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Bulgarische Fans gestikulieren und äußern sich auf rassistische Weise während des Spiels.

Bulgarien-England

Affenlaute und Hitlergruß - Bulgariens Verbandschef zurückgetreten

Der Kantersieg der Engländer wurde von rassistischen Äußerungen bulgarischer Zuschauer überschattet. Während auf der Insel Entsetzen herrscht, müssen sich die Bulgaren auf eine saftige Strafe einstellen.

Update 15.10.2019, 15.20 Uhr: Nach den rassistischen Vorfällen im EM-Qualifikationsspiel zwischen den Fußball-Nationalmannschaften von Bulgarien und England (0:6) ist der bulgarische Verbandspräsident Boris Michailow unter dem großen öffentlichen Druck zurückgetreten. 

Das gab der Verband BFU am Dienstagnachmittag bekannt. Die Entscheidung resultiere "aus den Spannungen der letzten Tage, die sich nachteilig auf den bulgarischen Fußball und die bulgarische Fußballunion auswirken". 

Nur Stunden zuvor hatte der bulgarische Premierminister Bojko Borissow den sofortigen Rücktritt Michailows gefordert, der das Tor der bulgarischen Mannschaft beim sensationellen Erreichen des vierten Platzes bei der WM 1994 hütete. 

Ursprüngliche Meldung

Gareth Southgate sprang entsetzt von seinem Platz auf, schon wieder waren seine Schützlinge zur Zielscheibe rassistischer Äußerungen geraten. Affenlaute mussten Englands Fußball-Stars in Sofia erdulden, höhnische Gesänge und sogar den Hitlergruß. "Eine inakzeptable Situation", schimpfte der Trainer der Three Lions: "Aber wir haben die richtigen Antworten gegeben."

Zum einen, indem seine Mannschaft das EM-Qualifikationsspiel bei den Bulgaren klar mit 6:0 (4:0) gewann. Und zum anderen, indem die Unparteiischen umgehend auf die widerlichen Entgleisungen einiger Zuschauer aufmerksam gemacht wurden. Auch deshalb stand die Partie gleich zweimal vor dem Abbruch - es wäre das einzig richtige Zeichen gewesen.

Die UEFA wird ermitteln

Schließlich waren bulgarische Anhänger bereits in der Vergangenheit durch ähnliche Vorfälle aufgefallen, das einseitige Duell am Montagabend fand deshalb vor teilweise leeren Rängen statt. Auf SID-Anfrage teilte die Europäische Fußball-Union (UEFA) zwar mit, "erst die offiziellen Spielberichte zu analysieren und dann über etwaige Maßnahmen zu entscheiden". Die Bulgaren müssen aber mit heftigen Sanktionen rechnen.

Artikel 14 der Rechtspflegeordnung der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sieht bei einem wiederholten Fall nämlich ein "Spiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit und eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro" vor. Jedes weitere Vergehen kann im schlimmsten Fall zum Ausschluss aus dem Wettbewerb führen.

"Hoffentlich werden die höheren Mächte diesen Vorfall untersuchen", sagte Englands Debütant Tyrone Mings, während Raheem Sterling meinte: "Es tut mir leid, dass Bulgarien durch solche Idioten repräsentiert wird." Auch der englische Verband FA bat die UEFA in einer ersten Stellungnahme, den "abscheulichen rassistischen Missbrauch" zu untersuchen.

Krassimir Balakow will nichts gehört haben

Weitaus zielführender wäre vermutlich ein Selbstreinigungsprozess auch innerhalb des bulgarischen Verbands BFS. Dort allerdings verschlossen die handelnden Personen die Augen vor der traurigen Wahrheit. "Ich war auf das Spiel konzentriert, ich habe nichts gehört", sagte der bulgarische Nationaltrainer und ehemalige Bundesliga-Profi Krassimir Balakow.

Verbandspräsident Boris Michailow hatte bereits vor der Partie geleugnet, dass es in Bulgarien ein Problem mit rassistischen Fans gebe - er dürfte auch wegen solcher Äußerungen bald nicht mehr im Amt sein. Die Forderung nach dem "sofortigen Rücktritt" kam am Dienstag immerhin vom bulgarischen Premierminister Bojko Borissow höchstpersönlich. Bei Facebook schrieb der Spitzenpolitiker weiter, es sei "unzulässig, dass Bulgarien ... mit Rassismus und Fremdenfeindlichkeit in Verbindung gebracht wird".

Genau damit dürfte aber der sportlich glänzende Auftritt der Engländer, die Ende März in Montenegro mit ähnlichen Beleidigungen konfrontiert wurden, künftig in Verbindung gebracht werden. "Man wird sich an eine Nacht erinnern, die eine Schande für den Fußball gebracht hat", titelte der Daily Mirror. Der Guardian schrieb: "Wir haben ein Fußballspiel erwartet. Was wir bekommen haben, war jedoch ein miserables Ereignis in einer miserablen Nacht in einem miserablen Stadion vor einem miserablen Hintergrund." (sid)

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