Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Inmitten gedeckter Farben: Das damalige DFB-Präsidium um Hannelore Ratzeburg im September 2019 nach der Wahl des zurückgetretenen Fritz Keller.
+
Inmitten gedeckter Farben: Das damalige DFB-Präsidium um Hannelore Ratzeburg im September 2019 nach der Wahl des zurückgetretenen Fritz Keller.

Deutscher Fußball-Bund sucht Nachfolger für Fritz Keller

„Es braucht Lust an Erneuerung“

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
    schließen
  • Jan Christian Müller
    Jan Christian Müller
    schließen

Neun Frauen um Katja Kraus bleiben hartnäckig und wollen, dass der DFB künftig von einer Doppelspitze geführt wird.

Katja Kraus lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Die ehemalige Fußball-Nationaltorhüterin setzt sich seit vielen Jahren schon dafür ein, dass es Frauen im Fußball in Führungspositionen schaffen. Kraus weiß, wovon sie spricht. Sie war acht Jahre lang Marketingvorstand beim Hamburger SV. Die geschäftsführende Gesellschafterin der Sportmarketingagentur Jung von Matt/Sports und vormalige Adidas-Aufsichtsrätin ist top-vernetzt im deutschen Fußball.

Deshalb wird ihr Ansinnen, das sie jetzt gemeinsam mit acht Mitstreiterinnen die Initiative „Fußball kann mehr“ mit neuem Schub vorbringen will, beim Deutschen Fußball-Bund ernst genommen. „Es braucht eine inhaltliche Zukunftsvision für den Fußball“, sagt Kraus im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Diese Zukunftsvision sieht die 50-Jährige - an deren Seite unter anderem Nationaltorhüterin Almuth Schult, TV-Kommentatorin Claudia Neumann, Ex-Bundesligareferee Bibiana Steinhaus-Webb und Fansprecherin Helen Breit stehen - in den derzeitigen DFB-Strukturen nicht gegeben.

Statt nach zuletzt vier vorzeitigen Rücktritten den nächsten langgedienten Funktionär zum DFB-Präsidenten zu wählen, schlägt Kraus eine Doppelspitze vor. Sie sagt das nicht nur, sondern ist gewillt, die Forderung mit Leben zu erfüllen: „Wenn man eine Doppelspitze haben will, dann muss man sie anbieten, mit den passenden Menschen.“ Die Managerin, die selbst kein Teil eines DFB-Führungsduos werden will, ist „überzeugt, dass man diese Rolle auch sehr gut ausfüllen kann, ohne zuvor jahrelange Verbandsarbeit geleistet zu haben. Es braucht vor allem die Lust an Erneuerung und die inhaltliche Kompetenz dafür“.

Einige der 21 Landesverbände sowie das Gros der Fußball-Bundesliga, die am 11. März in Frankfurt gemeinsam die neue DFB-Führung wählen, sehen das ähnlich. Viele sehen es aber auch anders, so wie Rainer Koch. Der DFB-Vize ist dafür, eine erfahrene Person aus der Mitte der Amateurvertreter zu finden. „Wir benötigen jemanden, der nicht nach der dritten Sitzung aufsteht und geht, weil ihm oder ihr etwas nicht passt.“ Um die Suche voranzutreiben, hat sich am Wochenende eine Art Findungskommission gebildet. Laut Selbstauskunft freiwillig nicht dabei: Koch, der die Debatte so nicht durch seine Person belasten will.

Gespräche mit Rainer Koch abgelehnt

Das sollte Gespräche mit der Frauengruppe erleichtern, denn mit Koch steht sich diese noch vor der DFB-Ethikkommission gegenüber. Es geht um eine Auseinandersetzung zwischen Koch und Bibiana Steinhaus-Webb, die inzwischen bei der englischen Schiedsrichtervereinigung angestellt ist, Katja Kraus stellt fest: „Wir wollen nicht mit Rainer Koch sprechen, solange wir uns in einem laufenden Verfahren befinden, ansonsten reden wir gern und regelmäßig mit Menschen aus der DFB-Organisation und aus den Landesverbänden.“

Koch findet das befremdlich. Er sagt, es sei nicht akzeptabel, dass die Frauengruppe Bedingungen für Gespräche mit der DFB-Spitze stellt. Und er weist darauf hin, dass in dem von ihm geführten bayerischen Landesverband künftig mindestens zwei Frauen zum siebenköpfigen Präsidium gehören sollen. „Es gibt keinen Landesverband, der dann fortschrittlicher aufgestellt ist.“

Hannelore Ratzeburg ist schon 70 Jahre alt

Schleswig-Holsteins einflussreicher Verbandschef Uwe Döring räumt gleichwohl ein, dass im DFB Nachholbedarf besteht. Nur die aufgrund ihres Alters nicht zur Wiederwahl stehende 70-jährige Hannelore Ratzeburg gehört zum 17-köpfigen Präsidium. Es sei „schwierig, Frauen für Führungsaufgaben im Fußball zu begeistern“. Die Frage sei nicht beantwortet: „Wie können wir es schaffen, dass wir die Gesellschaft besser repräsentieren?“ Klingt verdächtig danach, als sei Katja Kraus dafür genau die richtige Ansprechpartnerin. Der DFB-Frauenausschuss mokiert sich indes, dass die Kraus-Gruppe keinen Kontakt aufgenommen hat.

Offiziell heißt es aus dem Verband, dass die „nächsten Prozessschritte in den kommenden Monaten erarbeitet werden“. Vieles bleibe im Ungefähren, findet die „Fußball kann mehr“-Gruppe und fürchtet Lippenbekenntnisse, denen kaum Taten folgen.

„Fußball, die (feminin)„

Dazu würde der Umgang mit der Ende Mai vor dem DFB-Pokalfinale der Frauen vorgestellten Papier „Frauen im Fußball – Strategie 2027“ passen. Seitdem sind Banden und Spots geschaltet, auf denen ein Slogan „Fußball, die (feminin)“ auftaucht. Die Idee, vieles, was Fußball zu Fußball macht, sei doch weiblich: die Technik, die Begeisterung, die Gemeinschaft. Das klingt etwas konstruiert, aber damals versprachen die DFB-Vertreter:innen, dass das Strategiepapier im Herbst 2021 veröffentlicht werden soll.

Doch nach FR-Informationen hat das mit einem Millionenbudget versehene Vorhaben in dem geplanten Umfang nicht die erste Hürde im eigenen Hause passiert. Vieles gilt als zu aufwendig, zu teuer. Eigentlich sollte damit laut DFB-Marketingboss Holger Blask „unsere Haltung zum Thema Frauen- und Mädchenfußball unterstrichen werden“ und „über die Kampagne Aufmerksamkeit erzeugt und Begeisterung geweckt werden“ (Vizepräsidentin Ratzeburg).

Dabei hatte vor allem die ehemalige Nationalmannschaftsmanagerin Doris Fitschen als Lehre aus der Frauen-WM 2011 angemahnt, dass bei einer erfolgreichen Bewerbung für die Frauen-WM 2027, gemeinsam mit den Niederlanden und Belgien, „wir nicht den Fehler wiederholen dürfen, dass das danach einfach Schluss ist.“ Vor zehn Jahren hatte niemand wirklich eine Idee, was als nachhaltiger Effekt zur Stärkung des Frauenfußballs von der enormen medialen Aufmerksamkeit bleibt.

Es sind zentrale Fragen, die sich in einem Verband stellen, von dessen rund sieben Millionen Mitgliedern 1,1 Millionen weiblich sind, aber mit stark abnehmender Tendenz nur zehn Prozent davon aktiv Fußballspielen. Wie viel Einfluss von Frauen ist gewollt? Katja Kraus sagt: „Wenn das, was wir tun, den Handlungsdruck erhöht, sich zu öffnen, haben wir schon etwas erreicht.“

Zielgerichtet: Katja Kraus barfuß an der ZDF-Torwand.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare