Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Trainiert derzeit die Schweiz: Martina Voss-Tecklenburg.
+
Trainiert derzeit die Schweiz: Martina Voss-Tecklenburg.

Frauenfußball

Die Fahndung läuft

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen
  • Paul Schönwetter
    schließen

Der Deutsche Fußball-Bund braucht eine Langzeitlösung für sein Frauen-Nationalteam.

Ein Vereinsheim als Kontakthof. Eine Sitzplatztribüne als Sichtungsbühne. Und eine Halbzeitpause als Presserunde: Kurioserweise kam bereits am Dienstagabend im Stadion am Brentanobad im Frankfurter Stadtteil Rödelheim anlässlich des DFB-Pokal-Viertelfinals zwischen dem 1. FFC Frankfurt und Turbine Potsdam (0:2) auf engem Raum (fast) alles zusammen, was bei der langfristigen Trainerlösung für die Frauen-Nationalmannschaft von Bedeutung ist. Horst Hrubesch, der zunächst für die anstehenden WM-Qualifikationsspiele gegen Tschechien (7. April) und in Slowenien (10. April) als Interimstrainer einspringt. Joti Chatzialexiou, der in der neuen DFB-Struktur unterhalb von Oliver Bierhoff als Sportlicher Leiter zuständig ist für alle Trainerstäbe der Nationalmannschaften. Silvia Neid, die als Leiterin Trend-Scouting Frauenfußball künftig vermehrt die Sichtung in der Frauen-Bundesliga übernimmt. Oder Ulrike Ballweg, die treue Neid-Gefährtin und künftige Hrubesch-Gehilfin.

Und nicht zuletzt weilte Martina Voss-Tecklenburg vor Ort. Zufall? Weil U20-Nationaltrainerin Maren Meinert aus privaten Gründen kein Interesse an einer Beförderung hat, gehört die Schweizer Nationaltrainerin mit ihrer Vita zu einer Topkandidatin. „Ich mag meinen Job sehr. Einen Wechsel muss man sich zwei-, dreimal gut überlegen“, war von der 50-Jährigen im Vorbeigehen zu vernehmen. Offiziell möchte sie kein Statement abgeben. Die ehemalige Nationalspielerin liegt mit den Eidgenossen voll auf Kurs Richtung Frauen-WM 2019.

Automatisch ins Visier gerät auch Ralf Kellermann. Der Sportliche Leiter des VfL Wolfsburg weiß, dass die Verantwortung für die DFB-Auswahl ein Fulltime-Job wäre. In der Vergangenheit soll der 49-Jährige zwar Angebote der französischen Spitzenklubs Olympique Lyon und Paris St. Germain abgelehnt haben, äußerte sich aber bei WM oder EM gerne umfassend über das große Ganze im deutschen Frauenfußball. Kellermann sagte gegenüber der FR am Mittwoch: „Bei mir liegt der Fokus jetzt auf dem Verein. Wir haben enorm wichtige Spiele in drei Wettbewerben, und darauf möchte ich mich konzentrieren.“

A-Lizenz für Frauen ausreichend

Viele hielten den ehemaligen Zweitligatorwart – im Verbund mit seiner langjährigen Assistentin Britta Carlson – für die beste Lösung. Er hat sein Vereinsteam 2013 zum Triple geführt und zweimal die Women’s Champions League gewonnen. Dass Neid nun schnippisch anmerkte, „Herr Kellermann hat keinen Fußballlehrer“, war nur bedingt zielführend: Laut Uefa-Statuten ist die A-Lizenz für ein Frauen-Nationalteam ausreichend. Das höchste Trainer-Diplom wäre für das DFB-Amt offenbar wünschenswert, stellt aber vermutlich kein K.o.-Kriterium dar. 

Auf FR-Anfrage wollte Chatzialexiou naturgemäß keine Namen kommentieren. Der 42-Jährige will „strukturell etwas bewegen“ und hat beim SheBelieves-Cup festgestellt, „dass uns die Amerikanerinnen und Engländerinnen in der Geschwindigkeit und Athletik voraus sind.“ Und: „Wir hatten in der Vergangenheit einen sehr großen Vorsprung, der ist leider geschrumpft.“ Nichtsdestotrotz dürfe sich der Weltranglistenzweite auch nicht verzwergen, sondern: „Unsere Mannschaft hat Potenzial. Sie muss das Selbstbewusstsein haben, zuerst die Qualifikation zu schaffen, um dann bei der WM 2019 eine gute Rolle zu spielen. Ich sehe nicht die Gefahr, dass wir ins Niemandsland abgleiten.“ 

FFC-Manager Siegfried Dietrich, der dem Ausschuss Frauen- und Mädchenfußball angehört, rät: „Es sollte jemand werden, der langjährige Erfahrung hat und sich im Frauenfußball gut auskennt.“ Dem widersprach indirekt Hrubesch, der die Tür für Quereinsteiger aus dem Männerfußball offen halten will. Argumentation des Pragmatikers: „Fußball ist Fußball.“

Der englische Verband (FA) hat sich mit Phil Neville, ehemaliger Verteidiger von Manchester United, für solch ein Wagnis entschieden. Auf dem deutschen Markt hätte beispielsweise Wolfgang Rolff, ewiger Co-Trainer von Thomas Schaaf, Interesse. Ein anderer Name wäre womöglich Milorad Pilipovic. Der frühere Profi des SC Freiburg führte die Frauen im Breisgau einst in die Bundesliga. 

Immerhin: Durch die Übergangslösung Hrubesch hat der Verband an Zeit gewonnen. „Wenn er so ist, wie er immer ist, dann ist er genau richtig“, merkte seine Assistentin Ballweg an, die an die gemeinsamen Begegnungen mit dem 66-Jährigen während der Olympischen Spiele 2016 erinnerte, als Männer und Frauen im Finale in Rio standen.

Bis Sommer könne die Kür für das weibliche Aushängeschild dauern, hieß es nun von Hrubesch. Einige Hemmnisse sind hausgemacht: Die mit Abstand am besten im Frauenfußball vernetzte Funktionärin, Heike Ullrich, leitet nun die Direktion Verbände, Vereine, Ligen – und hat keinen Zugriff mehr aufs Nationalteam. Es wäre nur ratsam, würde auf ihre Expertise nicht völlig verzichtet. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare