1. Startseite
  2. Sport
  3. Fußball

WM 2022 in Katar: Entschädigungen für Gastarbeiter – was sagen die Sponsoren?

Erstellt:

Von: Niklas Kirk

Kommentare

Vor der anstehenden Jahreshauptversammlung rückt der Sponsoring-Deal des FC Bayern mit Katar ins Rampenlicht.
Katarische Unternehmen sind als Sponsoren im Weltsport allgegenwärtig © IMAGO / MIS

Einige Fußballverbände fordern Entschädigungen für Gastarbeiter:innen in Katar. Die meisten Sponsoren halten sich zurück - mit zwei Ausnahmen.

Frankfurt – Dem DFB scheint das Anliegen ernst. Neben den Fußballverbänden Englands, Wales und der Niederlande gehört auch der deutsche Verband zu den Befürwortern eines Entschädigungsfonds für Gastarbeiter:innen, die im Rahmen der Bauarbeiten für die WM 2022 zu Schaden gekommen sind. Dies bekräftigte der neue DFB-Präsident Bernd Neuendorf sowohl beim DFB-Kongress „Sport und Menschenrechte“ in Frankfurt, als auch im Rahmen des Länderspiels gegen Ungarn in Leipzig. 

Das Thema Verantwortung in Bezug auf Menschenrechtsverletzungen und prekärer Arbeitsbedingungen ist fünf Wochen vor WM-Start somit weiter stark in Fokus. Im vergangenen Monat hatten mehrere Menschenrechtsgruppen, darunter Amnesty International und Human Rights Watch, eine Kampagne gestartet, in der sie alle Sponsoren aufforderten, die Gastarbeiter:innen in Katar zu unterstützen.

Aus diesem Anlass richtete das US-Sportportal The Atheltic einen Fragenkatalog an die Interessengruppe, die vor allem kommerzielle Ziele verfolgt: Sponsoren und Ausrüster. Viele blieben einer Antwort bisher schuldig.

Anfrage an WM-Sponsoren: nur fünf der einundzwanzig Sponsoren äußern sich

Den 21 befragten Unternehmen wurden dabei jeweils die gleichen sechs Fragen gestellt. So sollten die Sponsoren dazu Stellung beziehen:

Von den befragten Unternehmen äußerten sich lediglich fünf überhaupt auf die Anfrage des Portals: Adidas, Hyundai, Budweiser, McDonald’s, und Hummel. 

Zu den weiter befragten Sponsoren gehörten: Coca-Cola, Wanda Group, Qatar Airways, Qatar Energy, Visa, BJYU’S, Hisense, Vivo, Crypto.com, sowie die Team-Ausstatter Nike, Puma, Marathon, Majid, Le Coq Sportif, New Balance, und Kappa. 

Dabei versuchte Hummel bereits bei der Gestaltung des dänischen WM-Trikots ein Zeichen zusetzen, indem das Verbandswappen, als auch die Marke auf dem Trikot fast unsichtbar erscheinen. Auf den Fragenkatalog folgte eine Einladung zu einem weiterführenden Gespräch.

Adidas begrüßt jede Form von Reformprozessen

Adidas, deutscher Sportartikelhersteller, ließ wissen, dass es „mit Partnern zusammengearbeitet hat, um die Menschenrechtssituation in Katar zu verbessern“ und „die Einrichtung eines unabhängigen Büros der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) als lokales Überwachungsgremium unterstützt“. Die Eröffnung eines Büros der IAO in Doha wurde mehrfach als Erfolg eines scheinbaren Reformprozesses angeführt. Auch die Idee eines Zentrums für Gastarbeiter:innen wird von Adidas begrüßt, genau wie es das Unternehmen bei der Einführung des Mindestlohns getan habe.

Diese beiden Erklärungen von Hummel und Adidas bildeten die einzigen ausdrücklichen Unterstützungen für Maßnahmen, die im Fragenkatalog von The Athletic benannt wurden. Die anderen Antworten fielen nach Angaben des Portals wesentlich zurückhaltender aus. Brauereiriese Budweiser erklärte zwar, dass es „den Zugang zu Verfahren unterstützt, mit denen faire Rechtsmittel erreicht werden können“, ging jedoch nicht direkt zu den von The Athletic genannten Maßnahmen ein.

WM-Sponsoren – Fehlende Klarheit in Bezug zur eigenen Verantwortung

McDonald's reagierte mit der Aussage, dass „das Engagement im Zusammenhang mit der Fußballweltmeisterschaft in Katar zwar zu positiven Veränderungen und Impulsen in Bezug auf die Menschenrechte geführt hat, dass aber noch mehr getan werden muss, um sicherzustellen, dass die Weltmeisterschaft ein positives Vermächtnis hinterlässt“. Die eigene Rolle in diesem Prozess ließ McDonalds unbeantwortet.

Autohersteller Hyundai nimmt in erster Linie die FIFA als verantwortliche Organisation in die Pflicht. So werde erwartet, dass die FIFA „ihre Initiativen mit den Gastgeberländern fortsetzt, um die Menschenrechte in vollem Umfang zu respektieren.“ Hyundai würde diese Bemühungen weiterhin aufmerksam verfolgen.

WM 2022 - weniger Reichweite durch Verzicht auf Public Viewing

Der gemeinhin zweifelhafte Ruf der WM sorgte indessen dafür, dass mehrere Wirtschaften in Deutschland auf eine Übertragung der WM Spiele verzichten. Unter dem Motto „Kein Katar in meiner Kneipe“ soll so ein Zeichen gesetzt werden, auch wenn Umsatzeinnahmen zu befürchten sind. In Frankreich gehen einzelne Kommunen dazu über, auf großangelegte Public-Viewings zu verzichten.

Ob Sponsoren und Ausrüster ihre Präsenz bei der WM nutzen werden, um die Missstände im Gastgeberland mit eigenen Beiträgen zu bekämpfen, wird sich erst in Zukunft herausstellen. (nki)

Auch interessant

Kommentare