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„Zeig Rassismus die Rote Karte“: Schalke 04 hat sich in der Vergangenheit - hier ein Foto von 2015 - immer wieder klar positioniert.

Rassismus

Der Fall Tönnies: Eine Farce mit Marionetten

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Clemens Tönnies lässt seinen Posten als Schalke-Boss auf eigenen Vorschlag drei Monate ruhen, sanktioniert wurde er vom Ehrenrat des Klubs aber nicht - denn er setzt sein Strafmaß selbst fest. Ein inkonsequentes und unglaubwürdiges Verhalten aller Beteiligten. Der Kommentar.

Worte schaffen Wirklichkeit. Mehr muss man eigentlich nicht wissen, um ermessen zu können, dass Clemens Tönnies sich – erstens – als Vorstandsvorsitzender des FC Schalke 04 völlig unmöglich gemacht hat mit seinen rassistischen Äußerungen am Tag des Handwerks und – zweitens – die Entscheidung des Ehrenrates zu seiner Zukunft im Verein schlicht nicht hinnehmbar ist. Zumal Tönnies den Vorschlag selbst gemacht hat: Drei Monate lässt er sein Amt ruhen, dann nimmt er es wieder auf, als wäre nie etwas gewesen. Ein Witz von einer Entscheidung, die letztlich nur dazu dient, den Milliardär zu schützen. Ein Spiel auf Zeit. Wenn sich die Lage beruhigt hat, werden die Geschäfte wieder aufgenommen, wahrscheinlich heimlich still und leise.

Mit seiner Aussage, statt Steuererhöhungen im Kampf gegen den Klimawandel solle man lieber jährlich 20 Kraftwerke in Afrika finanzieren, denn „dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren“, hat Tönnies eine Geisteshaltung offenbart, die ihn untragbar macht als Chef eines Sportvereins mit 158.000 Mitgliedern. Und alle Kampagnen, alle vor den Spielen hochgehaltenen Nein-zu-Rassismus-Banner lösen sich quasi in Luft auf, wenn ein solcher Ausfall ohne ernsthafte Konsequenz bleibt. Dass der Ehrenrat zudem zum Schluss kam, dass der „erhobene Vorwurf des Rassismus unbegründet ist“, Tönnies sich lediglich der Diskriminierung schuldig gemacht habe, rundet die unwürdige Farce ab. Tönnies mag vielleicht kein Rassist sein, aber dass die von ihm gewählten Worte Rassismus in Reinkultur sind, steht außer Frage.

Aber was sollte man erwarten von dem fünfköpfigen Gremium, indem auch einer wie Klaus Bernsmann sitzt, Tönnies’ alter Rechtsanwalt und langjähriger Weggefährte. Unabhängigkeit sieht anders aus. Dass der Ehrenrat letztlich nur einem Vorschlag zugestimmt hat, der vom Schalker Boss selbst kommt, verhärtet nur den Eindruck eines Marionettentheaters.

Auf der Mitgliederversammlung des FC Schalke 04, wenige Wochen her, hat Finanzvorstand Peter Peters noch rassistische Sprüche in der Fankurve der Königsblauen stark kritisiert: „Da hätte ich kotzen können vor Ekel.“ Eines seien „diese Menschen“, die sich so äußerten, „sicher nicht: Schalker.“ Worte, die nun ad absurdum geführt werden durch das inkonsequente, unglaubwürdige Vorgehen aller Beteiligten im Fall Tönnies.

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