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„Equal pay“ im Profifußball: Ist Megan Rapinoe im Recht?

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Megan Rapinoe ist in den USA eine Vorkämpferin für Lohngleichheit im Fußball – ist das auch auf Deutschland übertragbar? Ein Kommentar.

Megan Rapinoe ist mit ihrer Mitspielerin Margaret Purce gerne der Einladung ins Weiße Haus gefolgt, um sich mit dem neuen US-Präsidenten Joe Biden und First Lady Jill Biden zu treffen. Dabei trug die weltbekannteste Fußballerin vor, was sie neben dem Sport antreibt: dass sie endlich umfänglich respektiert wird. Die ebenso selbstbewusste wie streitlustige 35-Jährige wünscht sich vor allem die gleiche Bezahlung wie die Männer im US-Soccer, die nicht annähernd so erfolgreich sind wie die Frauen. Der Demokrat Biden versicherte Unterstützung und sprach sich wie die Vorkämpferin Rapinoe für Lohngleichheit im Fußball aus. Er drohte sogar den Organisatoren der in die USA, Kanada und Mexiko vergebenen Männer-WM 2026 mit Streichung der Fördergelder, sollte nichts passieren.

Das alles hat ein langes Vorspiel: Weit vor der Frauen-WM 2019 in Frankreich, wo die US-Fußballerinnen mit ihrem unnachahmlichen Powerstil genau wie vier Jahre zuvor in Kanada gewannen, hatten die Nationalspielerinnen einen Gerichtsstreit mit dem eigenen Verband um die Bezahlung ausgetragen.

Megan Rapinoe ist nich nur Fußballerin, sondern Ikone des Protestes gegen Donald Trump

Während des Turniers stieg die rosa blondierte Ausnahmespielerin am linken Flügel zur Ikone des Protestes auf. Megan Rapinoe wurde als beste Spielerin und spätere Weltfußballerin zur sportpolitischen Vorzeigefigur, weil sie auch gegen den von ihr verhassten US-Präsidenten Donald Trump wetterte. Wie sehr sie mit ihren Vorstößen den Nerv des Volkes traf, zeigte sich beim Finale in Lyon, als nicht nur die amerikanischen Fans im Stakkato „Equal pay“ riefen. Gleiche Bezahlung. Geht das auch in Deutschland?

Megan Rapinoe im Weißen Haus.

Genau an diesem Punkt bedarf es einer wichtigen Differenzierung. Denn den US-Spielerinnen geht es zuerst um die Entlohnung, die sie vom Verband erhalten – und da ist es auch wegen der Popularität und der Marketingerlöse allemal gerechtfertigt, keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen zu machen. Dies aber reflexartig auf Europa zu übertragen, greift zu kurz.

Frauenfußball generiert deutlich weniger Einnahmen als der Profifußball der Herren

Beispiel Deutschland: Schon jetzt subventioniert die Männer-Nationalmannschaft unter dem Dach des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit ihren Einnahmen in erheblichem Umfang sämtliche Nachwuchs- und Frauenteams. Und es gehört nun einmal zur Wahrheit dazu, dass die Einnahmen in der Frauen-Bundesliga nicht ansatzweise die Kosten decken. Erlöse von 1,1 Millionen Euro im Schnitt stehen Aufwendungen von 2,1 Millionen gegenüber. Wenn der VfL Wolfsburg und FC Bayern auf internationaler Bühne im Frauenfußball um den Champions-League-Titel spielen – beide Klubs könnten bald im Halbfinale aufeinandertreffen – dann ist das für ihre Vereine gerade ein millionenschweres Zuschussgeschäft.

NameMegan Rapinoe
Geburtsdatum5. Juli 1985 (Alter 35 Jahre)
BerufProfifußballerin
ErfolgeAlgarve-Cup-Siegerin 2011, 2013 und 2015
Vize-Weltmeisterin 2011
Olympiasiegerin 2012
Sieg CONCACAF Women’s Gold Cup 2014 und 2018
Weltmeisterin 2015, 2019
Siegerin SheBelieves Cup 2018
Siegerin Tournament of Nations 2018
AuszeichnungenBeste Spielerin der WM 2019
Torschützenkönigin WM 2019
FIFA-Weltfußballerin des Jahres: 2019
Sports Illustrated Sportlerin des Jahres 2019

Und auch Eintracht Frankfurt wird die Investitionen erhöhen müssen, soll mehr als in dieser bislang sportlich arg enttäuschenden Saison herauskommen. Sportdirektor Siegfried Dietrich erzählte kürzlich von deutlich gestiegenen Gehaltskosten auch in der einstigen Frauenfußball-Hochburg Frankfurt.

Namhafte Marken weigern sich, den Frauen- und Mädchenfußball vernünftig voranzutreiben

Nichtsdestotrotz leben noch viele Bundesliga-Spielerinnen von der Hand in den Mund, bieten nicht alle Klubs professionelle Bedingungen. Und noch immer weigern sich namhafte Marken, den Frauen- und Mädchenfußball vernünftig voranzutreiben. Zuerst gilt es, an angemessenen Bedingungen für beide Geschlechter zu arbeiten – das sagt richtigerweise auch Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg immer zuerst, wenn sie mal wieder auf die Frage nach gleicher Bezahlung hierzulande antworten soll. (Frank Hellmann)

Rubriklistenbild: © AFP

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