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Niko Kovac sieht sich für die Rolle als Mahner offenbar prädestiniert.

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Der erhobene Zeigefinger von Niko Kovac

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Bayern-Trainer Niko Kovac mahnt die Einstufung von Neuzugang Ivan Perisic als Notlösung an, zu einer Wunschverpflichtung wird der Kroate dadurch aber nicht. Ein Kommentar.

Als Niko Kovac begann, über Ivan Perisic zu sprechen, legte sich die Stirn des Trainers des FC Bayern München in Falten, auch die Stimme war gedämpft, der Blick sowieso starr. Der Fußballlehrer wollte wirken wie ein Mann, der wichtige Dinge zu verkünden hat. Ein Lehrer fürs Leben sozusagen. Dann also sprach Kovac über den Umgang mit dem Neuzugang des deutschen Rekordmeisters: „Man macht hier einen Spieler schlecht. Man kann nicht über eine B-, C- oder D-Lösung sprechen. Da müssen wir uns alle mal hinterfragen“. Später schob er hinterher: „Jetzt kriegst du den einen nicht, dann den anderen nicht. Dann hast du womöglich eine XY-Lösung. Ich finde, das ist nicht schön.“ Auch ohne seine Hände in die Luft zu strecken, war der gehobene Zeigefinger allenthalben spürbar. Das Motto: Ivan Perisic, eine Notlösung für den FC Bayern? Wie könnt Ihr nur!

Nun ist es ja grundsätzlich zu begrüßen, wenn in regelmäßigen Abständen auf die Wahrung von Umgangsformen hingewiesen wird, die sind im manchmal zu rauen Fußballgeschäft gewiss nicht immer in voller Gänze ausgeprägt. Niko Kovac sieht sich für diese Rolle als Mahner offenbar prädestiniert. Er sei ja auch nur ein Mensch, sagte er einst schon zu Frankfurter Zeiten, als ihm die Kritik an seiner Person zu persönlich wurde. Im vergangenen Frühjahr erkannte er als Bayerntrainer gar, dass es an der „Bösartigkeit im Menschen“ liege, wenn ein Titel wie der Pokalsieg schlechtgeredet werde. Klingt alles ziemlich richtig, und ist es dennoch nicht immer. Denn, und das muss so deutlich gesagt werden dürfen, der Pokalsieg ist für einen Klub wie den FC Bayern nun mal nicht das Höchste der Gefühle. Ebenso wenig wie eine Verpflichtung von Ivan Perisic.

Dabei geht es natürlich nicht um eine Einschätzung des Menschen Perisic, es geht um eine Einordnung des Fußballspielers Perisic. Und der wird den FCB aller Voraussicht nach nicht auf ein höheres Level hieven. Wenn Hasan Salihamidzic behauptet, dass „Ivan mit seiner langjährigen Erfahrung auf internationalem Topniveau“ sofort weiterhelfen werde, lässt der Münchner Sportdirektor die Fakten außen vor. Denn die bisherigen Klubs des Außenstürmers sind sicher keine absoluten Schwergewichte im europäischen Vergleich: Der FC Sochaux in Frankreich, der KSV Roeselare und der FC Brügge in Belgien, Dortmund und Wolfsburg in Deutschland und zuletzt Inter Mailand in Italien – eine ordentliche sportliche Vita, das schon, aber keine herausragende.

Vergangene Saison gelangen Perisic in 45 Spielen neun Tore und acht Vorlagen für Inter. In der Champions League traf er nicht, in der Europa League nur einmal, auch beim Aus gegen Eintracht Frankfurt spielte er quasi keine Rolle. Der Kroate ist ein Spieler, der den Bayernkader sinnvoll erweitert, der bei Alles-oder-nichts-Spielen in der Königsklasse gegen Großmächte wie Liverpool, Barcelona oder Real Madrid aber eher nicht den Unterschied machen wird. Für solche Momente wäre der offenbar ebenfalls umworbene Philippe Coutinho vom FC Barcelona schon eher ein Mann, quasi eine bayerische A-Lösung. Aber psst, Niko Kovac sollte das besser nicht hören.

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