Borussia Mönchengladbach - Trainer Marco Rose
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Borussia Mönchengladbachs Trainer Marco Rose.

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Etwas für Nostalgiker

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der Höhenflug von Borussia Mönchengladbach hängt eng mit Trainer Marco Rose zusammen. Trotzdem ist das Tableau nur eine Momentaufnahme. Ein Kommentar.

Die geburtenstarken Jahrgänge kennen die Kardinalfrage ihrer Kindheit zur Genüge: Wen findest du besser? Borussia Mönchengladbach oder Bayern München? Berti Vogts oder Franz Beckenbauer? Rainer Bonhof oder Uli Hoeneß? Jupp Heynckes oder Gerd Müller? Meister konnte in den 70er Jahren nur einer werden. Dass Deutschland 1972 die Europameisterschaft, 1974 die Weltmeisterschaft gewann, hatte viel mit der Dominanz dieser Vereine zu tun, die nicht nur ein Jahrhunderttalent hervorbrachten.

Doch schon in den 80er Jahren verlor die Fohlenelf aufgrund der wirtschaftlichen Nachteile am Bökelberg den Anschluss. Bald schien der Rückstand gar nicht mehr wettzumachen. Insofern ist der aktuelle Zwischenstand bemerkenswert: Kluge Kaderpolitik hier (Mönchengladbach), konfuses Gebaren dort (München) haben wieder zu einer Annäherung geführt. Die Borussia macht aus vergleichsweise wenig gerade sehr viel, die Bayern hingegen haben mit Fehlern in der Transferperiode und bei der Trainerbesetzung gezeigt, dass 750 Millionen Euro Jahresumsatz nicht vor einer Delle in der Tabelle schützt. Drei Unentschieden und drei Niederlagen – damit kamen die Bayern ansonsten fast in einer Saison aus.

Pikant, weil die strategischen Geschicke der wachgeküssten Fohlenelf von einem gebürtigen Bayern gelenkt werden, der von der Jugend bis zum Profidebüt für den FC Bayern kickte: Max Eberl ist der Baumeister im Borussia-Park. Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß waren sich bei seiner Person mal wieder nicht einig, ob Eberl vielleicht Manager an der Säbener Straße werden sollte. Der sagte dann lieber ab. Gut für die Liga.

Klar, seit Eberls Amtsantritt als Gladbachs Sportchef 2008 hat nicht jeder Handgriff gesessen, aber seine Weitsicht bei der Kaderplanung ist imposant. Gesegnet mit dem Gespür, auch unbequeme Personalentscheidungen wie die Trennung von Dieter Hecking weitgehend ohne Gesichtsverlust zu moderieren. Wenn der 46-Jährige Stützen wie Marc-André ter Stegen oder Marco Reus verlor, dann stand Ersatz immer parat. Wer in acht Jahren fünfmal den Europapokal erreicht hat, legt die Entwicklung langfristig an. Gerade zeigt der Trend unter dem neuen Trainer Marco Rose sehr steil nach oben. Trotzdem sollte niemand den sechsten Meistertitel zum Saisonziel ausrufen. Das Tableau nach 13 Spieltagen ist nur eine Momentaufnahme.

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