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Das Fußball-Zwillingspaar Kremers Erwin (Links) und Helmut feiert 70. Geburtstag am 24. März.

Fußball

Die ersten Popstars der Bundesliga: Kremers-Zwillinge werden 70

In den 70ern waren die Kremers-Zwillinge die ersten Popstars des Fußballs. Erwin war Europameister, Helmut Weltmeister. Am Sonntag feiern sie ihren 70. Geburtstag.

Sie konnten nicht singen und standen in den Charts trotzdem vor Elvis Presley und Udo Jürgens. Mit blonder Mähne und einer Schnulze erreichten Erwin und Helmut Kremers in den 70er Jahren Kultstatus – der noch immer nachwirkt.

„Wenn wir heute irgendwo vorgestellt werden, heißt es immer: Da kommen die Kremers-Zwillinge, die ersten Popstars der Bundesliga“, sagt Erwin im Doppel-Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID), „die haben einen BRAVO-Preis gewonnen, und der eine ist vom Platz geflogen. Dass wir auch Fußball gespielt haben, erwähnt kein Mensch.“

Fußball spielten die beiden – Erwin als Linksaußen, Helmut als Verteidiger – nicht nur bei Schalke 04 sehr erfolgreich. Mit Vereinslegenden wie Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Stan Libuda und Klaus Fischer stürmten sie 1972 zur Vizemeisterschaft und zum Pokalsieg, Erwin wurde wenige Wochen später Europameister, Helmut 1974 Weltmeister.

Doch in Erinnerung blieb das erste Zwillingspaar der Bundesliga, das am Sonntag (24. März) seinen 70. Geburtstag feiert, aus anderen Gründen. Weil die beiden mehr waren als nur Fußballer. Nach einem Auftritt in Frank Elstners Sendung „Montagsmaler“ nahmen sie „Das Mädchen meiner Träume“ auf – „echt schnulzig“, wie Erwin zugibt. Der Vater der Schlagersängerin Vicky Leandros hatte sie überredet. Ihre Platte landete in den Charts – „vor Elvis Presley und Udo Jürgens“, wie Helmut betont – und es gab den BRAVO-Otto.

Dass Helmut als „WM-Tourist“ zur Weltmeistermannschaft 1974 gehörte, nachdem er im Trainingslager in Malente ausgebüxt und erwischt worden war, ist weniger spektakulär als der Grund, warum Erwin nicht dabei war. Im letzten Bundesligaspiel sah er die Rote Karte, weil er Schiedsrichter Max Klauser beleidigte – gleich mehrmals. „Ich glaube, der war schwerhörig. Ich musste es noch mal sagen: Und jetzt für Doofe“, erinnert sich Erwin. Was er erst auf der Rückfahrt erfuhr: Der Platzverweis bedeutete automatisch das WM-Aus.

Auf Schalke mussten die Zwillinge nach dem Bundesligaskandal eine durch Sperren arg dezimierte Mannschaft vor dem Abstieg retten – „mit irgendwelchen Amateuren“, wie Erwin betont. „Das war eigentlich unsere größte Leistung“, meint Helmut.

Der Spaß kam trotzdem nicht zu kurz. Max Merkel, bei seinem wenig erfolgreichen Intermezzo auf Schalke kein Freund der beiden, saß eines Morgens in seinem Mercedes, „und alle vier Räder waren weg“, erzählt Helmut. Die Zwillinge lachten, stiegen in ihr Auto und fuhren zum Training, „wir haben ihn stehen lassen“. Sie selbst, die im selben Haus wohnten, hätten die Räder jedoch nicht abgeschraubt, „dazu“, sagt Erwin, „waren wir technisch überhaupt nicht in der Lage“.

Ein anderes Mal war Klaus Fischer das Opfer. Zusammen mit Rüdiger Abramczik, dem „Flankengott aus dem Kohlenpott“, drehte Helmut Kremers mit einem riesigen Schaumstoffhammer zu nächtlicher Stunde eine Runde durch die Hotelzimmer. „Am nächsten Morgen sagte Fischer: Ich habe katastrophal geschlafen, ich habe geträumt, man hätte mich mit einem Riesenhammer erschlagen.“

Nach der Karriere blieb Helmut Kremers dem Profifußball treu – als Manager, Interimstrainer und als letzter Präsident von Schalke 04. Gewählt wegen des legendären Satzes: „Als wir früher gegen Dortmund gespielt haben, haben wir uns gar nicht umgezogen.“ Den ihm sein Bruder soufflierte. Er entließ Manager Rudi Assauer, musste ihn am nächsten Tag wieder einstellen und gab nach drei Monaten mit vielen Widerständen auf. Schalke änderte prompt die Satzung und schaffte die Direktwahl des Vorstands ab.

Mittlerweile haben die Zwillinge mit ihrem Verein Frieden geschlossen, begleiten als Botschafter Sponsoren und Partner. Den runden Geburtstag feiern sie ohne viel Brimborium – getrennt. „Wir haben uns auseinander gelebt“, sagt Helmut lachend.

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