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Die Sieger von Baku: der FC Chelsea mit Pott.

Europa League

Zu viel Blues: Chelsea triumphiert in Baku

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Eden Hazard entscheidet das Finale in Baku, in dem Özil abtaucht.

Ein gutes Pferd springt bekanntlich nur so hoch wie es muss, mag sich dieser ältere, ewig qualmende Herr im bequemen Trainingsanzug gedacht haben - und versteckte seinen besten Mann auf der Ersatzbank, wenn überhaupt. Manchmal schaffte es Eden Hazard nicht einmal in den Kader. Den Stürmer, der jetzt mit zwei Treffern und einer Vorlage beim ungefährdeten 4:1 (0:0)-Erfolg des FC Chelsea gegen FC Arsenal das Londoner Stadtderby in Baku fast alleine entschied, ließ Maurizio Sarri, der Trainer, nur ran, wenn es unbedingt nötig war. Bei der Hälfte der 15 Spiele in der Europa League war der Superstar gar nicht dabei, lediglich in zwei Spielen spielte der Dribbler durch, im zweiten Halbfinal-Rückspiel gegen die Frankfurter Eintracht, die Chelsea nicht bezwingen konnte, und eben in diesem Finale.

Dass der FC Chelsea dennoch keines seiner 15 Spiele in der Europa League verloren hat, sagt eine ganze Menge über die Qualität dieses Kaders aus. Sarri konnte es sich leisten, Hazard für die Premier League zu schonen und trotzdem seinen allerersten Titel im hohen Alter von 60 Jahren zu gewinnen.

Der Mann, der in 352 Spielen 110 Tore erzielt und 92 Vorlagen gegeben hat, wird Chelsea verlassen und sich für etwa 130 Millionen Euro Real Madrid anschließen. „Ich denke, dass war mein Abschied“, sagte der Belgier nach seiner letzten Galavorstellung nach sieben Jahren. Und stemmte den 15 Kilogramm schweren Silberpott in die Höhe. Und weil Olivier Giroud zudem in der 48. Minute zum 1:0 getroffen hat, ist der Frankfurter Luka Jovic nicht europäischer Schützenkönig geworden. Diese Trophäe sicherte sich mit elf Toren eben Giroud, Jovic kam auf zehn Treffer. Das 2:0 erzielte der Spanier Pedro, dem damit als erster Spieler überhaupt gelungen war, in allen drei großen europäischen Finalspielen in Klubwettbewerben (Uefa-Supercup, Champions League und Europa League) je einen Treffer zu erzielen.

Mesut Özil Sinnbild des Scheiterns

Während also Eden Hazard zum Helden des Abends wurde, war Mesut Özil auf der anderen Seite Sinnbild des Scheiterns, mal wieder. So leer und frustriert hatte der ehemalige deutsche Nationalspieler nicht einmal beim WM-Aus nach der Erdogan-Affäre gewirkt. Der Weltmeister von 2014 war geschockt, entgeistert – regelrecht apathisch, minutenlang saß er alleine und gedankenverloren auf der Ersatzbank. Die Silbermedaille riss er sich sofort wieder vom Hals. Als in der Interviewzone sein Name gerufen wurde, blickte er nicht einmal auf. Nach der Niederlage gegen den Londoner Stadtrivalen hatte Özil den Blues.

Zum Hauptdarsteller wurde der auf dem Feld fast unsichtbare Özil nämlich erst wieder im Nachspiel der Kritiker. „Zu ihm fällt uns nichts mehr ein“, schrieb die englische „Sun“. Der „Telegraph“ meinte: „Dass er gegen einen 19-Jährigen ausgewechselt wurde, der seit Februar nur ein Spiel im A-Team gemacht hat, sagt alles.“ Und der „Mirror“ urteilte: „Als es ernst wurde, tauchte er ab.“

Bei Özils Auswechslung waren Buhrufe deutlich zu vernehmen. Und Martin Keown bediente sich bei seinem Urteil beißenden Spotts. „Sie hatten Hazard, wir hatten eben Özil“, sagte die Arsenal-Ikone. Der einst eisenharte Verteidiger, der elf Jahre für die Gunners spielte, ergänzte als Experte bei BT Sport: „Özil ist unser größter Spieler. Aber in der Hälfte der Spiele ist er gar nicht da. Er denkt, er tut genug. Aber das tut er nicht.“

Und so schlich Özil um 1.53 Uhr Ortszeit mit gesenktem Kopf aus dem Stadion und steht vor der nächsten schweren Sommerpause. Sportlich steht er vor einer ungewissen Zukunft. Arsenal will mit ihm verlängern oder ihn verkaufen. Spiele wie das am Mittwoch dürften die zweite Variante wahrscheinlicher werden lassen. Auch bei den anderen beiden deutschen Gunners herrschte Frust. Shkodran Mustafi und Bernd Leno hatten 90 Minuten auf der Bank gesessen und wollten anschließend ebenfalls nicht reden. Leno hatte im Tor Petr Cech (37) in dessen letztem Karriere-Spiel den Vortritt lassen müssen. (mit dpa)

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