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Englands Harry Maguire: Der Wuchtige

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Von: Frank Hellmann

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Räumt die Gegner einfach aus dem Weg: Harry Maguire (rechts), körperlich stark.
Räumt die Gegner einfach aus dem Weg: Harry Maguire (rechts), körperlich stark. © Imago/Offside Sports Photography

Der englische Abwehrchef Harry Maguire garantiert Stabilität, weil er das Vertrauen von Teamchef Gareth Southgate spürt.

Bewölkter Himmel ist auch im Winter in Katar eher selten. Dennoch hätten eigentlich nicht alle vier Flutlichtstrahler im Al-Wakrah-Stadion mit voller Stärke leuchten müssen, als die englische Nationalmannschaft ihr Abschlusstraining vor dem Viertelfinale gegen Frankreich am Samstag (20 Uhr/ZDF) abhielt. Der grauen Schleier vom Vormittag war am Nachmittag längst wieder einer Kulisse gewichen, der bestens zu den himmelblauen Schalensitzen der Trainingsstätte passte. Und der Haudege Harry Maguire trug bei Temperaturen ein dunkelblaues Shirt ohne Ärmel, was bei Temperaturen von 25, 26 Grad aber auch nicht verwunderte. Britisches Regenwetter wird es in Katar so schnell wohl ebenso wenig geben wie etwa küssende Männer am Souq Waqif.

Die „Three Lions“ hatten beim Kreisspielchen in der Hafenstadt erkennbar gute Laune. Sie haben ja bislang ein überzeugendes Turnier ohne Tiefs gespielt. Vorne punktuell brillant, hinten immer seriös. Gegen Iran (6:2), USA (0:0), Wales (3:0) und Senegal (3:0) passte vor allem die Defensive so gut auf wie die katarische Polizei, die sich - ebenso - genau wie die englische Mannschaft überall dort in Überzahl befindet, wo es brenzlig werden könnte.

Dass gerade Innenverteidiger Maguire den besten Aufpasser gibt, haben vor dem Turnier icht viele erwartet. Eigentlich galt der 1,94 Meter große und 97 Kilo schwere Kleiderschrank als unsicherer Kantonist, der gegen schnelle, bewegliche Stürmer keine anderen Mittel als seinen bulligen Körper einsetzt. So hat das zumindest am 26. September in Wembley gewirkt.

Rückblende: Im letzten Nations-League-Spiel kam zwischen England und Deutschland bekanntlich ein 3:3 heraus, weil tölpelhafte Aussetzern des bereits scharf kritisierten und von vielen Experten als grandios überschätzten Abwehrmannes der DFB-Auswahl zwei Tore schenkte.

Auf den Topverdiener von Manchester United prasselte kübelweise Hohn und Spott herab, zumal er auch bei seinem Klub schwächelte. Der Verteidiger geriet arg in die Defensive. „Fehler gehören zum Spiel, ich entschuldige mich. Nimm das Positive mit und freue dich auf Katar. Die harten Zeiten werden uns stärker machen.“, schrieb der 29-Jährige daraufhin auf seinem Instagram-Account, dem vier Millionen Menschen folgen. Immerhin mehr als 185 000 Follower gefiel das sogar.

Großes Selbstvertrauen

Inzwischen leisten viele Abbitte, die ihn am liebsten nie wieder im Nationaltrikot gesehen hätten. Das hat viel mit der unerschütterlichen Rückendeckung zu tun, den der selbst bei den „Red Devils“ zwischenzeitlich auf die Bank verbannte Vereinskapitän unter Teamchef Gareth Soutgate genießt. „Er hat einen riesigen Teil ausgemacht, dass wir zwei große Turnierperformances hingelegt haben. Wir wollen, dass er das zum dritten Mal tut.“ Bislang hat sich Maguire im Gespann mit John Stones im Verteidigungszentrum kaum Blöße gegeben, der Mann mit dem kantigen Gesicht und dem dunklen Scheitel leistete sich nun nicht mal beim Aufwärmspielchen einen Fehler.

Im Al-Bayt-Stadion in der Küstenstadt Al-Chaur steht er mit seinen Nebenleuten vor der Herausforderung, sich auf einen französischen Angriff einzustellen, der mit Kylian Mbappé und Ousmane Dembélé fantastisches Tempo und mit Olivier Giroud (siehe Artikel oben) auch physische Präsenz aufbietet. Aber wenn sich einer vor Weltmeistern nicht fürchtet, dann die englische Nummer sechs, die noch nie unter mangelndem Selbstbewusstsein gelitten hat. „Ich habe einen großen Glauben an mich selbst“, richtete der 52-fache Nationalspieler zuletzt wieder aus und beschwerte sich gerade noch darüber, dass sein Spiel zu sehr seziert werde: „Ich werde bei Manchester United genau unter die Lupe genommen. Alles, was ich tue, wird analysiert.“ Auch Nebenmann Stones vom Lokalrivalen Manchester City findet, dass man zu kritisch auf den Koloss blickt: „Er hat die beste Antwort auf dem Platz gegeben. Er macht es sehr gut in diesem Turnier.“

„Können die WM gewinnen“

Wenn Maguire an die Perspektiven einer Mannschaft denkt, die sich bei der WM 2018 vor allem mit ihrer Stärke bei Standardsituationen bis ins Halbfinale hangelte, ehe willensstärkere Kroaten in Russland das Stoppschild aufstellten, dann läuft es ihm fast kalt den Rücken runter. „Ich denke jetzt, dass wir den Glauben haben können, diese WM zu gewinnen. Es gab eine gute Veränderung in der Mentalität.“

Der Wetterwechsel am Freitag von wolkig zu heiter in Doha und Umgebung könnte insofern gut passen.

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