Läuft wieder rund: Theresa Panfil.
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Läuft wieder rund: Theresa Panfil.

Bemerkenswerte Rückkehr

Das Ende der Leiden

  • vonKatja Sturm
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FFC-Spielerin Theresa Panfil greift nach fünf Knie-OPs und vielen Schmerzen wieder an.

Es ist eine Woche her, der 1. FFC Frankfurt befand sich noch im Quarantäne-Trainingslager in Grünberg, da nahm Trainer Niko Arnautis nach dem Frühstück Theresa Panfil zur Seite. „Ich habe es schon an seinem Lächeln gesehen“, sagt die 24-Jährige zu dem, was der Coach ihr mitzuteilen hatte. Wenige Stunden später stand die gebürtige Fuldaerin beim 3:1-Sieg der Hessinnen gegen den SC Sand zum ersten Mal seit fünf Jahren bei einer Bundesliga-Partie in der Startelf. Auf Anhieb zeigte die Mittelfeldakteurin ein überzeugendes Fußballspiel, lieferte Laura Freigang die Vorlage zum 2:1-Führungstreffer und hatte selbst zwei gute Chancen, das Punktekonto der Gastgeberinnen zu erhöhen. Zudem ließ Arnautis Panfil bis zur Auswechslung nach 71 Minuten sämtliche Standards ausführen.

„Sie hat fantastisch trainiert und wirkte selbstbewusst“, erklärte der Trainer am Abend seine Entscheidung. „Wer sie heute Fußballspielen gesehen hat, weiß, was sie draufhat.“

Balsam für die Seele

Das Comeback in der Anfangsformation verdankte die U-20-Weltmeisterin von 2014 nicht zuletzt dem Ausfall von Sophia Kleinherne, die wegen einer Abiturprüfung vorzeitig aus dem Hotel abreisen musste und damit bei der Wiederaufnahme der im März abgebrochenen Saison noch nicht spielberechtigt war. Dass Panfil an diesem Samstag, wenn der aktuell auf dem vierten Tabellenplatz rangierende FFC um 13 Uhr beim Spitzenreiter VfB Wolfsburg antritt, erst mal wieder auf der Bank sitzen könnte, ist ihr klar. „Ich vertraue da dem Trainer“, sagt sie. Die leidenschaftliche Kickerin hat jede Minute, die sie auf dem Platz steht, schätzen gelernt, jede Trainingseinheit, die sie absolviert. So lange hatte sie darauf warten müssen, wieder unbeschwert gegen den Ball treten zu können.

2015 hatte sich das Talent, das sämtliche Jugendauswahlen des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) durchlief, ohne Einwirkung eines Gegners am rechten Knie das Kreuzband gerissen. Sieben Monate später hatte sie sich zurückgekämpft, doch in einem ersten Trainingsspiel passierte das gleiche Missgeschick. Was folgte, war eine Tour der Leiden, mit Schmerzen, die „wie bei einer chronischen Entzündung“ schon beim Aufstehen begannen und lange nicht weichen wollten.

„Es war eine schwierige Phase“, sagt Panfil rückblickend. Eine, die sie mental belastete und den starken Rückhalt von Familie und Freunden erforderte. Um sich selbst Druck zu nehmen und auch mal den Fokus vom lädierten Gelenk wegzulenken, suchte sie sich einen eigenen Rhythmus. Während der Woche verbrachte sie täglich mehrere Stunden in der Reha, an den Wochenenden lag sie in der Sonne, ging mit Freunden in der osthessischen Heimat Kaffee trinken oder kochte mit diesen. „Nichts Zielführendes“, wie sie sagt, „aber etwas für die Seele.“ Für den Notfall existierte „ein Plan B“. Wie der aussah, das möchte die Sportmanagementstudentin, die gerade an ihrer Bachelor-Arbeit feilt, als Geheimnis bewahren.

Anfang 2019, nach fünf Operationen, war es aber endlich so weit: Panfil konnte bei einem Testspiel im Trainingslager des FFC an der Algarve auf den Rasen zurückkehren. Die Emotionen überwältigten sie damals, „das war surreal“. Mittlerweile verspürt sie aber nur noch „pure Lust“ und Dankbarkeit für „das Privileg“, sich wieder dem widmen zu können, was sie von ganzem Herzen will.

Mit dem FFC hofft sie, dessen letzte Saison vor dem Wechsel der Frauen zu Eintracht Frankfurt in etwa dort abzuschließen, wo der Klub gerade steht. Ihr Vertrag, der während ihrer langen Verletzungspause verlängert wurde, läuft aus. Über ihre Zukunft, sagt Panfil, könne sie noch nichts verraten. Wie auch immer diese aussieht: Sie wird jeden Auftritt genießen.

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