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Mastermind: Thomas Tuchel.
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Mastermind: Thomas Tuchel.

Kommentar

Espresso mit Wespe

  • Jakob Böllhoff
    VonJakob Böllhoff
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Was Thomas Tuchel innerhalb weniger Monate beim FC Chelsea aufgebaut hat, lässt darauf schließen, dass es sich lohnen kann, seine bisweilen etwas irre Art zu ertragen. Ein Kommentar.

Ousmane Dembélé hat gerade in einem Fernsehinterview verraten, dass Thomas Tuchel sein Lieblingstrainer ist, und angedeutet, warum: „Er sagte mal zu mir, ich solle zentraler stehen, kurz einen Espresso trinken, und der Ball wird zu mir kommen. Dann soll ich loslegen.“ Dembélé, der heute beim FC Barcelona spielt, und der inzwischen beim FC Chelsea angestellte Tuchel kennen sich aus gemeinsamen Tagen bei Borussia Dortmund, aus welchen sonst aber nur wenige herzliche Bindungen überliefert sind. Würde man zum Beispiel den Dortmunder Klubchef Hans-Joachim Watzke fragen, ob Tuchel sein Lieblingstrainer ist, würde man mutmaßlich einen Espresso ins Gesicht geschüttet bekommen.

Dass Thomas Tuchel ausschließlich Thomas Tuchel ist und nicht, sagen wir mal, ein bisschen auch Jürgen Klopp, haben sie beim BVB nie so ganz einsehen wollen, wo die kloppsche Emotionalität bis heute als Phantomgefühl übers Gelände wabert, vermischt mit der Reue einer im Nachhinein unnötigen Trennung – ach, hätten wir doch nur …

Tuchel, die Nervensäge

Nicht auszuschließen, dass Watzke inzwischen auch bei Tuchel so denkt, ganz kurz natürlich nur, in schwachen, unbeobachteten Momenten. Was dieser Trainer innerhalb weniger Monate beim FC Chelsea aufgebaut hat, fürs Erste gipfelnd im Erreichen des Champions-League-Finals, lässt darauf schließen, dass es sich lohnen kann, seine bisweilen etwas irre Art zu ertragen, um seiner Brillanz als Fußballlehrer Raum zu geben. Natürlich, für die Spieler wie Funktionäre muss sich die Zusammenarbeit mit Tuchel manchmal anfühlen, als wenn man eine Wespe im Auto hat, eine surrende, hochenergetische Präsenz, unberechenbar. Aber die wahren Weltklassetrainer sind ja alle auf ihre Art verrückt, mindestens ein bisschen.

Womöglich ist Tuchel der modernste Trainer der Welt. Er kann sich nicht auf die Autorität einer langjährigen, erfolgreichen Profikarriere berufen, ganz einfach, weil er keine hatte (das Knie, das Talent) – und er würde es auch gar nicht wollen. Für ihn ist das Trainersein eine intellektuelle Disziplin, das Spiel eine Materie, die es zu durchdringen gilt und zu verstehen.

Da ist er wie der Spanier Pep Guardiola, auf den er mit Chelsea im Champions-League-Finale gegen Manchester City treffen wird. Ein Gigantenduell, auf würdiger Bühne. Zu genießen am Besten mit einer Tasse Espresso.

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