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Europäisches Abschneiden der Bundesligisten: Erlebnis statt Ergebnis

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Von: Jakob Böllhoff

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Enttäuscht und dennoch stolz: die Freiburger Fußballer.
Enttäuscht und dennoch stolz: die Freiburger Fußballer. © dpa

Das Aus des SC Freiburg gegen Juventus Turin reiht sich sauber ein in die deutsche Bilanz in Europa. Ein Kommentar.

Der große Freiburger Fußballabend war längst nicht ausgeklungen, da wanderten Christian Streichs Gedanken schon wieder Richtung Alltag. Bundesliga am Sonntag, sehr schwieriges Auswärtsspiel für den SC Freiburg beim ins Rollen gekommenen FSV Mainz 05 (19.30 Uhr/Dazn). „Die Mainzer“, sagte der Trainer der Breisgauer also, „sind heftig. Aber wir werden versuchen, auch ein bisschen heftig zu sein.“

Draußen diskutierten die SC-Fans noch aufgeregt über das Achtelfinal-Aus in der Europa League, 0:2 gegen Juventus Turin. Bald hatten die Leute ihren Frieden mit der Freiburger Fußballreise durch Europa gemacht, die an diesem Donnerstag zu Ende ging. Dem italienischen Rekordmeister hatte das SC-Team noch einmal einen großen Fight geliefert, an einem elektrisierenden Abend zu Fuße des Schwarzwaldes, der auch im neuen Stadion interessiert über die Tribünen lugt. Und so eines Spielverlaufes gewahr wurde, der mit heftig nur unzureichend umschrieben wäre.

Denn mit dem, was kurz vor dem Halbzeitpiff geschah, wird man beim SC und um den SC herum eher nicht so schnell Frieden schließen. Eine einzige Szene, die den Rest des Spiels verschluckte. Freiburgs Verteidiger Manuel Gulde bekam den Ball an die Hand, versehentlich, im Fallen, bei völlig unverdächtiger Armhaltung. Wenig später schritt der flattrige Schiedsrichter aus den Niederlanden, Serdar Gözübüyük, an den Spielfeldrand, um die Situation am Bildschirm zu überprüfen. Dann entschied er auf Strafstoß für Juve und stellte den bereits verwarnten Gulde mit Gelb-Rot vom Platz.

Eine größere Diskrepanz zwischen Vergehen und Bestrafung ist kaum vorstellbar. Juve ging in Führung, und die vehementen Versuche der Freiburger, den 0:1-Rückstand aus dem Hinspiel noch zu drehen, lösten sich in nichts auf.

Das war Pech, wenn man so will. Dennoch lag über beiden Duellen das Gefühl einer radikalen Ungleichheit. In den Tagen vor dem Rückspiel wurden die Freiburger von der Juve-Seite gebeten, doch bitteschön den gesamten Gästebereich mit Sitzen auszustatten; die Fans der „Alten Dame“ würden es bevorzugen, das Spiel im Sitzen zu verfolgen. So gedachte auch das Team, diese Aufgabe zu absolvieren: zurückgelehnt. Die Turiner, so der Eindruck, ließen den SC an der ausgestreckten Hand verhungern.

Letztlich reiht sich das Freiburger Aus sauber ein in die deutsche Bilanz in Europa, Champions League wie Europa League. Dortmund gegen Chelsea: chancenlos. Frankfurt gegen Neapel: sehr chancenlos. Leipzig gegen Manchester City: ganz ausgesprochen chancenlos. Und wirklich ärgern – eine Handvoll sehr seltsamer Schiedsrichterentscheidungen gegen die deutschen Team mal außer Acht gelassen – muss sich eigentlich nur Union Berlin, das sich in der Europa League von einem Gegner auf Augenhöhe überwältigen ließ, den Belgiern von Royal Union Saint-Gilloise.

Lediglich Bayern München in der Champions League und Bayer Leverkusen in der Europa League haben das Viertelfinale erreicht. Klingt ein bisschen dürftig. Andererseits wird die Luft auf diesem Niveau sehr schnell sehr dünn, und gerade für einen Klub wie Freiburg, der mittendrin steckt in einem Wachstumsprozess, war immer das Erlebnis das Ziel, nicht das Ergebnis.

Wenn man die Bundesliga-Tabelle richtig versteht, dürfen die Freiburger sich in der nächsten Saison erneut auf eine Reise durch Europa begeben. Vorausgesetzt, sie meistern den Alltag. Wird ja heftig.

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