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Feindbild nicht nur der BVB-Fans: Dietmar Hopp (li.)

Kommentar Borussia Dortmund

Empörung ohne Ende

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Gegen das Geiern der Klubs nach Ost und West auf der Suche nach frischem Geld darf man protestieren, vielleicht muss man dagegen sogar protestieren. Dietmar Hopp aber ist das falsche Ziel. Ein Kommentar.

Irgendwo muss sie ja hin, die Wut auf den modernen Profifußball, der sich, überwältigt vom Kommerz, auf der ruhelosen Suche nach neuem Kapital für nichts zu schade ist. Das ist das Problem von Dietmar Hopp, das war es von Anfang an. Der Mann, der den Dorfklub Hoffenheim mit seinem unerschöpflichen Reichtum nicht zuletzt aus Liebe zu seiner Heimat in die Bundesliga hievte, ihm ein passendes Stadion baute, gibt der Herrschaft des Geldes in den Augen vieler Fans ein Gesicht. Deshalb wird das Gesicht auf Banner gedruckt und ein Fadenkreuz obendrauf, auf anderen Bannern stehen Beleidigungen, die dann zur Sicherheit, damit’s auch jeder mitkriegt, gesanglich vorgetragen werden im Fanblock. Dietmar Hopp kriegt es immer mit.

Der 78-Jährige ist das Feindbild der Fans, die nicht merken, dass ihre Wut eigentlich etwas anderes adressiert als den historisch betrachtet außergewöhnlichen Vorgang, dass ein Mann alleine einen Klub aus dem Nichts nach oben führt, aus Herzensgründen. Dieser Tage hat die TSG Hoffenheim gerade 28 Millionen Euro Gewinn vermeldet, die finanzielle Autonomie war immer das erklärte Ziel des Mäzens. 

Die Fans jedoch beleidigen Hopp weiter, und eigentlich meinen sie: die Zerstückelung des Spielplans zur Generierung höherer TV-Erlöse, Vereinskonstruktionen wie jene in Leipzig, wo ein Fußballklub von einem Getränkehersteller als gigantische Werbefläche benutzt wird. Sie meinen das Geiern der Klubs nach Ost und West auf der Suche nach frischem Geld. Dagegen darf man protestieren, vielleicht muss man dagegen sogar protestieren. Hopp aber ist das falsche Ziel, und üble Schmähgesänge sind das falsche Mittel, ist ja klar.

Doch vor allem einige Fans von Borussia Dortmund, auf die das inflationär verwendete Prädikat „unbelehrbar“ tatsächlich einmal zutrifft, arbeiten sich ohne Unterlass am TSG-Macher ab, und weil der sich die Diffamierungen – zuletzt beim BVB-Spiel in Hoffenheim im September – nicht bieten lässt, liegt inzwischen ein endlos eskalierender Streit vor. Die Fans wüten, Hopp reagiert, die Fans reagieren auf die Reaktion... und so weiter. In Frankfurt traf man sich am Donnerstag vor Gericht, Hopp hatte geklagt. 50 000 Euro Geldstrafe und eine Auswärtssperre auf Bewährung verhängte das DFB-Sportgericht gegen den Borussia Dortmund.

Den Leuten im Fanblock mit den Bannern möchte man zuraunen: Legt den Pinsel weg, oder stellt etwas Geistreiches damit an! Und Dietmar Hopp, dem tief gekränkten, alten Mann aus dem Kraichgau, der jedes zweite Wochenende im Stadion in Sinsheim in seiner Loge steht, einen blauen Schal um den Hals, und mit der TSG mitfiebert – ihm wünscht man etwas mehr Gelassenheit, um die sich selbst verstärkende Empörungsspirale anzuhalten. Auch wenn es schmerzt.

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