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Verstehen sich: Yildirim Demirören (l.) und Präsident Erdogan.

Türkischer Fußballverband

Erdogans Handlanger

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Yildirim Demirören, Präsident des türkischen Fußballverbands, macht, was man ihm sagt.

Eigentlich war es schon beschlossene Sache. Der türkische Fußballverband (TFF) wollte das Finale des türkischen Pokals im Mai diesen Jahres in Eskisehir austragen. Bis Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan im März in Diyarbakir vor seinen Parteimitgliedern der islamisch-konservativen AKP eine Rede hielt. Dort verkündete er stolz, dass das Pokalfinale in der kurdischen Millionen-Metropole im Südosten der Türkei stattfinden wird. Knapp eine Stunde später veröffentlichte die TFF eine hastig formulierte Pressemitteilung, in der es hieß, dass der „Vorstand sich dazu entschieden hat, der Welt zu zeigen, dass in der ganzen Türkei Sportveranstaltungen sicher ausgetragen werden können und das Finale deshalb in Diyarbakir stattfinden wird.“

Hinterfragt wurde die Entscheidung in der weitgehend gleichgeschalteten türkischen Presselandschaft kaum. Doch es war offensichtlich, dass die TFF und deren Präsident Yildirim Demirören sich der Direktive Erdogans ohne Murren gebeugt hatte.

Seit 2012 ist Demirören Präsident des türkischen Fußballverbands, zuvor war er acht Jahre lang Präsident von Besiktas Istanbul und sah sich dort oft lautstarker Proteste der Fans ausgesetzt, ehe er sich dem vakanten Amt der TFF annahm, das keiner nach dem Manipulationsskandal um die Meisterschaft von Fenerbahce Istanbul im Jahr 2011 annehmen wollte.

Medien machen Propaganda

Der 53-Jährige macht keinen Hehl daraus, dass er für die Politik Erdogans ist. Demirören ist geschäftsführender Vorsitzender der Demirören Holding und einer der reichsten Männer der Türkei. Den Mischkonzern, der vor allem im Bau- Energie-, Immobiliensektor aktiv ist, gründete Vater Erdogan Demirören, der im Juni dieses Jahres mit 79 verstarb.

Vater und Sohn kauften 2011 die auflagenstarken Zeitungen „Milliyet“ und „Vatan“ vom säkularen Medienmogul Aydin Dogan, der Erdogan schon immer ein Dorn im Auge war. 2009 verhängte die Regierung eine Strafe von 2,5 Milliarden Dollar gegen Dogan wegen angeblich nicht gezahlter Steuern, weshalb Dogan die beiden Blätter an Demirören veräußerte, um von Erdogan in Ruhe gelassen zu werden. Im März diesen Jahres verkaufte Dogan auch die „Hürriyet“, den TV-Sender CNN-Türk und die Nachrichtenagentur Dogan Haber Ajansi an die Demirören-Holding. Das Kürzel DHA hat die Agentur behalten, heißt nun aber Demirören Haber Ajansi und berichtet im Sinne von Erdogan. Als Präsident der TFF ist Demirören zudem der perfekte Handlanger im beliebtesten Sport der Türkei.

„Die türkische Republik hat der Uefa alle Garantien gegeben, die sie wollte“, heißt es in der September-Ausgabe im verbandseigenen Magazin „Tam Saha“, das jeden Monat in Bezug auf die Bewerbung um die Austragung der Europameisterschaft 2024 erscheint. Demirören will, dass die Türkei die Früchte erntet, die sie gesät hat. „Das einzig übrig gebliebene Land, das in der Lage ist, so eine Organisation zu stemmen, aber bislang nicht berücksichtigt wurde, ist die Türkei“, sagte Demirören kürzlich und forderte von der Uefa: „Es ist Zeit für Veränderungen. Hört auf untereinander Tennis zu spielen und gebt die Turniere in andere Länder.“ Die Entscheidung fällt am Donnerstag.

Die Entscheidung der TFF - beziehungsweise Erdogans - das Pokalfinale nach Diyarbakir zu geben, endete übrigens im Fiasko. Das Stadion mit einer Kapazität für 33 000 Zuschauer füllte sich nur zur Hälfte, weil nur Fans Tickets bekamen, die einen Passolig-Ausweis mit dem Logo der Finalklubs hatten - Fenerbahce Istanbul und Akhisar Belediyespor. Das Passolig-System ist eine Kreditkarte mit allen persönlichen Daten, die als E-Ticket dient. Sie wurde 2014 eingeführt, um Krawallmacher außen vor zu halten. Seitdem sind die Zuschauerzahlen trotz modernerer Stadien gesunken. Da Fenerbahce-Fans die doppelte Anzahl an Plätzen zugewiesen bekamen, boykottierten die Fans von Akhisar das Spiel.

Und Erdogan? Der kam trotz aller Sicherheitsvorkehrungen erst gar nicht.

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