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Haben nicht nur bei der WM viel vor: Die Nationalspielerinnen Sjoeke Nüsken, Jule Brand und Maximiliane Rall (von links).
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Haben nicht nur bei der WM viel vor: Die Nationalspielerinnen Sjoeke Nüsken, Jule Brand und Maximiliane Rall (von links).

Frauenfußball

Es werde Licht

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Der deutsche Frauenfußball, speziell Nationalmannschaft und Bundesliga, lechzen 2022 nach mehr Anerkennung und Sichtbarkeit – dabei eröffnet das nächste Jahr große Chancen.

Viele Worte hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in seiner Rückschau auf das Jahr 2021 über seine Frauen nicht verloren. Erst im vorletzten Absatz einer längeren Gesamtbetrachtung, die neben den Interimspräsidenten Rainer Koch und Peter Peters auch die einst die Direktion Frauen und Mädchenfußball leitende Generaldirektorin Heike Ullrich unterzeichnet hat, finden sich einige wenige Sätze. Bei der um ein Jahr verschobenen Europameisterschaft in England werde das Frauen-Nationalteam sicher eine gute Rolle spielen, steht da. Und: „Unser Ziel heißt Wembley-Stadion, wo am 31. Juli 2022 das Finale stattfindet.“ Damit liegt die Messlatte also noch ein bisschen höher als bei DFB-Direktor Oliver Bierhoff, der den Vorstoß unter die letzten Vier von Männern wie Frauen im Turnierjahr 2022 einfordert.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg scheint ziemlich schnuppe, was die Vorgesetzten fordern – die 54-Jährige geht selbst mit dem höchsten Anspruch in die EM, nachdem sie bei der WM 2019 in Frankreich im Vorlauf zu wenig Zeit hatte, um ihre Vorstellungen durchzubringen. Das vermeidbare Viertelfinal-Aus führte dazu, dass die deutschen Fußballerinnen zu Hause waren, als in Lyon für die Finalspiele die großen Lichter angeknipst wurden. Drei Jahre seitdem ohne großes Turnier sind für die DFB-Frauen eine verdammt lange Zeit.

Die auch von der Bundestrainerin befeuerte Debatte um passende Anstoßzeiten für Frauen-Länderspiele in den öffentlich-rechtlichen Sendern („ich habe das Gefühl, dass wir da nicht wirklich weitergekommen sind“) hat ein bisschen von der Tatsache abgelenkt, dass nur die Turniere größere Publikumsschichten erreichen. Dennoch ist Voss-Tecklenburg ja zu verstehen, wenn „sie sich mehr Flexibilität in der Programmgestaltung“ wünscht. Denn: „Wir haben Werte, die es sich anzuschauen lohnt.“ Professionalität, Authentizität und Attraktivität etwa. Nebenbei verhielten sich die Frauen beim Thema Corona deutlich umsichtiger als die Männer, wie die extrem niedrige Zahl positiver Fälle in Nationalmannschaft und Bundesliga belegt haben. Und von Impfmuffeln à la Joshua Kimmich war nichts bekannt.

Dass Frauen vielleicht die glaubwürdigeren Vorbilder sind, soll auf verschiedenen Ebenen häufiger herausgestrichen werden. Wobei der Weg zu mehr Anerkennung und Sichtbarkeit dornenreich bleibt. Das spürt auch die prominent besetzte Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“, die letztlich mangels Erfolgsaussichten auf eine eigene Kandidatin für den DFB-Chefposten verzichtet. Der DFB erfahre auch deshalb eine starke Ablehnung in der Gesellschaft, sagt Initiatorin Katja Kraus, weil sich der Verband an der Spitze dem Thema Diversität verweigere.

Tatsächlich sind viele Türen in der männlich geprägten Fußball-Welt noch zu. Die langjährige Nationalspielerin Inka Grings, aktuell Trainerin bei den Frauen des FC Zürich, würde liebend gerne die Pionierin im Männer-Profibetrieb geben, monierte aber jetzt gegenüber dfb.de: „Die Verantwortlichen zu überzeugen, ist die größte Herausforderung.“ In ihrem Metier zeigt sich das Missverhältnis überdeutlich. Selbst in der Frauen-Bundesliga arbeitet mit Anne Pochert (FC Carl Zeiss Jena) nur eine einzige Cheftrainerin. Dass gleich 14 aktuelle Nationalspielerinnen, darunter mit Almuth Schult, Sara Däbritz, Lina Magull oder Alexandra Popp viele prägende Persönlichkeiten den ersten Trainerschein absolvieren, sei „ein tolles Statement“, so Voss-Tecklenburg, „das geht genau in die richtige Richtung.“

Für sie erfolgt 2022 der Startschuss in eine spannende Zukunft. Auf die EM 2022 im Mutterland des Fußballs folgt die auf 32 Teams vergrößerte WM 2023 in Australien und Neuseeland, die den globalen Fortschritt der Frauen demonstrieren soll. Dass der zweifache Weltmeister Deutschland dabei ist, steht nach sechs Siegen in der WM-Qualifikation eigentlich außer Frage. Im Jahr darauf könnten die Olympischen Spiele in Paris locken.

Herausforderungen, für die auch die Bundestrainerin brennt, die ihren Job seit Amtsantritt ohnehin als Langzeitprojekt begriffen hat. „Natürlich wollen wir versuchen, mit dieser Nationalmannschaft so gut, attraktiv und erfolgreich wie möglich zu spielen. Erfolg wird auch dazu beitragen, dass wir in strukturellen Belangen weiterkommen“, glaubt sie. Die Perspektiven sind nicht die schlechtesten, weil die Mischung in ihrem Kader stimmt.

Lena Oberdorf (20 Jahre), Klara Bühl (21), Giulia Gwinn (22) und Lea Schüller (24), neuerdings noch Jule Brand (19) sind teils feste Größen, haben ihre beste Zeit aber noch vor sich, und auch die nachrückenden Jahrgänge sind noch mit spannenden Talenten gespickt, aber dafür bröckelt es an der Basis: Die Zahl der aktiven Mädchen ist teils dramatisch rückläufig. Zuletzt wies die DFB- Mitgliederstatistik aus 2020/2021 nur noch 131 467 aktive Spielerinnen (Frauen und Mädchen) aus. Damit hat sich der wirklich auf dem Fußballplatz tätige Grundstock gegenüber 2016/2017 (279 640) mehr als halbiert. Ein Problem, das nicht totgeschwiegen werden darf und mit nachhaltigen Konzepten bekämpft werden muss, um den deutschen Frauenfußball wirklich dauerhaft zum Leuchten zu bringen.

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