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Früher im Tor: Katja Kraus, 1997, nach getaner Arbeit. imago images
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Früher im Tor: Katja Kraus, 1997, nach getaner Arbeit. imago images

DFB

Gleichberechtigung im Fußball: Erste Bretter gebohrt

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Frauen-Initiative zur Umstrukturierung des DFB erfährt viel Unterstützung aus der Männerwelt.

Vor Verantwortung hat sich Katja Kraus noch nie gedrückt. Nicht als Torhüterin beim FSV Frankfurt, wo sie an drei Meisterschaften und vier Pokalsiegen beteiligt war. Nicht als Vorstandsmitglied beim Hamburger SV, wo zwischen 2003 und 2011 die letzte erfolgreichste Phase in der Bundesliga mitgestaltete. Und nicht seit 2013 als Geschäftsführerin der Sportmarketingagentur Jung von Matt. Neuerdings zieht die gebürtige Offenbacherin noch die Strippen für jenen Zusammenschluss von neun prominenten Frauen, die den deutschen Profifußball mit mehr Gleichberechtigung und Diversität in Führungsgremien krisenfester machen möchten.

Mitinitiatorin Katja Kraus ist am Samstagabend als Gast im ZDF-Sportstudio. Es passt, dass am 34. Bundesliga-Spieltag, wo traditionell immer ein Mann das letzte Wort der Saison sprach, eine Frau redet. Es ist davon auszugehen, dass die in Hamburg lebende Unternehmerin auf dem Mainzer Lerchenberg deutliche Worte für die vielen Brandherde beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) findet. Sehr wahrscheinlich wird sie strukturierter rüberkommen als der im Zentrum vieler Ungereimtheiten stehende Vizepräsident Rainer Koch vor zwei Wochen.

Das Frauenpower-Netzwerk, gegenüber dem der DFB verspätet Gesprächsbereitschaft signalisierte, hat sich aber eigentlich nicht gebildet, um mal flugs das Steuer beim größten deutschen Einzelsportverband zu übernehmen. Im ersten Schritt gehört hinterfragt, ob es wirklich der Multifunktionär Koch und Liga-Mann Peter Peters sein können, die die Übergangszeit bis zum nächsten DFB-Bundestag gestalten. Oder wäre es nicht besser, eine unabhängige Kommission mit Aufräumarbeiten zu beschäftigen? Im zweiten Schritt gehörte das befolgt, was der zurückgetretene DFB-Präsident Fritz-Keller neben einer Professionalisierung in der Führungsspitze vorschlug: „die schnelle Einführung völlig neuer Strukturen“. Erst danach würde, im dritten Schritt, ausgiebig und breit erörtert, wer den DFB mit mehr als sieben Millionen Mitgliedern (davon 1,13 Millionen Frauen und Mädchen) führt.

Katja Kraus ist klug genug, dass sie im Gegensatz zur aufgeregten medialen Debatte diese Handlungsstränge nicht vermischt – und nicht der dritte Schritt vor dem ersten gemacht wird. Bewusst lässt sie offen, ob sie erste Präsidentin in der 121-jährigen DFB-Geschichte werden möchte. „Wenn man Forderungen aufstellt, dann gehört es glaube ich dazu, an einer Stelle auch die Verantwortung zu übernehmen“, sagte die 50-Jährige im Deutschlandfunk. Das war weder eine Kandidatur noch ein Dementi.

Der Initiative genügt, dass überhaupt dieses Szenario besprochen wird – und ihre Gruppe dabei Zuspruch aus der Männerwelt der Bundesliga erfuhr. Julian Nagelsmann oder Christian Streich klangen dabei ähnlich. Auch Ex-Präsident Theo Zwanziger sprach sich dafür aus, sich ernsthaft mit einer Frau fürs oberste Amt zu beschäftigen. Seine Empfehlung: „Mehr kompetente Frauen gehören zweifelsfrei ins Präsidium. Da sind besonders die Landesverbände gefragt.“

Der DFB hat zwar 30 Prozent Frauen in seiner Belegschaft und zwei von vier Direktorenstellen mit weiblichen Führungskräften (Heike Ullrich und Mirjam Berle) besetzt, aber im Präsidium ist mit Hannelore Ratzeburg, 69, seit Ewigkeiten nur eine Frau, die wiederum derzeit erstaunlich wenig sagt.

Ganz im Gegensatz zu Almuth Schult: Die selbstbewusste Nationaltorhüterin ist der festen Überzeugung, dass es die DFB-Machtkämpfe „bei einer ausgeglichenen Führungsstruktur so vielleicht gar nicht gegeben hatte“. Sie findet es „peinlich“, dass kein Regional- oder Landesverband von einer Frau geführt wird. „Wir haben in Deutschland eine Bundeskanzlerin, natürlich sind Frauen für Führungspositionen geeignet“, sagte die 30-Jährige im NDR-Interview.

Aus ihrer Sicht muss allerdings ein Name von der Kandidatenliste gestrichen werden: Nadine Keßler, 33, bei der Uefa zur Frauenfußballchefin aufgestiegen, würde keine Wechselambitionen hegen. Die derzeitige Fokussierung auf Namen sei gewiss nicht zielführend. Almuth Schult: „Es wird nicht eine einzelne Person den Verband reformieren, es geht nur gemeinsam. Es stört mich deswegen, dass so viele einzelne Namen reingeworfen werden.“

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