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Felix Brych zeigt dem Bremer Niklas Moisander Gelb-Rot.

Bundesliga-Schiedsrichter

Der DFB als Erzieher der Profis

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Schiedsrichter setzen nach der Winterpause das neue Prinzip der kurzen Leine konsequent um

Florian Kohfeldt, Chefcoach von Werder Bremen, muss noch beweisen, wie gut er als Fußballtrainer wirklich ist. Am nötigen Selbstbewusstsein mangelt es dem 37-Jährigen jedenfalls nicht. Nach dem mit mehr Glück als Verstand erlangten 1:0-Sieg in Düsseldorf hätte es einigen Anlass gegeben, sich öffentlich vor allem mit den einen oder anderen Unzulänglichkeiten im eigenen Spiel zu beschäftigen. Kohfeldt schwang sich stattdessen zum Tugendwächter des Emotionalen auf und bewies damit: Da hat einer was verwechselt. Und zwar Emotionen mit Aggressionen.

„Warum machen Leute die Regeln, die nie dieses Spiel gespielt haben und überhaupt nicht verstehen, was auf dem Platz passiert?“, blaffte Kohfeldt in mehrere Mikrofone. In der Schlussphase der Partie hatte es im Bremer Strafraum erst einen unglücklichen Zusammenprall des Bremer Torwarts Pavlenka mit dem eigenen Libero Vogt gegeben, unmittelbar danach war Pavlenka von einem Düsseldorfer Angreifer überhart attackiert worden. In der Folge lagen sowohl Pavlenka als auch Vogt verletzt am Boden, was Werder-Kapitän Niklas Moisander zum Anlass nahm, aggressiv mit wutstarrem Blick Schiedsrichter Felix Brych anzulaufen. Da Moisander schon Gelb gesehen hatte, gab es Gelb-Rot.

Es sind genau diese Begebenheiten, die von den Bundesligareferees nach neuester Dienstanweisung konsequent geahndet werden sollen. Der DFB will mit der kurzen Leine auch der Vorbildfunktion der Profis für den Amateurfußball gerecht werden, wo gerade diese Form der Aggressivität gegenüber Referees regelmäßig zu Rudelbildungen und schlechtestenfalls zu verbalen oder gar gewalttätigen Ausfällen führt. Kohfeldt war selbst ja nur ein viertklassiger Torhüter, der sich an seine aktive Karriere noch erinnern dürfte. Wie dem auch sei: Vermutlich wird sein Kapitän Moisander aus der schlechten Erfahrung gelernt haben und sich künftig anders verhalten. Oder aber, der nach dem Spiel uneinsichtige Finne orientiert sich ans seinem jungen Trainer. Das wäre dann eher keine gute Idee.

DFB-Schirichef Lutz Michael Fröhlich verteidigte die neue Leitlinie im Sport1-„Doppelpass“: „Wenn man sich den deutschen Fußball in den letzten anderthalb Jahren anschaut, hängen wir inzwischen, was den Respekt auf dem Platz, vor den anderen Spielern und vor den Schiedsrichtern angeht, deutlich hinter den anderen internationalen Wettbewerben hinterher.“

Der DFB hatte die Klubs erst am Freitag in einer Email mit angehängter Powerpoint-Präsentation darüber informiert, dass in erster Linie Zeitschinden sowie Anlaufen und Anschreien des Schiedsrichters ab sofort härter sanktioniert werden. Schon beim Rückrundeneröffnungsspiel hatte der Unparteiische Deniz Aytekin diese Vorgabe konsequent umgesetzt, als Alessandro Schöpf wegen Ballwegschießens Gelb sah, auch beim Spiel in Hoffenheim wurde Eintracht Frankfurts Mittelfeldmann Dominik Kohr deshalb verwarnt. In Mainz bekamen 05-Kapitän Moussa Niakathé und der Freiburger Amir Abrashi nach einem überflüssigen Scharmützel in der Schlussphase je sofort Gelb

Der Mainzer Trainer Achim Beierlorzer glaubt, dass die Spieler „schnell lernen werden - das ist wie in der Kindererziehung“. Beierlorzer heißt die neuen DFB-Anweisungen gut und hat sie eigens mit seinen Spielern besprochen. Kritik äußerte der Coach an der kurzfristigen Mitteilung durch den Verband („Das kam schon überraschend“) und daran, dass ein solcher Eingriff mitten in der Saison erfolgt. Sein Freiburger Kollege Christian Streich begrüßte vor allem das härtere Vorgehen gegen Zeitspiel. Das würde gerade allseits Aggressionen herausnehmen. Er sei in der Vergangenheit oft halb verrückt geworden, wenn in Führung liegende Gegner wiederholt ungesühnt durch Ballwegschlagen Zeit geschunden hätten.

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