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In Brasilien kickt er nur noch ganz selten: Superstar Neymar.

Brasilianische Nationalmannschaft

Erkaltete Beziehung

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Die brasilianische Nationalmannschaft spielt in Saudi-Arabien zwei Freundschaftsspiele. Der Verband CBF hat beim Gegner und Spielort ohnehin kaum Mitspracherecht. Ein Kommentar.

Einmal ins Stadion gehen und die eigene Fußball-Nationalmannschaft sehen: Für viele Kinder ist es das Größte, einmal ihre Idole live vor Ort zu erleben. Doch statt mit leuchtenden Augen im Stadion Neymar & Co. zuzuschauen, müssen brasilianische Jugendliche in die Glotze starren. Denn bis auf die WM-Qualifikationsspiele und ganz wenige Testkicks vor der Copa America trägt die Auswahl des fünfmaligen Weltmeisters ihre Freundschaftsspiele verteilt über den ganzen Globus aus.

Die beiden Partien gegen Saudi-Arabien am heutigen Freitag und am Dienstag gegen Argentinien finden beide im Königreich in der Wüste statt. In Riad und in Dschidda. Dass das Testspiel gegen die Saudis in der Hauptstadt des Landes ausgetragen wird, ergibt ja noch Sinn, aber warum um alles in der Welt spielt Brasilien gegen Argentinien in der Hafenstadt Dschidda.

Die Antwort ist so schnöde wie vorhersehbar: Dort hat der Mischkonzern Dallah Al-Baraka seinen Stammsitz, zu dessen Unternehmensgruppe auch die International Sports Events Company (ISE) gehört, die seit 2012 die Rechte für die Länderspiele der Selecao exklusiv erworben hat. Unter dem Namen Brasil Global Tour spielt die Nationalmannschaft bis 2022 in Yokohama, in Foxboro, London, Melbourne oder anderen großen Stadien dieser Welt. Mittlerweile gehören die Rechte Pitch International mit Sitz in London. Die Tageszeitung „Estadão“ veröffentlichte bereits 2015 Details aus dem Vertrag, wonach Pitch Gegner und Spielort auswählen darf und der Verband pro Partie rund eine Million Euro erhält – natürlich nur wenn man in Bestbesetzung antritt.

Die US-Justiz hat im Zuge des Fifa-Korruptionsskandals längst ein Auge auf die Verträge geworfen, weil eine US-Scheinfirma mitkassierte und auch Mitinhaber Sandro Rosell. Der Ex-Präsident des FC Barcelona sitzt seit Mai 2017 übrigens in Haft. Nur der ehemalige Verbandschef Brasiliens, Ricardo Teixeira, wird in der Heimat von der Justiz nicht belangt. Kein Wunder, dass bei vielen Brasilianern die Beziehung zur Nationalmannschaft erkaltet ist – und das nicht nur, weil sie nie vor Ort ist.

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