1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Fallsucht in Bad Cannstatt

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jakob Böllhoff

Kommentare

Stuttgarts ex-Trainer Hannes Wolf.
Stuttgarts ex-Trainer Hannes Wolf. © dpa

Wolfgang Dietrich scheint die Tradition der Selbstherrlichkeit und Sprunghaftigkeit in der VfB-Führungsebene mit Vergnügen fortzusetzen. Ein Kommentar.

Es ist kein Widerspruch, dass Manager Michael Reschke am Samstagabend sagte, er schließe es „im Moment komplett aus“, dass der VfB Stuttgart sich schnell von Trainer Hannes Wolf trenne, um eine Nacht später dann eben doch genau diese Trennung zu verkünden. Momente sind flüchtig, vor allem im heutigen Profifußball. Und stand Wolf nicht gerade noch im Fußballstadion in Bad Cannstatt, und es war Sommer, und der VfB und seine Fans feierten den Wiederaufstieg in die Bundesliga und diesen jungen Trainer, der 36 ist und aussieht wie 28 und die Hoffnung auf eine frische, aufregende Zukunft verkörperte in Stuttgart? Ja, da stand er. Neben ihm übrigens Jan Schindelmeiser, 54, die andere ehemalige Zukunftsverkörperung. Der Sportvorstand musste schon früher erkennen, wie hart die schwäbische Gegenwart sein kann, ihn traf im vergangenen August der Bannstrahl.

Auftritte von besorgniserregender Natur

Das alles muss einen nicht wundern. Wolfgang Dietrich, seit Oktober 2016 im Amt, scheint die auf Gerhard Mayer-Vorfelder zurückgehende Tradition der Selbstherrlichkeit und Sprunghaftigkeit in der VfB-Führungsebene mit Vergnügen fortzusetzen. Schon ein bisschen tragisch, wie schnell man sich beim VfB gleich wieder der eigenen Fallsucht hingibt, im ersten Gegenwind einer sportlichen Krise, statt Wolf den Rücken zu stärken, einem nach wie vor vielversprechenden Trainertalent, und ihm die Chance zu geben, jene sportlichen Probleme abzuarbeiten, die es zweifellos gibt am Cannstatter Wasen. Denn zuletzt waren die Stuttgarter Auftritte ja eher von besorgniserregender Natur, irgendwie fahrig, so wie der stets in seiner Coaching Zone von einem Fuß auf den anderen tretende Wolf. Beim 2:3 in Mainz schon fehlte dem VfB der Pfiff, der letzte Mut, und dieser Eindruck potenzierte sich dann beim 0:2 gegen die Schalker am Wochenende in der ersten Halbzeit. 31 Prozent der Zweikämpfe konnten die Stuttgarter nur für sich entscheiden in diesen 45 Minuten. Eine erbärmliche Quote. Mit 20 Punkten nach 20 Spieltagen steckt der VfB im Abstiegskampf, aber nichts anderes war zu erwarten nach dem Aufstieg mit einer Mannschaft und einem Trainer, die gemeinsam an ihren Aufgaben wachsen sollten. Manager Reschke, der sich als Talentspäher in Leverkusen und bei den Bayern einen guten Ruf erarbeitete, muss nun beweisen bei der Nachfolgeregelung für Wolf, dass er in Stuttgart nachhaltiger arbeitet, als es tendenziell populistische Transfers à la Mario Gomez vermuten lassen.

Auch interessant

Kommentare