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Applaus von allen Seiten: Renato Sanches.

Bayern München

Endlich angekommen

Renato Sanches zahlt das Vertrauen von Bayern-Trainer Kovac zurück.

Um kurz vor Mitternacht gab es noch einmal Applaus für Renato Sanches. Und noch immer wirkte er unsicher. Der Mittelfeldspieler des FC Bayern kaute gerade auf dem späten Abendessen, als der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge in seiner Rede Sanches explizit hervorhob. Eine gute Stunde zuvor war Sanches mit blankem Oberkörper über den Rasen des Estadio da Luz gelaufen, die Kollegen hatten das Feld da längst geräumt und waren in den Katakomben verschwunden, um ihm die Bühne zu überlassen, seine Bühne in seinem Stadion. Die Zuschauer, die sich noch nicht auf den Heimweg gemacht hatten, spendeten ihm Applaus, bereits zum zweiten Mal an diesem Abend. „Das war so besonders. Ich habe dieses Spiel und dieses Tor sehr genossen“, sagte Sanches fast etwas verlegen. Er hatte deutlich mehr Schwierigkeiten, seine Gefühle in Worte zu fassen, als auf dem Platz mit dem Ball zu überzeugen. 

Er hat geschafft, was nur wenigen Fußballspielern vergönnt ist. Er wurde am Mittwochabend von den Fans seiner aktuellen Mannschaft und denen seines früheren Teams fast gleichermaßen gefeiert. Nicht allein für eine gute Leistung beim Münchner 2:0-Sieg bei Benfica Lissabon zum Auftakt der Champions-League-Saison. Sanches hatte das zweite Bayern-Tor in der 54. Minute erzielt der eigenen Mannschaft damit einen gelungenen Start in den internationalen Wettbewerb beschert, aber damit eben auch die Niederlage für die früheren Kollegen beinahe schon besiegelt. 

Trotzdem erhoben sich die Anhänger des portugiesischen Rekordmeisters in diesem Moment von ihren Sitzen und beklatschten den Treffer eines Gegenspielers. „Wahnsinn, das habe ich noch nie erlebt“, sagte Joshua Kimmich nach einem besonderen Champions-League-Abend in Lissabon. Manuel Neuer dachte da schon ans nächste Bundesliga-Spiel beim FC Schalke 04 am Samstag und den Empfang von Leon. „Ich bin gespannt, ob Schalke da mit den Benfica-Fans mithalten kann“, sagte er schmunzelnd. 

Richtiges „Bauchgefühl“

Es hatte etwas Mut dazugehört von Trainer Niko Kovac, Sanches ausgerechnet beim Champions-League-Auftakt zum ersten Mal in dieser Saison von Anfang an spielen zu lassen. Es war ja schließlich auch seine Trainer-Premiere in der Königsklasse, und wenn es schiefgegangen wäre, hätte er ungeachtet des souveränen Bundesliga-Starts vermutlich Kritik einstecken müssen. Sein „Bauchgefühl“ habe ihm nach Thiagos kurzfristigem Ausfall gesagt, „es ist der richtige Zeitpunkt, um Renato zu bringen“, erzählte der Bayern-Trainer. Er habe Sanches geraten, „spiel‘ einfach deinen Stil, du bist hier zu Hause“. Der 21-Jährige hat dies befolgt, hinten ausgeholfen, wenn es nötig war und vorne versucht, Tempo ins Spiel zu bringen. Er war am frühen 1:0 von Robert Lewandowski beteiligt (10. Minute) und hat dann eben für die Vorentscheidung gesorgt mit seinem Treffer, den er mit einem Solo durchs Mittelfeld auch noch selbst eingeleitet hat. „Wenn er so weiter spielt, ist er aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken“, sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic. Dass seine Leistung insgesamt vielleicht eine Spur zu gut beurteilt wurde, ist der Situation und vermutlich auch ein bisschen der Stimmung im Stadion geschuldet. 

Sanches ist eben irgendwie immer noch ein Teil von Benfica, wenngleich er den Verein, bei dem groß geworden war und den Durchbruch geschafft hatte, vor gut zwei Jahren verließ und zum FC Bayern wechselte. Dort geriet seine Karriere ins Stocken, die Partie am Mittwochabend war er erst die zehnte von Anfang an. 

Eine der Aufgaben, die Kovac bei Dienstantritt von den Verantwortlichen hatte, war die, Sanches zurück in die Spur zu bringen nach dessen Rückkehr aus Swansea. Er war ein Jahr an den Premier-League-Klub ausgeliehen, aber hatte auch dort nicht Fuß fassen können. Die Vorbereitung unter Kovac begann gut, aber dann warf ihn eine kleine Blessur zurück. Nun ist wieder da – und offenbar endlich angekommen beim FC Bayern. 

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