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Zuletzt gegen Souza, bald gegen Mbappé: Jonas Hector.

Verteidiger

Die ewige Not

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Matthias Ginter und Jonas Hector dürften hinten rechts und links verteidigen.

Dass es auf dem Trainingsplatz bei der deutschen Nationalmannschaft geordnet zugeht, dafür sorgt schon Marcus Sorg. Weit vor der Vormittagseinheit bei herrlichem Herbstwetter hatte der fleißige Assistenztrainer das Feld mit Hütchen und Stangen überzogen. Aus der Anordnung im Berliner Stadion am Wurfplatz ließ sich ableiten, dass beim A-Team am Donnerstag einige taktische Übungen anstanden. Die allerdings wurden auf dem Vereinsgelände von Hertha BSC hinter verschlossenen Türen erledigt. Zuvor hatte der um eine gewisse Öffnung bemühte Deutsche Fußball-Bund (DFB) eine Mixed Zone mit Matthias Ginter, Jonas Hector und Mark Uth eingerichtet. Es mag ja Zufall gewesen sein, dass an der Friedrich-Friesen-Allee vor den Kameras und Mikrofonen aus der Vogelperspektive genau jene Formation zustande kam, die auch für das Nations-League-Duell in den Niederlanden (Samstag 20.45 Uhr/ZDF) erwartet wird: links der Kölner Hector, rechts der Gladbacher Ginter. 

An ihrer Verlässlichkeit bestehen wenig Zweifel. Der mit 20 Länderspieleinsätzen gelistete Ginter darf sich immerhin Weltmeister 2014 nennen; der in der DFB-Auswahl doppelt so oft eingesetzte Hector war fast jahrelang unumstrittener Stammspieler, etwa bei der Europameisterschaft 2016. Und doch könnten in naher Zukunft die Außenbahnen die Schwachstelle des deutschen Teams sein, zumal hier seit Jahren vergeblich auf Nachschub aus dem Nachwuchsbereich gehofft wird. Der gebürtige Freiburger Ginter gilt als Rechtsverteidiger eher als Notlösung, seitdem Bundestrainer Joachim Löw Joshua Kimmich im defensiven Mittelfeld einsetzt. Gewisse Probleme Ginters waren beim Neuanfang sowohl gegen Frankreich (0:0) als auch beim Freundschaftsspiel gegen Peru (2:1) zu beobachten. 

Gleichwohl wird der 24-Jährige nicht an Löws Zimmertür klopfen, um einen Versetzungsantrag einzureichen. Der reflektierende Charakter möchte sich nämlich nicht beklagen: „Es gibt nicht so viele Unterschiede. Ob man in der in der Viererkette innen oder außen oder in der Dreierkette halbrechts verteidigt, ist gar nicht so ein großer Unterschied. Ich versuche, defensiv gut zu stehen und offensiv Akzente zu setzen. Im Grunde kenne ich die Position, und ich fühle mich da auch wohl.“ Soll heißen: Da ist einer dauerhaft bereit für den Rollenwechsel.

Hector muss kämpfen

Etwas anders ist der Fall Hector gelagert. Gestern kam es zur kuriosen Konstellation, dass einige hundert Meter Luftlinie weiter Herthas Stammverteidiger Marvin Plattenhardt bei einem prima gestarteten Erstligisten übte, während der Zweitligaspieler vom 1. FC Köln mit der Nationalelf probte. Noch krasser wirkt der Gegensatz seiner Gegenspieler: am vergangenen Montag Cauly Oliveira Souza vom Zweitligisten MSV Duisburg, am kommenden Dienstag Kylian Mbappé vom Weltmeister Frankreich. Der 28-Jährige vertiefte gestern diese Thematik nicht: „Ich gehe an die Sache heran wie sonst auch: Man hat seine Aufgabe im Verein und ich habe meine Aufgabe bei der Nationalmannschaft.“ Überdies sei es auch kein Problem, bei den einen im Mittelfeld und bei den anderen als Linksverteidiger zu spielen. „Das gab es in der Vergangenheit auch schon.“

Der gebürtige Saarländer weiß den Bundestrainer hinter sich, der Hectors Spielverständnis und seine Technik schätzt. Aber seitdem er die September-Länderspiele wegen Überbelastung absagte, sind die öffentlichen Zweifel nun einmal vorhanden, zumal auf seiner Problemposition neben dem erneut berufenen Hoffenheimer Nico Schulz noch der Augsburger Philipp Max lauert, den Löw bisher beharrlich übersieht. Hector: „Es ist doch ganz normal, dass es Konkurrenzkampf gibt. Ich muss das annehmen.“ Es klang, als sei er darauf mindestens so gut vorbereitet wie der Assistenzcoach Sorg aufs nächste Training.

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