Bayern München

Emotionale Abschiedstour

  • vonManuel Bonke
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  • Hanna Raif
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Zauberfuß Thiago wird die Bayern vorzeitig verlassen – doch noch marschiert er voran.

Bei Javi Martinez war die Sache eindeutig. Es dauerte am Samstag eine gute eine halbe Minute, bis der Spanier die perfekte Pose gefunden hatte. Von hinten, mit Blick in die Münchner Arena wollte er nach dem 4:1 gegen den FC Chelsea fotografiert werden, das klassische Abschiedsmotiv – geschossen von Lucas Hernandez – sollte sitzen. Thiago verhielt sich da ein bisschen unauffälliger. Er betrat nach dem Duschen den Rasen, blieb stehen, atmete zwei-, dreimal tief durch und machte sich dann auf den Weg. Ein letztes Mal über diesen Rasen, auf dem er sieben Jahre lang hat zaubern dürfen.

Der Abgang des Spaniers im Sommer, also ein Jahr vor seinem Vertragsende in München, ist noch nicht offiziell. Da er aber als sicher gilt (nur der Verein noch nicht), kann man Thiago beim FC Bayern aktuell bei vielen „letzten Malen“ zusehen. Ein letztes Achtelfinale in der Champions League hat er schon bestritten, ein letztes Viertelfinale folgt morgen. Am Mittwoch würde ein letztes Halbfinale anstehen, und läuft alles optimal, erreicht er dann mit seinem Klub auch noch ein letztes (und erstes) Mal das Endspiel. Drei Partien sind es maximal, an ein lockeres Ausklingen aber denkt der 29-Jährige nicht. Im Gegenteil: Diese drei Spiele haben es in sich. Für den ganzen Klub – aber für Thiago besonders.

„Seit zehn Jahren ist Thiago schon auf der internationalen Bühne“, sagte Thomas Müller dieser Tage. Das sollte ein Lob sein für den Mann, „der mit dem Ball umgehen kann, aber auch ein Balldieb ist“. Der Satz erinnerte viele Kritiker aber auch an das Manko, das man Thiago nachsagt.

Ein begnadeter Kicker ist der Sohn von Brasilien-Weltmeister Mazinho, ein Zauberfuß, sagt man. Aber auch einer, der in den wichtigen Spielen zu selten entscheidende Akzente hat setzen können. Die Defensivarbeit galt lange als seine Schwachstelle, das Aufopfern für die Mannschaft – nach hinten, nicht nach vorne. In seiner aktuellen Rolle, der Zentrale neben Leon Goretzka, ist er vor allem für Spielaufbau und Absicherung zuständig. Im Training von Lagos gibt er genauso Vollgas wie am Samstag gegen Chelsea. Ein-, zweimal sah man ihn da über den Platz schlittern. Jedes Mal hatte er danach den Ball am Fuß.

„Er kann in der Defensive Bälle gewinnen, aber auch das Spiel bestimmen“, sagte Trainer Hansi Flick nach der Partie. Die Auftritte in Lagos machen dem Coach Hoffnung, dass er „so weitermacht“. Nach der Versetzung von Joshua Kimmich in die Abwehr ist er gefragt, morgen, im emotionalen Spiel gegen seinen Ex-Klub Barca. Und dann am Mittwoch womöglich gegen seinen Mentor Guardiola.

Gerne lassen die Bayern Thiago nicht ziehen, aber Flick hat, wie er der „Sport Bild“ sagte, aufgegeben: „Als Mensch und Sportler kann ich ihn verstehen.“

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