Junger Mann mit klaren Zielen: Sahverdi Cetin.
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Junger Mann mit klaren Zielen: Sahverdi Cetin.

U17

Erst das Abi, dann die EM

  • Jan Christian Müller
    vonJan Christian Müller
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Die deutsche U17-Nationalmannschaft bereitet sich auf große Aufgaben vor. Auch der Frankfurter Sahverdi Cetin lernt fleißig.

Ein bisschen verrückt klingt das schon. Am Donnerstag um zwölf Uhr mittags startet die deutsche U17-Nationalmannschaft im kroatischen Kostrena gegen Bosnien-Herzegowina in die Europameisterschaft. 24 Stunden zuvor hat Luca Plogmann, der Torwart von Werder Bremen, im Teamhotel in Kroatien mit seinem eigens eingeflogenen Lehrer stundenlang in einem Raum gesessen und eine Abitur-Klausur geschrieben. Sein Leipziger Teamkollege Elias Abouchabaka, wie Luca Plogmann ebenfalls gerade 17 Jahre alt, kommt erst kurz vorm Anpfiff im Spielort an. Der Mittelfeldspieler reist nach, nachdem er am Mittwoch ebenfalls eine Abiarbeit geschrieben hat.

Dem Deutschen Fußball-Bund ist es ein dringendes Anliegen, dass die größten Talente im eigenen Land nicht nur gute Kicker werden, sondern dabei ihre Ausbildung nicht vernachlässigen. Denn die Erfahrung lehrt, dass bei weitem nicht jeder, der mit 16 oder 17 zu den Toptalenten gehörte, hinterher auch eine große Karriere macht und viel Geld verdient. Deshalb ist die Schule so wichtig. Zwei weitere Lehrer sind eigens mit nach Kroatien gedüst, einer vornehmlich für die Sprachen, einer für Naturwissenschaften.

Davon profitiert auch Sahverdi Cetin von Eintracht Frankfurt. Am Telefon hat er nach dem Frühstück nur eine Viertelstunde Zeit zum Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, weil gleich darauf der anderthalbstündige Unterricht in Englisch und Deutsch beginnt. Der 17-Jährige ist Realschüler an der Werner-von-Siemens-Schule in Wiesbaden. Gleich nach der Rückkehr aus Kroatien muss der Deutsch-Türke seine Abschlussarbeiten in Deutsch und Englisch schreiben. „Die Lehrer hier helfen uns sehr. Ich bin gut vorbereitet“, sagt er.

Sein absolutes Lieblingsfach ist Mathematik. Da braucht er keine Unterstützung, da schreibt der Kapitän der Frankfurter U17-Bundesligamannschaft sowieso regelmäßig Einsen. Die Mehrfachbelastung zwischen Schule, Eintracht Frankfurt und Nationalmannschaft, „die schaff ich schon, auch wenn es manchmal stressig ist“. Zum Training am Riederwald fährt er mit der Bahn oder wird von seinen engagierten Eltern aus dem Heimatort in Mainz-Kostheim chauffiert.

In der kommenden Saison wird der junge Mann in der U19 der Eintracht spielen, schon im zarten Alter von 16 Jahren war er im Trainingslager der Profis im Januar in Abu Dhabi mit dabei und erhielt viel Lob von Cheftrainer Niko Kovac und Sportchef Fredi Bobic. „Ich fühle mich sehr wohl bei der Eintracht“, sagt der Führungsspieler, der im vergangenen Sommer heftig von RB Leipzig umworben wurde. Doch die Hessen ließen ihren besten B-Jugendlichen Cetin nicht aus dessen Fördervertrag und mühen sich nun umso mehr, den Jungen seriös an den Profikader heranzuführen. „Ich habe auch nach dem Trainingslager noch zweimal im Bundesligakader mittrainiert“, berichtet er. Sein Ziel ist klar: Er möchte Bundesligaprofi werden.

Zunächst liegt der Fokus aber auf der Europameisterschaft. Sahverdi Cetin redet gar nicht erst großartig drumrum: „Wir haben uns klare Ziele gesetzt und wollen auf alle Fälle das Halbfinale erreichen“, das automatisch die Qualifikation zur Weltmeisterschaft bedeuten würde. „Und wenn wir schon im Halbfinale sind, wollen wir auch mehr“, ergänzt Cetin, der sich Chancen auf Einsätze in der Mannschaft von Bundestrainer Christian Wück ausrechnen darf. „Die ganze Mannschaft freut sich, wir halten zusammen.“ Cetin selbst agiert im DFB-Dress auf der Sechserposition etwas defensiver als bei der Eintracht.

Drei Tage nach dem deutschen Auftaktspiel folgt, ebenfalls um High Noon, die Partie gegen Serbien. Das letzte Gruppenspiel findet am Mittwoch, 10. Mai (12 Uhr), gegen Irland statt. Alle Spiele werden auf Eurosport live übertragen. Wück, einst einer der jüngsten Debütanten in der Bundesliga, ist ausgesprochen optimistisch: „Wir haben eine sehr starke Offensive. Auf diese Stärke bauen wir.“ Jetzt müssen sie es noch gemeinsam hinbekommen, den „Willen, Tore zu verhindern“, zu schärfen. Denn, so Wück: „Wir wollen am Ende ganz oben stehen. Dafür haben wir auch die Spieler.“ Pfiffige Kerle wie Sahverdi Cetin, die nicht nur auf dem Fußballplatz wissen, wo es langgeht.

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