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Erste Niederlage unter Hansi Flick

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Von: Jan Christian Müller

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Zaudernde Deutsche: Thomas Müller debattiert mit Jonas Hofmann. Sollte nichts bringen am Ende.
Zaudernde Deutsche: Thomas Müller debattiert mit Jonas Hofmann. Sollte nichts bringen am Ende. © dpa

Die deutsche Nationalmannschaft präsentiert sich beim 0:1 gegen Ungarn noch weit entfernt von WM-Form.

Leipzig - Die Nations League war für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft seit ihrer Einführung 2018 kein Ruhmesblatt. Im ersten Jahr wäre das völlig zerzauste DFB-Team unter Joachim Löw als Gruppenletzter in die B-Kategorie abgestiegen, wenn die Uefa den Wettbewerb nicht postwendend aufgestockt hätte. Die zweite Saison endete mit einem 0:6 in Sevilla gegen Spanien und läutete das vorzeitige Ende der Amtszeit von Löw ein.

Nachfolger Hansi Flick hatte von Beginn keine Zweifel gelassen, dass er den Wettbewerb mit dem heiligen Ernst eines neuen Bundestrainers angehen würde. Ergo glaubte man am Freitagabend in Leipzig gegen Überraschungs-Tabellenführer Ungarn in der ausverkauften Leipziger Arena alles sei gerichtet, um den Gästen Platz eins vor dem abschließenden Spiel am Montag (20.45 Uhr/RTL) im Wembleystadion gegen England wegzunehmen.

DFB-Team unterliegt Ungarn

Aber gut gerichtet ist noch lange nicht gut vollendet. Das weiß nun auch Flick, der ja vom Publikum schon etwas voreilig in den Rang eines Trainer-Magiers erhoben worden war. Er selbst hatte aber schon im Vorfeld zu erkennen gegeben, dass er noch nicht recht zufrieden mit dem Leistungsstand seiner Eleven gewesen sei. Die taten sich entsprechend schwer, widerspenstige Ungarn auch nur annähernd zu zähmen.

Nach dem in sehr vielen Belangen enttäuschenden 0:1 (0:1) – der ersten Niederlage unter Flick – hat Deutschland ein weiteres Mal alle Chancen verspielt, erstmals das Finalturnier im kommenden Juni zu erreichen. Und auch die Aussichten für die WM in sieben Wochen in Katar verdüstern sich nach dieser wenig erbaulichen Leistung natürlich.

Die Ungarn, angeführt vom hoch motivierten Ex-Mainzer Adam Szalai in dessen 85. und vorletztem Länderspiel, waren vom Gegner zuvor zu Recht mit reichlich Lob überschüttet worden. Er habe „selten eine so gut verteidigende Mannschaft erlebt“, hatte Joshua Kimmich sich verbal tief verneigt. Wie ernst es ihnen war, den Deutschen Paroli zu bieten, ließ sich schon weit vor Spielbeginn besichtigen: Die Roten kamen eine geschlagene Viertelstunde eher zum Aufwärmen als die Schwarz-Weißen.

Entsprechend früher waren die Gäste dann auch im Spiel auf Betriebstemperatur. Das DFB-Team sah überrascht aus ob des frühen Pressings der Ungarn, die völlig furchtlos zur Sache gingen, besser in den Räumen unterwegs waren, schneller umschalteten und die Zweikämpfe mit mehr Furor bestritten. Bei Deutschland stimmte in der ersten Halbzeit nichts. Entsprechend sah Hansi Flick auf der Bank aus und erinnerte dabei an den späten Joachim Löw. Es war die mit einigem Abstand schlechteste Halbzeit, seit Flick im August vergangenen Jahres übernommen hat.

Es war entsprechend vollkommen verdient, dass die top organisierten Ungarn früh 1:0 führten. Und zwar durch ein sehenswertes Tor per Hacke von Adam Szalai nach Ecke von Dominik Szoboszlai, der auf der linken Seite eine ganz starke Partie zeigte. Szalai feierte sein Tor aus der 17. Minute ausgedehnt, die zahlreichen ungarischen Fans kriegten sich vor Freude gar nicht wieder ein.

Und sie sahen auch danach eine eigene Mannschaft, die geschickt verteidigte und die ideenlosen Gastgeber immer wieder zu Rückpässen zwang. Ein einziger Schuss (von Leroy Sané fünf Meter daneben) und ein harmloser Kopfball vom fast unsichtbaren Thomas Müller waren in den ersten 45 Minuten die karge Ausbeute. Es gab reichlich Pfiffe vom Publikum.

Zu wenig Tempo im Spiel des DFB-Teams

Im deutschen Spiel war viel zu wenig Tempo zu erkennen, es gab kaum Tiefenläufe, weil die Ungarn das nicht zuließen, aber auch in den Zwischenräumen war kein Platz. Zudem fehlte vor dem Wechsel die Einstellung, das sah alles doch reichlich lethargisch und körperlos aus. Auch lief Timo Werner viel zu früh alleine an.

Die Deutschen pressten nicht im Verbund, entsprechend groß waren die Räume, die die Ungarn, bei denen der Leipziger Willi Orban ganz stark verteidigte, bespielen konnten. Einige deutsche Fans passten sich dem Niveau ihrer Spieler an. Sie warfen Papierknäuel Richtung Eckfahne, als Szoboszlai zum Eckball angetreten war. Der Stadionsprecher musste auf Betreiben des Schiedsrichters zur Ordnung rufen.

Nach dem Wechsel brachte Flick seinen Lieblingsspieler Thilo Kehrer für den schwachen Serge Gnabry. Jonas Hofmann rückte vor auf Gnabrys vorherige Position. Das Spiel verlagerte sich weitgehend in die ungarische Hälfte. Und die Aktionen wurden zwingender. Es gab einige gute Chancen, die nicht genutzt wurden. Bald brachte Flick Jamal Musiala für Ilkay Gündogan und Kai Havertz für Werner. Zunächst aber musste André ter Stegen prächtig gegen den eingewechselten Hünen Martin Adam reagieren, um das 0:2 zu verhindern (70.), später noch einmal ähnlich spektakulär gegen Lazlo Kleinheisler (85.). Das deutsche Powerplay sorgte wiederholt für Aufregung im ungarischen Strafraum. Mehr aber auch nicht. (Jan Christian Müller)

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