Hat bei Milan nicht nur den Ball im Blick, sondern immer noch das Sagen: Superstar Zlatan Ibrahimovic.
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Hat bei Milan nicht nur den Ball im Blick, sondern immer noch das Sagen: Superstar Zlatan Ibrahimovic.

AC Mailand

Rangnick und Ibrahimovic:  Erster Machtkampf

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Wenn der Allesmacher Ralf Rangnick beim AC Mailand anheuert, ist für Superstar Zlatan Ibrahimovic kein Platz. Der zeigt beim 4:2 gegen Juventus Turin sein Können.

Vielleicht hat es Zlatan Ibrahimovic geahnt, das es sein letzter historische Abend im altehrwürdigen San Siro sein könnte. Mit einem verräterischen Grinsen lief der Weltstar auf, der Blick entschlossen. Auch wenn Zuschauer natürlich auch in der Serie A fehlen, bietet ein Spitzenspiel mit dem AC Milan gegen Juventus Turin immer die Gelegenheit für große Taten. Und siehe da: Mal wieder hatte der schwedische Großmeister seine Füße im Spiel, dass nicht nur die Meisterschaftsentscheidung in Italien vorerst verschoben ist, sondern auch der stolze Tabellenführer eine krachende Niederlage bezog.

2:4 nach 2:0-Führung. Für sein nicht minder geltungsbedürftiges Gegenüber Cristiano Ronaldo kam das einer Ohrfeige gleich. Zumal Ronaldo mit seinem 26. Saisontor Juve mit 2:0 in Führung gebracht hatte. Doch Ibrahimovic (62./Handelfmeter), Franck Kessie (66.) und Rafael Leao (67.) drehten für die nur auf Rang fünf liegenden Rossoneri das Blatt. Der Ex-Frankfurter Ante Rebic (80.) setzte den Schlusspunkt.

Danach ließ es sich Ibrahimovic nicht nehmen, Andeutungen über seinen Abgang zu machen. „Es tut mir für die Tifosi leid, sie könnten mich bald nicht mehr live sehen“, sagte der 38-Jährige. „Ich habe noch einen Monat, um Spaß zu haben, danach geschehen Dinge, die man nicht kontrollieren kann. Ich bin alt, das ist kein Geheimnis, doch das Alter ist nur eine Zahl.“

Ralf Rangnick.

In typischer Manier schob er nach: „Wenn ich vom ersten Tag an gespielt hätte, hätte Milan den Scudetto gewonnen. Ich trainiere gut und ich kann die Mannschaft auf verschiedene Weise unterstützen. Ich bin Klubpräsident, Trainer und Spieler, alles zusammen. Doch man bezahlt mich nur als Spieler, das ist der negative Aspekt.“ Dass sein Vertrag nicht verlängert wird, könnte mit dem künftigen Trainer zu tun haben, der gehandelt wird: Ralf Rangnick soll nämlich kommen. Und egozentrische Altstars sind das letzte, was der einstige Baumeister von RB Leipzig für seine Philosophie braucht.

Rangnick soll demnächst einen Dreijahresvertrag bekommen, was vom 62-Jährigen insofern nur dementiert wird, dass es noch keine Einigung gebe. Wie schon bei der TSG Hoffenheim und in Leipzig beansprucht der Schwabe die totale Machtfülle. Er will bei den Lombarden trotz aller Sprachschwierigkeiten den Trainer und Manager in Personalunion geben. Dass ihn der Part als „Head of Sport and Development Soccer“ im Red-Bull-Konstrukt langfristig nicht zufriedenstellt, war abzusehen.

Interesse an Rashica

Rangnick soll den Milan-Kader radikal verändern, angeblich stehen 75 Millionen Euro zur Verfügung, um „eine junge Mannschaft aufzubauen, die einen schnellen Fußball nach britischem Modell oder nach Ajax-Vorbild spielt“, wie Präsident Paolo Scaroni sagt. Deshalb erscheint es nur logisch, dass Rangnick offenbar auch am Bremer Milot Rashica interessiert ist, der seit längerem aber auf der Leipziger Wunschliste steht. Gerade erst hatte RB-Vorstandschef Oliver Mintzlaff das Interesse am Werder-Dribbler bestätigt, der beim Abstieg für 15 Millionen Euro hätte gehen können - nun ist die Ablöse frei verhandelbar.

„König Zlatan“ passt da nicht mehr ins Konzept. Der egozentrische Ibrahimovic und der detailversessene Rangnick seien „starke Persönlichkeiten mit klaren Ideen“, sagte Nationalmannschaftsdirektor Oliver Bierhoff. „Sollte Rangnick kommen, muss Ibrahimovic die Lage prüfen.“ Offenbar hat er das schon getan und stimmt das Publikum mit der verbalen Deutungshoheit auf seine Abwesenheit ein. (hel/dpa/sid)

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