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Endlich wieder Werbung

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Von: Frank Hellmann

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Intensive Zweikämpfe: Der Leipziger Nordi Mukiele (links) und Bayern-Außenstürmer Kingsley Coman.
Intensive Zweikämpfe: Der Leipziger Nordi Mukiele (links) und Bayern-Außenstürmer Kingsley Coman. © AFP

Warum es mehr solcher Spitzenspiele wie zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig braucht. Die Einschaltquoten gehen zurück.

Das vergangene Jahr war kein gutes für den deutschen Fußball. Im Europapokal hatten die Bundesligisten sich bereits verabschiedet, als es ernst wurde. Die Liga litt, nicht zum ersten Male, unter fehlender Spannung – und unter den Corona-Beschränkungen. Als viele hofften, die EM in zwölf Ländern, darunter München, könnte einen Schub geben, verabschiedete sich die deutsche Nationalmannschaft viel zu früh. Wenig verwunderlich, dass all dies aufs Interesse drückte: Die Klassiker „Sportschau“ (ARD) und „Sportstudio“ (ZDF) beklagten nach der Bundesliga-Hinrunde stark sinkende Einschaltquoten. Der Bezahlsender Sky, wichtigster Zahlmeister für die 36 Lizenzvereine, erreichte mit seiner Konferenz nur noch durchschnittlich 1,06 Millionen TV-Kund:innen. Auch bei den Topspielen am Samstagabend rutschte der Schnitt unter die Millionenmarke. Alarmsignale für die Liga.

Das beste Gegenmittel: Wenn richtig guter Fußball läuft, schalten die Leute auch wieder ein. Insofern war das Kräftemessen zwischen dem FC Bayern und RB Leipzig (3:2) jetzt genau das, was die Bundesliga braucht: pures Spektakel ohne Atempause. Ein offener Schlagabtausch mit internationalen Stars, die wie Weltfußballer Robert Lewandowski seit Jahren in der obersten Kategorie spielen oder Leipzigs Irrwisch Christopher Nkunku auf dem Weg dorthin sind.

Hätte nicht Manuel Neuer bei seinem 310. Bundesligasieg (genauso viele wie Oliver Kahn) mal wieder absolute Weltklasse verkörpert, dann wären die Sachsen für ihre mutige Ausrichtung auch mit dem 3:3-Ausgleich belohnt worden. Es ist rückblickend erstaunlich, wie diese spannend besetzte Leipziger Mannschaft mit so edlen Kickern wie dem Spanier Daniel Olmo unter Anleitung des US-Amerikaners Jesse Marsch lange diese Spielzeit so verstörende Leistungen bot.

Nachfolger Domenico Tedesco, 36, hat diese Truppe wieder auf die ureigenen Stärken umgepolt. Und bewegte sich fast auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber Julian Nagelsmann, 34, der die phänomenale Gabe besitzt, aus dem Stegreif spielentscheidende Situationen später im Detail noch analysieren zu können. Auch die Trainer waren bei diesem Spitzenspiel also in Topform.

Wer Wasser in den Wein schütten will, kann die fünf Tore anführen, dass es bei der Abwehrarbeit mächtig gehapert hat. Das stimmt: Schon beim 1:0 von Thomas Müller (12.) tricksten sich die Leipziger ja selbst aus, weil sie fein von hinten herausspielen wollten – und die Bayern von ihnen den Ball erpressten. Dass sich beim Eigentor von Josko Gvardiol (58.), einem ansonsten großartigen Abwehrspieler mit prächtiger Perspektive, diese Situation fast deckungsgleich wiederholte, spricht dafür, dass Tedesco seinen Plan den Profis wirklich in die Köpfe gehämmert hat. Trotz aller Risiken.

Müller trifft den Kern

Zur Ehrenrettung der Gäste ließe sich anführen, dass auch der Meister störanfällig war, weil er sich zweimal über eine schlecht abgestimmte Mittelfeldzentrale – Joshua Kimmich kann halt am besten mit dem vermutlich noch lange fehlenden Kumpel Leon Goretzka – überrumpeln ließen. Erst der nach dem Trainerwechsel aufblühende Ex-Frankfurter André Silva (27.) und später Nkunku (53.) profitierten.

Zwischendrin netzte natürlich noch Phänomen Lewandowski (44.), dem wie selbstverständlich der 24. Saisontreffer gelang. Seinem Mitspieler Müller genügten hinterher zwei Sätze, um beim TV-Sender Sky beste Bundesliga-Werbung zusammenzufassen: „Beide Mannschaften haben ein gutes, attraktives Spiel gezeigt. Insgesamt würde ich schon sagen, dass wir verdient gewonnen haben.“ Schade, dass in der Nachbetrachtung zu viel Zeit vergeudet wurde, die (Nicht-)Aussagen des 32-Jährigen zu seinem 2023 auslaufenden Vertrag zu interpretieren. Begleitet mit der Vermutung, dass es das bayerische Unikum mal ins Ausland ziehen könnte. Die Kernbotschaft vom 21. Spieltag war doch eigentlich eine andere: dass es sich immer noch lohnt, in der Bundesliga zu bleiben.

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