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Während der Markt für so ein Modell weltweit natürlich riesig ist, gucken die heimischen Fans in die Röhre. Selbst vom FC Liverpool wurden vergangene Saison nur 29 Partien live gezeigt.

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Englisches Wachstum

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Die Premier League schließt einen neuen Megadeal ab und plant einen eigenen Streamingdienst - das würde die englischen Klubs im internationalen Vergleich uneinholbar machen. Der Kommentar.

Vergangenen Donnerstag hat die Premier League ihren nächsten Superdeal präsentiert. Diesmal für die Länder Norwegen, Dänemark, Schweden und Finnland. Zwei Milliarden Pfund (rund 2,36 Milliarden Euro) zahlt die Nordic Entertainment Group für die Rechte an der höchsten englischen Fußballliga für die Jahre 2022 bis 2028. Eine Steigerung von 20 Prozent. Trotz aller Kritik an der Kommerzialisierung schreitet er gerade im Mutterland des Fußballs mit Siebenmeilenstiefeln weiter voran. Von den 3,65 Milliarden Euro, die die Premier League an TV-Erlösen erzielt, kommen alleine 1,64 Milliarden aus dem Ausland. Tendenz steigend.

Um die Raten weiter voranzutreiben, hat der neue Geschäftsführer der Premier League, Richard Masters, eine neue Idee präsentiert: Die Liga könnte künftig mit einem eigenen Streamingdienst im Netlflix-Stil die Spiele selbst an den Fan bringen. Das müsse noch nicht in der kommenden Rechteperiode sein – 2022 bis 2025 – aber irgendwann, ist Masters überzeugt, wird es einen Mix aus Streamingdienst und traditionellen Verkäufen der TV-Rechte geben. Erstaunlicherweise soll das nur für die Fans im Ausland gelten. Der heimische Markt soll offenbar zersplittert und unvollständig bleiben wie er ist.

In England werden von den 380 Spielen der Eliteliga nur 190 live gezeigt. Natürlich sind die Topklubs Liverpool, Manchester City, FC Arsenal, FC Chelsea, Tottenham Hotspur und Manchester United deutlich öfter zu sehen als Crystal Palace und Brighton & Hove Albion. Das wäre in Deutschland unvorstellbar. Doch auf der Insel gibt es kein Äquivalent zur Bundesligakonferenz oder die Möglichkeit, jedes Spiel einzeln live zu sehen. Stattdessen benötigt es drei Abos, um 128 Spiele auf Sky, 42 auf BT-Sports und 20 bei Amazon Prime zu schauen. Laut britischen Medien hat Sky England sechs Millionen Abonnenten und BT Sports zwei Millionen.

Laut „Daily Mail“ könnten die Einnahmen mit einem eigenen Streamingdienst auf bis zu 24 Milliarden Pfund ansteigen. Das würde die Premiere-League-Klubs im internationalen Vergleich uneinholbar machen. Während der Markt für so ein Modell weltweit natürlich riesig ist, gucken die heimischen Fans in die Röhre. Selbst vom FC Liverpool wurden vergangene Saison nur 29 Partien live gezeigt. Negativer Spitzenreiter war der FC Bournemouth mit nur acht Partien. Um die Premiere-League-Macher zu einem Umdenken zu bewegen, müssten die Fußballfans jedoch reihenweise ihre Abos kündigen und protestieren. Besonders realistisch ist das nicht.

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