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Klopps Sorgenkind: Fabinho hat sich gegen Neapel verletzt.

Endspiel in Salzburg

Titelverteidiger FC Liverpool droht das Vorrunden-Aus in der Champions League.

Jürgen Klopps „You‘re welcome“ wirkte ziemlich gequält. Als der Teammanager des FC Liverpool den Dank für seine Pressekonferenz mit einem kaum hörbaren „gern geschehen“ erwiderte und rasch im Kabinengang verschwand, hätte er sein 100. Europacupspiel als Trainer wohl gerne ungeschehen gemacht.

Schließlich muss der Titelverteidiger durch das 1:1 (0:1) gegen den SSC Neapel am vorletzten Gruppenspieltag der Champions League nun die Hürde meistern, die er unbedingt umgehen wollte – das „Endspiel“ um den Achtelfinal-Einzug bei RB Salzburg. „Unsere Lage ist nicht brillant“, gab Klopp, dessen Schützlingen in Österreich ein Punkt definitiv reicht, leicht zerknirscht zu Protokoll: „Aber sie ist in Ordnung. Nun müssen wir das Beste daraus machen.“

Mit seinen Aussagen danach wollte der deutsche Coach eigentlich sein gewohnt kämpferisches Gesicht zeigen. Doch der 52-Jährige wirkte nach dem anstrengenden Abend an der Anfield Road, der Klopp aufgrund der Knöchelverletzung des Brasilianers Fabinho zusätzliche Sorgen bereitete, eher müde – das konnte er trotz Schal und Kappe nicht verbergen.

„Die Situation in der Tabelle ist offen. Bei uns werden viele Leute denken, dass wir jetzt unnötig noch einmal alles reinhauen müssen – aber es war noch nie anders“, sagte Klopp: „Es wird natürlich hart, das steht fest. Aber ich kann mich seit meiner Amtsübernahme an kein einziges Spiel erinnern, in das wir mit halber Kraft gehen konnten. Unser Weg war schon immer der Schwierige.“

Schwierig war es auch gegen die Defensivkünstler aus Italien, denen die Führung durch Dries Mertens (21.) in die Karten spielte. Für den Spitzenreiter der englischen Premier League, dessen Fans sich nichts mehr als den ersten nationalen Titel seit 1990 wünschen, war nur noch der Ausgleich durch Dejan Lovren (65.) drin.

„Sie haben das Tor gemacht und dann so verteidigt, wie sie nun einmal verteidigen können. Wenn eine Mannschaft mit der Qualität von Neapel diesen Ansatz wählt, macht es das Leben für den Gegner ziemlich schwer“, analysierte Klopp: „Sie konnten ihren Plan das ganze Spiel über weiterverfolgen. Das Ganze hätte wahrscheinlich anders ausgesehen, wenn wir in Führung gegangen wären.“

Forsche Österreicher

Die Ausgangslage vor der Partie in Salzburg am 10. Dezember kommt Liverpool dagegen eher entgegen. Während den Engländern in der Gruppe E ein Remis oder eine Niederlage mit einem Tor Unterschied bei mindestens vier eigenen Treffern reicht, muss Salzburg gewinnen und den direkten Vergleich für sich entscheiden. Doch nicht zuletzt das knappe 3:4 im Hinspiel macht dem österreichischen Serienmeister vor dem „Finale dahoam“ (Salzburger Nachrichten) Mut.

„Wir haben unser Minimalziel mit dem Überwintern in Europa erreicht. Aber jetzt haben wir es zu Hause in der eigenen Hand. Die Ausgangsposition hätte nicht besser sein können“, sagte der frühere Bremer Profi und RB-Kapitän Zlatko Junuzovic: „Was gibt es Geileres?“ Ähnlich sieht es sein Trainer Jesse Marsch: „Das wird für uns alle die größte Herausforderung – aber warum nicht?“ (sid)

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