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Nationalmannschaft - Ankunft
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Schickes Jäckchen: Leroy Sané, mehr oder weniger stilsicher.

Nationalmannschaft

Leroy Sané und die erlaubte Extravaganz

  • Frank Hellmann
    VonFrank Hellmann
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Leroy Sané kann sich das Außergewöhnliche auf dem Feld und abseits des Platzes leisten.

Es gibt so Momente, da wäre eine wärmende Felljacke wirklich ganz nützlich. Wie ein Schneider schien Leroy Sané am Montagabend zu frieren, als sich der Jungstar von Manchester City beim Fototermin mit dem neuen PS-Monstrum der deutschen Nationalmannschaft in seiner schnöden Trainingsjacke auf eine Holzbank gesetzt hatte. Immer wieder rieb der Mann mit der ausladenden Haarpracht die Hände zwischen seinen Knien und die Miene verriet, dass ihm diese Pflichtveranstaltung mit dem Mannschaftsbus vor der Wolfsburger Arena gar nicht schnell genug vorübergehen konnte.

Tags darauf erschien derselbe Spieler gemeinsam mit Debütant Lukas Klostermann in der neuen Media Lounge. Zwar war die am Montag zum Treffpunkt vorgeführte Kleidung – eine auf links gedrehte und innen bunt bemalte Lederjacke und ein weißer Fellrucksack – natürlich im Teamhotel geblieben, aber natürlich war diese angeblich rund 25 000 Euro teure Kombination noch Thema der Presserunde. Sané reagierte ausgesprochen cool: „Das ist ein bisschen Geschmackssache. Ich habe morgens in den Schrank geschaut und gesagt: Okay, das ist das, was ich tragen möchte.“

Soll der gebürtige Essener nicht auch derjenige sein, der auch auf dem Platz die Extravaganzen zeigen soll, um in Eins-gegen-Eins-Situationen die nötigen Überraschungsmomente zu kreieren? „Ich habe mir zum Ziel gesetzt, auf dem Platz mehr voranzugehen“, erklärte der 23-Jährige. Dass vor dem Länderspiel gegen Serbien (Mittwoch 20.45 Uhr/RTL) nicht der bald 33-jährige Kapitän Manuel Neuer, sondern der fast zehn Jahre jüngere Außenstürmer sprach, war mehr als nur eine Petitesse: Die junge Generation rückt auch in der Außendarstellung in die erste Reihe.

Sané ist ein Spieler, der auf Topniveau den Unterschied ausmachen kann. Finesse und Finten, Tricks und Tempo gehören zu seinem angeborenen Portfolio. In 17 Länderspielen sind dem Instinktkicker mit der irrsinnigen Beschleunigung zuletzt gegen Russland (3:0) und die Niederlande (2:2) auch erste Treffer im DFB-Dress geglückt. In den Champions-League-Duellen gegen den FC Schalke 04 (3:2, 7:0) offenbarte Sané der deutschen Öffentlichkeit ebenso seine Sonderklasse; vor allem der Freistoßtreffer auf Schalke wirkte fußballerisch ausgesprochen wertvoll. Gleichwohl hat er der Bundesliga nicht zu kritisch ins Gewissen zu reden: „Die englische Liga ist einen Tick vorn, aber die deutsche Liga ist nicht so weit entfernt. Das wird auch wieder wechseln.“

Der Spross des ehemaligen Bundesligaspieler Souleymane Sané und der Gymnastin Regina Weber verhehlt nicht, dass seiner Entwicklung die Förderung unter Pep Guardiola gut getan habe, der vom ersten Tag mit ihm Englisch gesprochen habe, „obwohl mein Englisch erst nicht so gut war“. Nun allerdings ist aus seiner Tonlage schon abzuleiten, dass die Weltsprache auch seine geworden ist. Der nicht immer als Musterschüler aufgefallene Fußballer gab am Dienstag zu, dass seine Vaterrolle ihm geholfen hat, mehr Verantwortung zu übernehmen. Wenn er nach Hause komme und ihn seine am 6. September vergangenen Jahres geborene Tochter Rio Stella sehe, dann bringe ihn das sofort auf andere Gedanken: „Dann sitzt da meine Tochter und alles, was auf der Welt passiert, interessiert mich nicht.“ Da scheint ein Reifeprozess in Gang gekommen.

„Er hat bei uns den größten Schritt gemacht“, lobte Löw den in der Vorsaison mit dem „Young-Player-Award“ der Premier League ausgezeichneten Profi, den er vor der Russland-Reise aus seinem WM-Aufgebot warf. Jetzt bringe Sané – den der Bundestrainer auch nicht mehr „Sahne“ nennt – seine Fähigkeiten „gut zur Geltung, er hat mit seinem Möglichkeiten noch viel mehr Potenzial“. Sané soll ein Erfolgsgarant der verjüngten DFB-Elf werden – und darf sich ruhig ausgefallen anziehen. Zur Stilfrage wollte sich Löw nicht äußern: „Ich will das nicht bewerten, das spielt keine Rolle. Es ist mir völlig egal, wie die Spieler kommen.“

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