+
Begehrter Gesprächspartner: Emre Can in der Presserunde.

Emre Can

Emre Can tritt aus dem Schatten

  • schließen

Der Frankfurter Bub Emre Can nutzt den Confed-Cup zielstrebig zur Werbung in eigener Sache.

Emre Can steht am Spielfeldrand des Trainingsplatzes direkt gegenüber der Fisht-Arena, in der die deutsche Nationalmannschaft am Donnerstagabend (20 Uhr) im Halbfinale des Confederations Cup auf Mexiko trifft. Die Medienabteilung hat Schatten spendende Schirme aufgestellt, damit die Spieler und die Reporter in der brütenden Hitze ein wenig Schutz finden. Can überlässt den Schatten freundlich den schwitzenden Fragestellern. Er war lange genug ein Schattenmann im DFB-Team.

Am Tag zuvor hat Can gut eingecremt am Hotelpool gelegen, „und ein bisschen im Wasser war ich auch“. Zwischendurch hat der in der Nordweststadt aufgewachsene Sohn einer Familie mit Wurzeln in Anatolien sein Handy ausgepackt und sich bei der Familie daheim in Frankfurt gemeldet. „Ich habe viel Kontakt mit meinen Eltern. Ich telefoniere fast jeden Tag mit ihnen. Wir haben hier ja viel Freizeit. Die Tage ziehen sich hier manchmal.“ Zum erträglichen Los eines Fußballprofis gehört auch Langeweile.

Can weiß, was er will

Der DFB-Pressesprecher schaut vorbei: „Emre, geh doch auch unter den Schirm.“ Doch der Mittelfeldspieler  lehnt mit Bestimmtheit ab: „Ich bleib hier stehen, kein Problem.“ Da weiß einer, was er will. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Sommer in Frankreich gehörte der 23-Jährige noch zu den unglücklichsten Spielern im Kader. Er war mit viel Selbstbewusstsein als Finalist des Europa-League-Finales angereist, aber Bundestrainer Joachim Löw hatte lange keine Verwendung für ihn. Der Frust war dem Profi aus der Premier League anzusehen, öffentliche Beschwerden vermied er jedoch – und durfte dann zumindest im verloren gegangenen Halbfinale gegen Frankreich von Beginn an mitspielen.

Can ist beim FC Liverpool einer der Lieblingsspieler von Jürgen Klopp, eine absolute Stammkraft. Soweit ist der körperlich und technisch gleichermaßen starke einstige Jugendspieler von Eintracht Frankfurt im DFB-Team noch nicht. Das hat seine Gründe: „Ich hatte vor dem Confed-Cup nicht unbedingt meine besten Spiele beim DFB gemacht, das muss ich ehrlich sagen.“  In Russland musste er zum Auftakt gegen Australien noch bis in die Schlussphase hinein zuschauen, gegen Chile war er dann bester Deutscher, gegen Kamerun auffälligster Mittelfeldspieler. So hat er sich das vorgestellt. „Für mich ist es eine große Chance, mich auf einer großen Bühne zu beweisen.“ Die hat er beim Confed-Cup bisher genutzt. Wo Can unterwegs ist, herrscht Betrieb.

Über Leverkusen nach Liverpool

Er hätte selber nicht erwartet, dass „vieles schon sehr, sehr gut klappt“. Sein Anteil daran ist erklecklich, er sieht sich ohnehin als Führungsnatur, die war er schon in der U-17-Nationalmannschaft, als man bei der WM in Mexiko einen neuen Michael Ballack entdeckt zu haben glaubte. Vom FC Bayern  aus brauchte er später einen Umweg über Bayer Leverkusen, ehe er vor drei Jahren nach Liverpool wechselte und seit zwei Jahren zum Kader der A-Nationalmannschaft gehört. Wie schnell die Zeit vergeht. „Manchmal gucke ich mich jetzt um und sehe einen Benny Henrichs, der noch mal drei Jahre jünger ist als ich. Ich bin einer der Erfahrenen hier. Ich will die Mannschaft mitreißen.“

Im deutschen Team der vielen Unbekannten gehört der 13fache Nationalspieler zu den kleinen Berühmtheiten. Manche Kinder erkennen ihn in Sotschi auf der Promenade, die Premier League hat in prominent gemacht. Can hat im Januar  gegen den FC Watford das „Tor der Saison“ gemacht. Artistisch per Fallrückzieher. Die Bilder gingen auch in den sozialen Netzwerken um die Welt. In drei Jahren in Diensten des FC Liverpool, sagt er, „bin ich härter geworden in den Zweikämpfen, ich habe mich als Spieler und Mensch entwickelt.“ Diese Erfahrungen will er gegen Mexiko präsentieren:  „Wir werden gegen einen bestimmt unbequemen Gegner topvorbereitet ins Spiel gehen und alles reinhauen. Wir müssen uns nicht verstecken.“ Nicht im Spiel und nicht unterm Sonnenschirm.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion