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Jetzt auf Schalke: Rabbi Matondo.

Wintertransfers

Flucht in die Bundesliga

In den aufgeblähten Kadern der englischen Klubs ist kaum Platz für die eigenen Talente.

Pep Guardiola schien fast ein wenig beleidigt. Der 18-Jährige Rabbi Matondo, den der Teammanager von Manchester City als „unglaublich“ und „großes Talent“ gepriesen hatte, wechselt zu Schalke 04. „Wir glauben eigentlich an unsere jungen Spieler. Wenn sie die nötige Geduld mitbringen, können sie bleiben“, sagte Guardiola angesäuert: „Aber wenn sie ungeduldig sind, dann müssen sie halt gehen.“

Englands Top-Talente werden immer ungeduldiger, und für ihren schnellen Durchbruch wählen sie immer öfter die Bundesliga. Neben Matondo, der Schalke auch ohne Premier-League-Einsatz rund neun Millionen Euro wert war, wechselte in der abgelaufenen Transferperiode auch U17-Weltmeister Emile Smith-Rowe auf Leihbasis vom FC Arsenal zu RB Leipzig. Callum Hudson-Odoi (18) wollte den FC Chelsea unbedingt Richtung Bayern München verlassen, doch der Rekordmeister blitzte mit seiner 46-Millionen-Euro-Offerte (vorerst) ab.

Schwieriges Umfeld Premier League

Die Jungstars von der Insel haben natürlich alle mitbekommen, wie einer von ihnen in der Bundesliga bereits durchgestartet ist. Nach einer behutsamen Eingewöhnungszeit erhöhte Jadon Sancho (18) bei Borussia Dortmund mit unwiderstehlichen Auftritten seinen Marktwert von 5 auf 70 Millionen Euro. Sein Ex-Klub Manchester City muss sich deswegen Spott gefallen lassen, auch deshalb baute der Klub dem Vernehmen nach beim Matondo-Deal eine Rückkaufklausel in Höhe von rund 50 Millionen Euro ein.

Die Talente selbst zu Topstars zu formen, ist für englische Vereine schwierig geworden. Es ist ein wenig der Fluch des vielen Geldes, denn fertige Spieler, die sich jeder Premier-League-Klub dank der fetten TV-Gelder leisten kann, garantieren den schnelleren Erfolg. Sie blockieren aber auch Plätze für Spieler aus dem eigenen Nachwuchs.

„Durch die dortige Finanzkraft wird öfters eher nochmal ein Etablierter geholt, die Durchlässigkeit ist da nicht so gegeben“, sagte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Galt es vor einigen Jahren noch als nahezu ausgeschlossen, englische Top-Talente in die Bundesliga zu locken, lässt sich mittlerweile ein Trend dazu erkennen. Auch Reiss Nelson (19/TSG Hoffenheim) und Javairo Dilrosun (20/Hertha BSC) – der Niederländer kam von ManCity – haben in Deutschland ihr Glück gesucht und gefunden.

Auch die Vereine profitieren von den Youngsters, die in den Nachwuchsakademien auf der Insel hervorragend ausgebildet wurden. Sancho und Co. sind den hiesigen Nachwuchsspielern in vielen Punkten voraus, das zeigen auch die vielen internationalen Erfolge englischer Junioren-Nationalmannschaften. Bei Nachwuchsspielen in England sind Bundesliga-Scouts auf den Tribünen stets omnipräsent.

Den Engländern ist die Talente-Flucht nach Deutschland zunehmend ein Dorn im Auge. Die Boulevard-Zeitung Sun schrieb kürzlich von einem „mega-raid“ (Mega-Raubzug). Guardiola sieht die Sache pragmatischer: „Wenn solche Spieler dann gehen wollen: kein Problem!“ Wenn sie sich aber so wie Sancho in Dortmund entwickeln, wird es für die englischen Klubs sehr wohl zu einem Problem. (sid)

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