vorgehen.“

Die Maximalstrafe sieht eine Sperre von 36 Monaten vor. Gerd Schugard, der Vorsitzende des Verbandsschiedsrichterausschusses in Hessen, macht sich Sorgen, um das Schiedsrichterwesen. „Wie sollen wir das nur jungen Leuten schmackhaft machen nach solchen Vorfällen?“, fragt er sich. Am 16. und 17. November tagen in der DFB-Zentrale in Frankfurt die Obleute der Landesverbände und da wird das Thema Gewalt gegen Unparteiische ganz oben auf der Tagesordnung stehen. „Solche Vorfälle als Einzelfälle zu sehen, hilft nicht weiter“, sagt Schugard.

In Berlin wurden am vergangenen Wochenende nach der Ankündigung eines Schiedsrichterstreiks alle Spiele abgesagt, nachdem zuvor 53 Übergriffe auf Unparteiische registriert wurden. Im Saarland streikten die Schiedsrichter Mitte September nach einem Übergriff auf einen Kollegen. In Frankfurt legten die Unparteiischen im April vergangenen Jahres die Pfeifen nieder. Mit mäßigem Erfolg, wie Goran Culjak berichtet. Obwohl es seit einigen Jahren eine Frankfurter Erklärung gibt, wonach Klubs keine Spieler aufnehmen sollen, die wegen gewalttätiger Ausfälle bei einem anderen Klub rausgeschmissen wurden, „machen es die Vereine trotzdem“, beklagt der Stellvertretender Schiedsrichterobmann im Kreis Frankfurt.

Der Kommentar: Die Verrohung der Sitten

Ein weiteres Problem seit Jahren sei, dass die Urteile des Kreissportgerichts nicht öffentlich gemacht werden. „Die Schiedsrichter werden dazu angehalten, Sonderberichte zu schreiben, werden aber nicht informiert, was dabei rausgekommen ist“, sagt Culjak. Dadurch verlieren einige der Unparteiischen die Lust daran, diese Berichte zu schreiben - und wenn ihnen etwas passiert ist, die Vorfälle zu melden. Außerdem würden Schiedsrichter und Obmänner nicht zur Anhörung eingeladen. „Der Schiedsrichter wird nur eingeladen, wenn er selbst angeklagt ist“, berichtet Culjak.

Gerd Schurgard räumt ein, dass man überlegen müsse, wie die Urteile veröffentlicht werden können. Ansonsten findet er, dass die Aufarbeitung der Fälle „beanstandungsfrei“ sind. Culjak findet hingegen, dass die Strafen oft viel zu niedrig ausfallen und schlägt als Pendant zur Fairnesstabelle eine Sünderkartei vor - und vor allem mehr Schutz für die Schiedsrichter. Aktuell hat der Kreis Frankfurt 302 Unparteiische. „Wir halten uns über Wasser, indem wir junge Schiedsrichter coachen und wir bei ihren ersten drei Spielen dabei sind. Und zwar ohne finanzielle Unterstützung des Verbands“, sagt Culjak.

Unterstützung und einen besseren Umgang mit den Schiedsrichtern fordert auch Thorsten Schenk. „Viele Floskeln sind nach Angriffen auf Schiedsrichter immer wieder zu hören, davon allein ändert sich aber nichts.“ Er sieht vor allem ein gesellschaftliches Problem, da auch Polizisten und Sanitäter vermehrt tätlichen Angriffen ausgesetzt sind. „Dafür gibt es kein Patentrezept, aber wir müssen ein Bewusstsein dafür schaffen.“ Sonst werde es irgendwann keine Schiedsrichter mehr geben, die sich für zwölf bis 15 Euro pro Spiel beleidigen oder wie am Sonntag körperlich attackieren lassen.

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