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Druck auf Fifa-Präsident Gianni Infantino

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Von: Jan Christian Müller

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Am Pranger, und das zu Recht: Fifa-Boss Gianni Infantino.
Am Pranger, und das zu Recht: Fifa-Boss Gianni Infantino. © AFP

Bedauerlicherweise hat im Zuge des Krieges niemand von Fifa-Präsidenten Gianni Infantino mehr erwartet als Halbgares - so tief ist die Fifa in ihrem Ansehen schon gesunken, ehe sie noch reagierte.

Es ist - leider - wenig überraschend, dass der gelähmte Deutsche Fußball-Bund retardiert öffentlich reagiert hat mit seinen beiden Vertretern in Uefa (Rainer Koch) und Fifa (Peter Peters), die sich das Schwarze unter den Fingernägeln nicht gönnen. Polen, Schweden, Tschechien, Frankreich, England, Dänemark, die Schweiz, Norwegen - sie alle hatten bis spätestens Montagmorgen offiziell deutlich gemacht, dass ihre Mannschaften nicht gegen Russland antreten werden und sie Russland nicht bei der WM in Katar sehen wollen und auch nicht bei der Frauen-EM diesen Sommer in England.

Peters, immerhin, äußerte am Samstagabend im ZDF-Sportstudio seine am Montagmorgen wiederholte Privatmeinung, er könne es sich „nicht vorstellen“, dass es „Spiele gegen Russland geben wird“. Von Koch war bis dahin nichts dergleichen zu vernehmen gewesen, vom DFB ganz offiziell bis zum Montagabend, fünf Tage nach Kriegsausbruch, auch nicht - außer einer allgemeinen Verurteilung des Angriffs („aufs Schärfste“) und der Aufruf zu einer „Minute des Innehaltens“ vor den Spielen des Wochenendes.

Auf seiner Homepage informierte der Verband bis in den Montagnachmittag hinein über eine Briefmarke zum 125. Geburtstag von Sepp Herberger und darüber, dass Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff nach einem Trip nach Katar guter Dinge ist: „Wir werden optimale Bedingungen für die Spieler haben.“

Am Abend dann der Hinweis mit dem damit verbundenen Eigenlob, der DFB habe für eine „richtige und konsequente Entscheidung“ sehr „intensiv auf eine gemeinsame Positionierung aller Fußballverbände unter Führung der Uefa hingewirkt“. Stille Diplomatie sozusagen.

Traurige Gewissheit hatte 24 Stunden zuvor der Weltverband Fifa darüber verschafft, dass er zunächst keineswegs gedachte, das Land des Kriegstreibers Putin vorerst auszuschließen. Stattdessen, so der Plan: weiterkicken auf neutralem Boden unter anderem Namen, ohne Flagge, ohne Hymne. Ganz so, als habe Russland bloß mal wieder gegen ein paar lästige Dopingregeln verstoßen.

Bedauerlicherweise hat niemand von Fifa-Präsidenten Gianni Infantino tatsächlich mehr erwartet als einen derart halbgaren Move. So tief ist die Fifa in ihrem Ansehen schon gesunken, dass das keine Überraschung ist. Infantino musste offenbar erst von den renitenten Verbänden aufs Pferd geholfen werden, ehe er mit Verspätung losgaloppierte.

Ironie der Geschichte: Der gestrenge Weltverband hatte am Tag der Invasion von Putins Truppen in die Ukraine die Nationalverbände von Simbabwe und Kenia wegen „Einmischung der Regierungen in die Belange der Verbände“ suspendiert. Interessant auch, wie wortreich und inhaltsleer Infantino in einer Fifa-Pressekonferenz auf die Frage von Rob Harris antwortete. Der AP-Reporter wollte wissen, ob der Fifa-Chef gedenke, seinen 2019 von Putin feierlich verliehenen „Orden der Freundschaft“ zurückzugeben und grundsätzlich seine Beziehungen in den Kreml in Frage stelle. Infantino entgegnete sinngemäß, er glaube weiterhin daran, dass der Sport Menschen zusammenbringe.

Der Mann bekommt nun zu spüren, dass er seine Macht nicht überschätzen sollte. Die Zeit der Ergebenheitsadressen an Putin und der Kameradschaft mit Putin ist vorbei. Denn ein Angriffskrieg ist nun einmal anders zu sanktionieren als ein Dopingfall.

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