Köpfchen und Einsatz trotz einer Nullnummer in Bremen.
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Köpfchen und Einsatz trotz einer Nullnummer in Bremen.

Relegations-Hinspiel

Entscheidung vertagt

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Der SV Werder Bremen kommt im ersten Relegationsspiel gegen den 1. FC Heidenheim über ein dürres 0:0 nicht hinaus.

Es ist der Ausnahmefall, wenn vor dem Bremer Rathaus auf einmal eine große Werder-Fahne flattert. Was früher am Marktplatz bei gewonnenen Meisterschaften oder Pokalsiegen übliche Prozedur war, dafür hat nun das erste Relegationsspiel der Vereinsgeschichte gesorgt. Luftlinie nur wenige Kilometer von den Bremer Wahrzeichen Roland und Stadtmusikanten entfernt, hat der SV Werder im Weserstadion jedoch am Donnerstagabend versäumt, richtig Flagge zu zeigen. Nach dem 0:0 im Hinspiel gegen den in jeder Hinsicht ebenbürtigen Zweitligisten 1. FC Heidenheim ist die Entscheidung über die Erstligazugehörigkeit vorerst noch vertagt. Ein Verein und eine Stadt, die eigentlich die Bundesliga in ihrer DNA haben, zittern weiter. Im Rückspiel am kommenden Montag (20.30 Uhr) geht es nun darum, ob die seit 56 Jahren der Bundesliga zugehörigen Hanseaten nun wirklich das Damoklesschwert eines Abstiegs noch abwehren können. Die Bremer müssen dann ohne ihren Abwehrchef Niklas Moisander auskommen, der mit Gelb-Roter Karte vom Platz flog (87.). Allerdings reichen den Bremern auf der Ostalb alle Unentschieden, in denen mindestens ein Tor fällt, ein Sieg sowieso. Bremens Maximilian Eggestein sagte: „Wir haben kein gutes Spiel gemacht, so ehrlich muss man sein. Wir müssen uns steigern. Das Positive heute war, dass wir kein Gegentor bekommen haben. Jetzt haben wir ein echtes Endspiel.“

Es ging erstaunlich wenig beim Erstligisten, der sich von Beginn am gut gestaffelten Gast von der schwäbischen Ostalb die Zähne ausbiss. Zu behäbig, zu durchsichtig lief der Ball durch die Bremer Reihen, die erkennbar auf ganz anderen Widerstand als zuletzt beim Kantersieg gegen den 1. FC Köln (6:1) trafen.

Mit guter Organisation und hoher Körperlichkeit kamen die Heidenheimer, taktisch von Trainer-Urgestein Frank Schmidt perfekt eingestellt, bestens mit den zu durchsichtigem Werder-Spiel zurecht. Schmidt hatte die richtigen Lehren aus dem Zweitrunden-Duell im DFB-Pokal (1:4) gezogen, als der Zweitligist nach 18 Minuten mit 0:3 zurücklag. Jetzt gingen die gefährlicheren Angriffe gar aufs Heidenheimer Konter, etwas als Tim Kleindienst mit seinem Schuss Torwart Jiri Pavlenka prüfte (24.). Dass bei Werder sogar der Freistoß von Milot Rashica in der Mauer hängen blieb, passte ins Bild (37.). Weder der flinke Kosovare, noch Niclas Füllkrug und erst recht nicht Yuya Osako konnten sich in Szene setzen.

„Wir können mit dem Spiel nicht zufrieden sein. Wir haben Ballbesitz in Zonen, wo wir nicht gefährlich sind. Man merkt, dass Verkrampfung im Spiel ist“, konstatierte Aufsichtsratschef Marco Bode. „Wir müssen intensiver in dieses Spiel reinkommen.“ Trainer Florian Kohfeldt, der Philipp Bargfrede für den gesperrten Kevin Vogt ins zentrale Mittelfeld stellte, wurde erkennbar ungeduldig, weil die lauf- und sprintstarken Gäste ständig die Passwege zustellen.

Der sichtbar angespannte Kohfeldt, wie eigentlich immer irgendwann in Scharmützeln mit der Gegner-Bank verwickelt, verzichtete nach der Pause zunächst auf personelle Maßnahmen. Doch der FCH sollte weiterhin ein undurchdringliches rotes Bollwerk bilden. Auch ein heftiger Platzregen brachte keine Besserung, also versuchte es der Coach mit der Einwechslung von Bittencourt, Bartels und Groß. Doch auch drei ausgeruhte Leute konnten den Eindruck nicht verwischen, dass dem Bundesliga-Drittletzten an diesem ungemütlichen Abend vollends die Mittel fehlten. Ein deutlich zu hoch angesetzter Osako-Kopfball (78.) und ein harmloser Bartels-Schuss (83.) waren noch die besten Szenen.

Draußen vor dem Stadion hingen zwar Plakate von Werder-Fans, die für die Abschaffung der Relegation plädierten, aber die Bremer sollten es eigentlich begrüßen, dass es diese Möglichkeit gibt, eine über weite Strecken abstiegsreife Saison in den Entscheidungsspielen vergessen zu machen. Ob das gelingt, ist allerdings seit dem gestrigen Abend nicht wahrscheinlicher geworden.

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