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Heiko Herrlich treibt den FC Augsburg an.

FR-Bundesliga-Tipptabelle (3)

FC Augsburg: Entwickeln in der Nische

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Die bayerischen Schwaben möchten fußballerisch den nächsten Schritt gehen, haben aber Irritationen auszuräumen.

Der FC Augsburg geht in seine zehnte Bundesligasaison und will auch dieses Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun haben. Trainer Heiko Herrlich bereitet seine Mannschaft in heimischen Gefilden auf die neue Saison vor.

Wie ist die Stimmung?

Es war ein unruhiger Sommer. Verdienten Spielern wie Kapitän Daniel Baier (36), der letzte verbliebene Profi aus dem Aufstiegsjahr 2011, oder der sozialkompetente Ersatzkeeper Andreas Luthe (34), deren Wort ein Gewicht in der Kabine hatte, wurde unsentimental die Tür gewiesen. Und dann wurde auch noch der im großen Krach im Winter nach Schalke verliehene und nun anscheinend geläuterte Michael Gregoritsch zurückgeholt. Außerdem sollen bei der Verpflichtung der ablösefreien Neuzugänge Daniel Caligiuiri, Tobias Strobl und Rafal Gikiewicz ziemlich üppige Handgelder geflossen sein. Das gefällt nicht nur den Spielern, die gehen mussten.

Wie stark ist der Kader?

Der FCA setzte bislang auf Erfahrung. Gikiewicz (32), Caligiuri (32) und Strobl (30) stehen für Stabilität. Gikiewicz ist als neue Nummer eins eingeplant, nachdem sich Tomas Koubek als teurer Fehleinkauf erwiesen hat. Das größte Pfund ist die Offensive. Florian Niederlechner, Marco Richter, Alfred Finnbogason und auch der zurückgekehrte Gregortisch bieten Coach Herrlich viele Alternativen im Angriff. Probleme bekommen die bayerischen Schwaben wenn sich mehrere Leistungsträger wie Linksverteidiger Philipp Max oder Innenverteidiger Jeffrey Gouweleeuw verletzten. Gleichwertigen Ersatz haben sie nicht.

Worauf steht der Trainer?

„Respekt ist die Basis von allem. Respekt kann man bekommen, aber auch geben.“ Empathie, Erdung und Teamgeist hält Heiko Herrlich für wesentlich und fordert er von seinen Spielern ein. Allerdings muss er auch aufpassen, dass er nicht den Respekt seiner Spieler verliert mit allzu tollpatschigem Verhalten. Er verpasste beim Re-Start ein Spiel an der Seitenlinie, weil er in die Drogerie gegangen war, um Zahnpasta und Hautcreme zu kaufen und somit gegen die Hygieneregeln der Deutschen Fußball-Liga (DFL) verstieß. Taktisch setzt der ehemalige Stürmer auf ein 4-2-3-1. „Grundsätzlich möchten wir dominanter auftreten, öfter den Ball haben und an den Mann bekommen. Ich versuche, offensiv zu denken, wie auf meinen vorherigen Stationen“, sagte er zu Beginn seines Engagements als Trainer beim FCA, die er in neun Spielen in der Rückrunde anleitete. Die magere Bilanz: neun Tore, neun Punkte.

Wo hapert’s noch?

„Wir erarbeiten uns viele Torchancen, das haben wir in allen drei Tests geschafft“, analysierte Herrlich kürzlich nach dem 2:1-Testspielsieg gegen Nürnberg. Was fehlte, war die entsprechende Ausbeute. Spannend wird sein, ob der FCA nach all den Querelen zu einem Team zusammenwächst und sich neue Hierarchien bilden. Der FCA hat auch im Team hinter dem Team einige Veränderungen vorgenommen. Iraklis Metaxas, vorher beim FC Darmstadt 98, ist neuer Co-Trainer. Herrlich hatte keinen eigenen Co mitgebracht. Kristian Barbuscak ist neuer Torwarttrainer. Auch Reha-Trainer und Physiotherapeuten wurden ausgetauscht, nachdem es vergangene Saison zu viele Verletzte gegeben hatte. Es wird sich einiges einspielen müssen.

Die Bundesliga-Tipptabelle der FR-Redaktion für die Saison 20/21

PlatzVerein
1noch nicht gesetzt
2noch nicht gesetzt
3noch nicht gesetzt
4noch nicht gesetzt
5noch nicht gesetzt
6noch nicht gesetzt
7noch nicht gesetzt
8TSG Hoffenheim (6)
9noch nicht gesetzt
10FC Augsburg (15)
11noch nicht gesetzt
12noch nicht gesetzt
13noch nicht gesetzt
14Mainz 05 (13)
15noch nicht gesetzt
16noch nicht gesetzt
17noch nicht gesetzt
18noch nicht gesetzt

In Klammern: Platz in der letzten Saison

Wer sticht heraus?

Vergangene Saison ganz sicher Florian Niederlechner mit 13 Saisontoren. Die Augen werden aber auf Michael Gregoritsch gerichtet sein, der in seinem ersten Jahr für den FCA ebenfalls 13 Treffer erzielte, ehe es vergangenen Winter zum Bruch kam, als Gregoritsch seinen Wechsel öffentlich recht rücksichtslos vorantrieb. „Wir haben alles ausgeräumt“, sagt der Österreicher, der sich einsichtig zeigt: „Das war eine ganz, ganz schlechte Situation, die von mir ganz schlecht gelöst wurde. Von meiner Seite ist nichts hängen geblieben. Ich will ein wichtiger Teil der Mannschaft sein“, zeigt sich der Offensivspieler kämpferisch. Drei Tore hat er in den Tests bislang erzielt. Immerhin!

Wie geht’s dem Schatzmeister?

Der heißt Michael Ströll und verweist auf corona-bedingte Einnahmeverluste „im zweistelligen Millionenbereich“ bis Ende 2020. „Dennoch war für uns unmittelbar klar, dass wir keine staatlichen Hilfen wie Kurzarbeit in Anspruch nehmen wollen, auch wenn die Einbußen für uns enorm sind“, so der kaufmännische Geschäftsführer. Der FCA wolle die Krise aus eigener Kraft überstehen. Auf Unverständnis stieß im Umfeld, dass nach Streit um Gehaltsverzicht und einer sehr späten Einigung, Innenverteidiger Felix Uduokhai für die festgeschriebene Ablösesumme von sieben Millionen Euro fest verpflichtet wurde – obwohl der VfL Wolfsburg dem Vernehmen nach zu Nachverhandlungen gesprächsbereit gewesen sei. Bei ihm hofft der FCA auf einen großen Entwicklungssprung. „Wir machen uns über alle Ausgaben Gedanken“, sagt Sportdirektor Stefan Reuter. Der Kader ist mit 33 Spielern noch zu groß und soll verschlankt werden.

Was ist drin?

Trotz der Findungsphase, die vielleicht etwas Zeit in Anspruch nehmen wird, hat der FC Augsburg ein stabiles Grundgerüst, mit dem sich in der Bundesliga bestehen lässt. Der FCA dürfte nichts mit dem Abstieg zu tun bekommen und eine Nische im Mittelfeld besetzen.

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