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Fall Matmour schlägt hohe Wellen

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Von: Ingo Durstewitz

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Karim Matmour, hier noch im Eintracht-Trikot, wird bei beim TSV 1860 München einigermaßen stillos abserviert.
Karim Matmour, hier noch im Eintracht-Trikot, wird bei beim TSV 1860 München einigermaßen stillos abserviert. © PATRIK STOLLARZ (AFP)

Erneuter Eklat bei 1860: Ex-Eintracht-Profi Karim Matmour wird degradiert.

Vitor Pereira ist nun nicht unbedingt bekannt dafür, besonders diplomatisch oder feinfühlig zu sein. Der portugiesische Trainer des TSV 1860 München verfolgt eher die Dampfhammermethode, er ist ein Mann der klaren Worte und Taten. Mal bei Karim Matmour nachfragen. Für den 31-Jährigen hat der Coach keine Verwendung mehr, was ja durchaus mal passieren kann. Schon im Winter sollte der Algerier den Klub verlassen, was nicht klappte, doch nun ist die nächste Eskalationsstufe erreicht und ein weiteres trauriges Kapitel in der an Merkwürdigkeiten und Absurditäten reichen Geschichte der jüngeren Löwen-Vergangenheit geschrieben. Das Thema Matmour hat sich längst zum Fall Matmour ausgeweitet.

Der frühere Profi der Frankfurter Eintracht, das berichten mehrere Medien, sei am vergangenen Dienstag mit seiner Gattin zunächst zu einem Mannschaftsabend eingeladen und schließlich wieder ausgeladen worden. Auch beim Profitraining ist er nicht mehr erwünscht. Die „Bild“ berichtet sogar von Mobbing-Methoden: Matmour sei nahegelegt worden, keinen Kontakt mehr zu seinen Mannschaftskollegen zu suchen und sich nicht mehr auf dem Gelände blicken zu lassen. Die Mitspieler sollen bestürzt reagiert haben. Matmour hat längst einen Anwalt beauftragt.

Die Berichterstattung veranlasste den Klub nun dazu, eine Pressemitteilung zu veröffentlichen. Dass ihm eine Kontaktsperre oder ein Hausverbot auferlegt worden wäre, „entspricht nicht der Wahrheit. Wir distanzieren uns in aller Deutlichkeit davon.“ Dessen ungeachtet bestätigte der Verein, dass Matmour, der als untadeliger Sportsmann bekannt ist, ab sofort in die viertklassige U21 zwangsversetzt worden ist. Es klingt fast wie Hohn, wenn es heißt: „Dort hat Matmour die faire Chance, sich erneut für die Profis zu empfehlen.“

Die Verantwortlichen wundern sich darüber, dass der Spieler „über die Medien Druck“ aufbaue, obwohl zuvor an einer „einvernehmlichen Lösung“ gearbeitet worden sei. „Es lässt uns darauf schließen, dass er lediglich das Ziel verfolgt, finanziellen Nutzen aus dieser Situation zu ziehen.“ Man könnte sich freilich auch über 1860 München wundern, wenn es nicht schon alltäglich wäre, sich über 1860 zu wundern. Der Wahnsinn ist an der Grünwalder Straße längst Normalität geworden.

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