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Selbst inmitten purer Trauer vermochte es der Profifußball nicht, seine hässliche Fratze zu verbergen.

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Das Geschäft mit dem Tod

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Der Fußballer Emiliano Sala ist bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen - und schon geht es nur noch ums Geld. Ein Kommentar.

Der argentinische Fußballprofi Emiliano Sala ist tot. Der Leichnam des 28-Jährigen, der am 21. Januar in einem Kleinflugzeug über dem Ärmelkanal abgestürzt war, wurde am Donnerstagabend identifiziert - eine endgültige Nachricht, die die Fußballwelt nach dem ersten Schock aufs Neue erschütterte. So schrieb die argentinische Legende Diego Maradona: „Es tut mir furchtbar leid, viele von uns hatten noch immer einen Funken Hoffnung.“ Der frühere argentinische Torjäger Gabriel Batistuta ergänzte, „dass das die schlimmste Nachricht ist, die es geben konnte“. Die französische Liga, wo Sala seit 2010 sein Geld verdiente, erklärte, dass es am Wochenende vor Anpfiff aller Partien zu Ehren des Stürmers eine Minute Applaus geben werde. Und beim FC Nantes, dem letzten Klub Salas, wollen sie künftig die von ihm getragene Rückennummer neun nicht mehr vergeben. Die Fußballwelt trauert um einen der ihren.

Das ist die eine Seite der traurigen Geschichte, die andere zeigt mit voller Wucht das hässliche Gesicht des Profifußballs auf. Denn der Fall Sala ist auch - ein bisschen überspitzt formuliert - ein Geschäft mit dem Tod. Der Argentinier war ja bekanntlich am 21. Januar auf dem Weg von Frankreich nach Wales, weil ihn der FC Nantes zwei Tage vor dem Absturz für 17 Millionen Euro zum Premier-League-Klub Cardiff City transferiert hatte.

Nantes will Geld für Sala

Nun bestätigte Cardiff-Manager Mehmet Dalman mehrere Medienberichte, wonach bei ihm die Aufforderung auf dem Tisch liege, die erste Rate des Deals - es soll sich um sechs Millionen Euro handeln - nach Frankreich zu überweisen. Dalman sagt, dass er aus „Respekt vor der Familie“ nicht mehr ins Detail gehen wolle. Auf die Frage, was er vom Verhalten des FC Nantes halte, biss er sich ziemlich offensichtlich auf die Zunge: „Ich möchte das wirklich nicht kommentieren.“

Nun soll an dieser Stelle nicht der Eindruck erweckt werden, dass der Tod Salas den Vereinsverantwortlichen des französischen Erstligisten egal wäre. Keineswegs. Klubpräsident Waldemar Kita ließ seiner Trauer erst vor wenigen Tagen freien Lauf und erklärte unter Tränen, dass er für diese Tragödie keine Worte habe und am Boden zerstört sei. Das war glaubhaft, absolut echt. Der innerliche Konflikt, das Abwägen von Moral und Mammon, muss ein ziemlich komplizierter gewesen sein. Leider führte dies bei Kita und Kollegen zur falschen Entscheidung. Selbst inmitten purer Trauer vermochte es der Profifußball nicht, seine hässliche Fratze zu verbergen.

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