1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

Aus für Timo Werner: Hansi Flick droht jetzt Flickwerk

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jan Christian Müller

Kommentare

Da helfen auch die Streicheleinheiten der Kollegen nicht: Timo Werner hat sich am Knöchel verletzt.
Da helfen auch die Streicheleinheiten der Kollegen nicht: Timo Werner hat sich am Knöchel verletzt. © dpa

Bundestrainer Hansi Flick beklagt nicht nur das WM-Aus für Timo Werner, sondern kurz vor WM-Start mehrere lädierte Nationalspieler. Und der verletzungsträchtige November hat gerade erst begonnen. Ein Kommentar.

Vor der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 hatten Ex-Bundestrainer Joachim Löw und sein damaliger Assistent Hansi Flick wochenlang im Trainingscamp im Passeiertal Zeit, die lädierten Recken wieder auf Vordermann zu bringen. Philipp Lahm war kurz zuvor im DFB-Pokalfinale schon nach einer halben Stunde mit einem verschobenen Sprunggelenk ausgewechselt worden, Bastian Schweinsteiger hatte im Endspiel von Berlin wegen anhaltender Knieprobleme ganz zuschauen müssen, Mats Hummels wegen Fußweh nur mit Schmerztabletten durchgehalten, Manuel Neuer erlitt bei einer Rettungsaktion Nähe der Außenlinie eine Schulterblessur. Sami Khedira schlug sich mit Nachwirkungen seines im November 2013 im Spiel gegen Italien erlittenen Kreuzbandrisses herum.

Das Ärzteteam des Deutschen Fußball-Bundes bekam das Lazarett Lahm, Schweinsteiger, Khedira, Neuer, Hummels dank der umfangreichen Vorbereitungszeit wieder auf Trab. Andernfalls wäre Jogi Löw vielleicht Bademeister am Strand vorm legendären Campo Bahia geworden oder Hausmeister der Ferienanlage, am Atlantik, aber nie und nimmer Weltmeister in Rio.

Achteinhalb Jahre später sorgt sich der inzwischen zum Chef beförderte Hansi Flick ganz ähnlich wie 2014, mit dem feinen Unterschied: Es gibt kein Trainingslager unter der Frühlingssonne Südtirols mit ausschweifender Saunalandschaft und Muße, Nerven kitzelnd sinnlos mit Rennwagen durch die Berge zu heizen und Touristen umzumähen.

Am Donnerstag gibt Flick seinen WM-Kader bekannt. Nicht dabei nach seinem Syndesmosebandriss vom Mittwoch in der Champions League: Timo Werner, der schon nach 19 Minuten vom Feld musste und tags darauf die „Schock-Diagnose“ (Deutsche Presseagentur) erhielt. Der Leipziger war vom Bundes-Hansi als feste Größe eingeplant gewesen. Der Ausfall ist angesichts der notorischen Mittelstürmer-Not für Flick kaum zu flicken.

Und es droht noch mehr Flickwerk: In den vergangenen Wochen gar nicht gespielt haben: die drei Münchner Leroy Sané (Muskelfaserriss im Oberschenkel Mitte Oktober), Thomas Müller (Hüfte und Leiste seit Ende September) und Manuel Neuer (Schulter, seit 8. Oktober ohne Spielpraxis). Hinzu kommen: zum wiederholten Mal der Dortmunder Marco Reus (wegen Außenbandanriss letztes Spiel über 90 Minuten Mitte September) sowie der Gladbacher Jonas Hofmann (Schultereckgelenkssprengung Mitte Oktober), schließlich der Leverkusener Florian Wirtz nach dessen im März erlittenen Kreuzbandriss und Lukas Klostermann nach einer Operation am Syndesmoseband im August. Beide haben seitdem noch keine Minute wieder gespielt.

Hoffnung macht sich Flick, weil sich bis auf Werner sämtliche der aufgezählten Spieler auf dem Wege der Besserung befinden (und ihre Genesung streng auf die WM ausgerichtet haben). Aber drei Bundesligaspieltage binnen acht Tagen finden bis zum Abflug am 14. November noch statt. Und: Der feucht-kalte November ist erfahrungsgemäß ein verletzungsträchtiger Monat. Timo Werner lässt schön grüßen.

Auch interessant

Kommentare