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Einst ein kompromissloser Verteidiger in Bremen und auf Schalke, nun Trainer der Serben: Mladen Krstajic.

Deutschland-Serbien

Explosive Mischung im Kader

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Serbien bringt eine Menge Talent und nicht viel weniger Erfahrung mit in die Partie gegen Deutschland.

Es war ein herrlicher Sommertag im russischen Samara, als Mladen Krstajic sein Pokerface aufsetzte – mit Gesichtszügen, die an einen siegessicheren Zocker erinnerten. Gerade hatte die serbische Fußball-Nationalmannschaft in der Kosmos-Arena ihr WM-Auftaktspiel gegen Costa Rica 1:0 gewonnen, als Nationaltrainer Krstajic mit der zu diesem Zeitpunkt nicht mal abwegigen These konfrontiert wurde, ob er sich denn schon auf ein mögliches K.-o.-Duell mit Deutschland freue.

Der langjährige Bundesliga-Haudegen, für sein kompromissloses Abwehrverhalten bei Werder Bremen und dem FC Schalke 04 geschätzt, grinste – er tat mal frech so, als habe er die Frage nicht verstanden. Tatsächlich sollte das WM-Achtelfinale zwischen Deutschland und Serbien ein Hirngespinst bleiben. Serbien verfehlte das Weiterkommen vor allem wegen der Niederlage gegen die Schweiz (1:2), wobei Krstajic dafür den deutschen Schiedsrichter Felix Brych als Schuldigen ausmachte. „Ich würde ihn nach Den Haag schicken. Damit sie ihm den Prozess machen, wie sie ihn uns gemacht haben“, spielte der Coach auf den Sitz des Kriegsverbrechertribunals an. Brychs Videoassistent Felix Zwayer hatte im Moskauer Kontrollraum zwar fragwürdige Entscheidungen gefällt, aber Krstajic war mit seiner Schelte weit über das Ziel hinausgeschossen. Da auch noch Verbandspräsident Savo Milosevic Verschwörungstheorien auftischte, blieb in der Heimat aber der Eindruck haften, mal wieder benachteiligt worden zu sein.

Das Nationalteam hat daraus eine Trotzreaktion abgeleitet: In der Nations League sicherten sich die „weißen Adler“ ungeschlagen gegen Rumänien, Montenegro und Litauen den Aufstieg in die B-Kategorie, in der EM-Qualifikation heißen die Gegner nun Portugal, Ukraine, Litauen und Luxemburg. „Wir waren seit 20 Jahren nicht mehr bei einer EM-Endrunde. Das würde alles übertreffen, was ich bisher mit der Mannschaft erreicht habe“, behauptet Krstajic.

Für den 45-Jährigen sind die Prioritäten klar: „Ich glaube an meine Spieler, sie werden ihr Maximum geben, aber wichtiger als das Spiel gegen Deutschland wird das gegen Portugal sein.“ Gegen den amtierenden Europameister geht es um Punkte, heute Abend (20.45 Uhr) gegen den entthronten Weltmeister nur ums Prestige.

Viele Serben haben im vergangenen WM-Sommer mit einer Mischung aus Neid und Bewunderung auf das geblickt hatte, was der Nachbar Kroatien bewerkstelligte. Der Fußball entfachte ein Feuerwerk der Gefühle. Und natürlich fragten sich viele: Ist denn die Mischung bei Krstajic’ Kickern so viel weniger explosiv als diejenigen bei den Kroaten?

„Viele Spieler mit Potenzial“

Sergej Milinkovic-Savic, 24 Jahre alt, galt bei Lazio Rom schon vor Jahren als Spielmachertalent der Sonderklasse. Luka Jovic, 21, von Eintracht Frankfurt wird als Torjägerphänomen von europäischen Topklubs gejagt, kam als Ersatz hinter dem bulligen Mittelstürmer Aleksandar Mitrovic, 24, vom FC Fulham allerdings – unverständlicherweise – bisher nur zu Kurzeinsätzen. Filip Kostic, 26, überragt zurzeit bei Eintracht Frankfurt auf der linken Außenbahn mit fulminanten Tempoläufen. Tusan Tadic, 30, avancierte für Ajax Amsterdam beim Sensationssieg gegen Real Madrid zum weltweit bewunderten Matchwinner. Nemanja Matic, 30, wird im Mittelfeld bei Manchester United auch nicht müde – nur für das Länderspiel gegen Deutschland musste er wie Kapitän Aleksandar Kolarov, 33, absagen.

Mladen Krstajic weiß selbst, dass er eine richtig gute Mischung im Team beisammen hat. Er sagt: „Es geht nun für uns darum, Talent und Erfahrung ausgewogen zu kombinieren. Wir haben viele Spieler mit unglaublichem Potenzial.“

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