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Premier League: Faszination eines kranken Systems

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Von: Daniel Schmitt

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Es endet in Ekstase: Manchester City, englischer Meister.
Es endet in Ekstase: Manchester City, englischer Meister. © afp

Das Meisterrennen in der englischen Premier League war spannend bis zur letzten Sekunde. Toll, nicht wahr? Ja. Und nein. Kommentar über ein Vorbild, das kein Vorbild sein sollte.

Die englische Fußballmeisterschaft wird hierzulande ja gerne als das Nonplusultra wahrgenommen, als Wettkampf der Besten, Schnellsten, Größten, Kräftigsten, Reichsten, gefühlt selbst der Klügsten und Schönsten. Vor allem aber als eine Liga versehen mit einem Titelrennen, das diesen Begriff überhaupt noch verdient. Nicht etwa wie dieser schnöde bayerische Solistenball, die ermüdende Münchner Alleinherrschaft in Deutschlands Eliteklasse. Kurzum: als Vorbild für all die anderen.

Und in der Tat: Der finale Showdown auf der Insel war faszinierend, das anfängliche Nervenflattern der Schwergewichte aus Liverpool und Manchester, die Rückstände, die Aufholjagden, die am Sonntag geborenen Fußballhelden, in diesem Fall der deutsche Internationale Ilkay Gündogan. Das Kopf-an-Kopf-Rennen über eine ganze Saison mündend in einem Spektakel. Einerseits. Andererseits setzten sich die Citizens aus Manchester nun bereits zum vierten Mal binnen fünf Spielzeiten die heimische Krone auf - nur einmal wurden sie vom Thron gestoßen von, na klar, dem FC Liverpool.

Verlorene Hemmschwellen

Zudem: 19, respektive 18 Zähler lagen zwischen den beiden Topteams und dem folgenden Rest aus vermeintlich Besten, Schnellsten, Größten, Kräftigsten, Reichsten. Die Sache mit der Spannung, mit dem Nonplusultra, sie ist immer auch eine der Betrachtungsweise, kann sich aus anderen Blickwinkeln denn rasch wenden in eine langweilige Draufsicht einer Meisterschaftsrunde bestehend aus zwei Davongeeilten und 18 Lahmen, Kleinen, Schmächtigen, Hinterherhechelnden.

Ohnehin ist es ja so, dass die Leistungen der englischen Vereine zu einem guten Teil auf einem System beruhen, das als krank bezeichnet werden muss. Man City zum Beispiel, der sportlich verdiente Meister (was für Liverpool ebenso gezählt hätte) mit seinen Scheichs aus dem Emirat, die im Laufe der Jahre mehr als eine Milliarde (!) in den Klub gepumpt haben. Oder der FC Chelsea mit dem nun verbannten russischen Putin-Freund Abramowitsch, dem Vorreiter des Investorentums auf der Insel. Zuletzt noch Newcastle United mit den Geldgebern aus Saudi Arabien, einem Staat der Menschenrechte missachtet, an dessen Scheinen Blut klebt.

Und es ist ja kein Ende, nicht mal eine Verlangsamung dieser absurd-grenzenlosen Spirale nach oben in Sicht. Im Gegenteil. In diesem Sommer angelt sich etwa Manchester City den Dortmunder Erling Haaland, für alles in allem rund 300 Millionen Euro.

Die Hemmschwellen der englischen Klub- und Ligabosse sind längst komplett verschwunden, selbst jene vieler Fans scheinen kaum noch vorhanden. Manch einer mag und kann all das ignorieren, erfreut sich dann einfach an fußballerischen Künstlern, am Spektakel beim Showdown. Andere finden, dass eben manchmal auch die Zweitbesten, die Zweitschnellsten, die Zweitgrößten noch gut genug für sie sind. Hierzulande sollte man sich am vermeintlichen Nonplusultra besser kein Vorbild nehmen. Es gilt nach wie vor, andere Wege zu mehr Spannung zu finden.

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