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In der Ruhe liegt die Kraft: Erling Haaland.

Borussia Dortmund

Erling Haaland: Vier Füße für ein Halleluja

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Ein treffsicherer Stürmer mit unbändigem Willen und ein spielstarker Abräumer mit Führungsqualitäten: Erling Haaland und Emre Can sind jene Puzzleteile, die Borussia Dortmund bislang gefehlt haben.

Die BVB-Verantwortlichen hatten nach einer durchwachsenen Hinserie Nachbesserungsbedarf gesehen. Hinter Sportdirektor Michael Zorc liegt ein arbeitsintensiver Winter. Spätestens am Dienstagabend, nach dem 2:1 (0:0) im Hinspiel des Champions-League-Achtelfinales, wird auch der 57-Jährige erkannt haben: Diese Transferphase hat sich ausgezahlt.

Zwei Akteure verließen den Klub, die über Mitläuferrollen nicht mehr hinauskommen konnten oder wollten – Julian Weigl (24) und Paco Alcacer (26). Gemeinsam brachten sie – ohne Bonuszahlungen – 43 Millionen Euro ein. Im Gegenzug verpflichtete Zorc Haaland (19, RB Salzburg) und Can (26, Juventus Turin) – für zusammen 45 Millionen Euro – und impfte dem Kader damit Eigenschaften ein, die ihm zuvor zu oft abgegangen waren.

Die Superlative für Haaland drohen nach nur sieben Spielen im BVB-Dress auszugehen. „Naturgewalt“ (Hans-Joachim Watzke), „ein Tier“ (Thomas Tuchel), „unglaublich, krass“ (Roman Bürki). Der junge Norweger ist innerhalb weniger Wochen Gesprächsthema Nummer eins in dieser fußballverrückten Stadt geworden. Seine Körpersprache passt perfekt zum Ruhrgebiets-Klub und in dieses Stadion, in dem die Anhänger schon immer lieber der ehrlichen Arbeit als selbstverliebten Ballvirtuosen mit unerklärlichem Hang zur Erdanziehungskraft wie Neymar zujubelten.

Ein Lehrbeispiel seines enormen Ehrgeizes gab Haaland am Dienstag nach 14 Minuten. Mit dem Kopf klärte er vor dem eigenen Tor eine Pariser Ecke, um im Vollsprint Teil des Konters zu sein – und dabei auch die eigenen Gegenspieler stehen zu lassen. 6,64 Sekunden – so errechneten es Fernsehanstalten – benötigte Haaland für die folgenden 60 Meter. Der Weltrekord auf dieser Distanz liegt bei 6,34 Sekunden. Das Video dieser Szene läuft in den sozialen Medien in Dauerschleife.

„Er will in jeder Situation das Maximale rausholen“, sagte Dortmunds Schlussmann Bürki. „Er hat eine Supereinstellung. Das hilft der gesamten Mannschaft“, erklärte Trainer Lucien Favre. Und Haaland, der mit dem Talent Robert Lewandowskis und der Athletik eines Usain Bolt gesegnet zu sein scheint? Der zelebrierte seinen ersten Treffer gegen Paris im Schneidersitz in Yoga-Pose, ließ mit einem fulminanten Schuss nach Neymars zwischenzeitlichem Ausgleich das 2:1 folgen. Elf Tore nach sieben BVB-Partien lautet Haalands bisheriger Arbeitsnachweis. Sein komplettes Potenzial, zum Beispiel im Pass- und Kombinationsspiel, dürfte er dabei noch gar nicht abgerufen haben. Wie auch, mit erst 19 Jahren. Er wolle „hart“ an sich arbeiten, sagte der norwegische Nationalspieler am Dienstag. Und: „Ich will das Leben genießen.“ Wie er nach dem Abpfiff alleine vor der Südtribüne stand, mit Sprechchören gefeiert wurde, das sah tatsächlich nach Genuss aus.

Dass zwei BVB-Tore zum Sieg reichten, war in den Monaten zuvor nicht selbstverständlich. Seitdem aber Emre Can ins Dortmunder Spiel integriert worden ist, präsentiert sich das Gesamtgefüge dieser Mannschaft deutlich gefestigter. „Er will Stabilität verleihen. Er ist körperlich stark, extrem athletisch. Er geht in die Zweikämpfe, strahlt richtig was aus. Er geht jetzt schon voran“, lobte Verteidiger Mats Hummels den Neuzugang. Den lieh der Vizemeister zunächst für ein halbes Jahr aus, im Sommer wird Can mit einem Vertrag bis 2024 fest verpflichtet.

Der 25-fache Nationalspieler, der auf ein EM-Ticket hofft, ist einer dieser Fußballer, den man gerne in den eigenen Reihen hat – den man als Spieler des Gegners aber überhaupt nicht mag. So dürfte es am Dienstag Neymar ergangen sein, gegen den Can nach 20 Minuten im Mittelfeld ein körperliches Zeichen setzte, um ihn in der zweiten Halbzeit an der Seitenlinie erst abzukochen und dann noch die eigenen Fans anzupeitschen. Can verteidigt ohne Kompromisse, treibt die Mitspieler an, gibt stetig Kommandos. Er überzeugt aber auch als Anspielstation vor der Abwehr an der Seite von Axel Witsel. „Er ist einfach ein Gewinner“, sagte Hummels über seinen neuen Mitspieler. Und schloss mit Blick auf Haaland und Can mit den Worten: „Es ist gut, dass wir noch zwei von der Sorte gekauft haben.“ Zwei von der Sorte, mit denen der Dortmunder Mannschaft im Rückspiel am 11. März tatsächlich das Weiterkommen zuzutrauen ist.

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