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EM-Halbfinals

EM 2021: Volle Hütte in Wembley - Uefa-Politik wird wieder zum Corona-Streitpunkt

  • Stefan Krieger
    VonStefan Krieger
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60.000 Fans in Wembley bei den drei verbleibenden Spielen der EM - die Kritik an der Uefa ebbt nicht ab.

Frankfurt am Main/London - In Großbritannien schlägt sich die Delta-Variante des Coronavirus mit täglich neuen Rekordzahlen in der Corona-Statistik nieder. Die Uefa und die britische Regierung ficht das augenscheinlich nicht an. Bei den Halbfinals und dem Endspiel wird das Wembleystadion gut gefüllt sein. Mit der ausdrücklichen Zustimmung des britischen Ministerpräsidenten Boris Johnson.

Singende und eng gedrängte Fans im Stadion, überall feiernde Menschen in der Londoner Innenstadt, gefüllte Bars und Pubs, aus allen Nähten platzende U-Bahnen: Die Gegner:innen dieser Fan-Politik sehen das, was in den nächsten Tagen in der britischen Hauptstadt passiert, als eine Art Corona-GAU an. Und die Kritik wird immer lauter.

Feierende Fans in London: Abstand Fehlanzeige.

EM 2021: Angela Merkel mit deutlicher Kritik

„Ich bin sorgenvoll und skeptisch, ob das gut ist und nicht ein bisschen viel“, kommentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zuletzt die Zulassung von jeweils rund 60.000 Zuschauern für die Partien im Wembleystadion. Das ist diplomatisch formuliert und bedeutet eigentlich nur, dass die Kanzlerin gerade angesichts steigender Fallzahlen auf der Insel als Folge der Delta-Variante wenig bis gar nichts von diesem Schritt hält.

Inzwischen wurden Tausende nachgewiesener Infektionen im Zusammenhang mit dem Turnier bekannt, und es scheint nicht weit hergeholt, wenn auch andere Spitzenpolitiker:innen die Strategie unter anderem als „unverfroren“ bezeichnen. Auch für Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) ist „die Position der Uefa absolut verantwortungslos“. Der Kommerz dürfe „nicht den Infektionsschutz für die Bevölkerung überstrahlen“.

EM 2021: Sogar Gerhard Schröder mischt sich ein

Genau darum geht es aber nach Ansicht der Kritiker:innen. „Mir fehlt jedes Verständnis für das lediglich gewinnorientierte Agieren der Uefa“, sagte der gesundheitspolitische Sprecher der Europa-SPD Tiemo Wölken dem RND. Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold nahm die Regierungen mit in Haftung: „Es ist kein gutes Zeichen für die Demokratie, wenn Regierungen vor einem durch Korruption gekennzeichneten Fußballverband kuschen.“

Selbst Altkanzler Gerhard Schröder (77) reiht sich jetzt in die Reihe der Skeptiker:innen ein. Schröder hat in der Debatte sowohl die Uefa als auch den deutschen DFB-Interimspräsidenten Rainer Koch kritisiert. „Was die Uefa gerade mit der Öffnung der Stadien für bis zu 60.000 Menschen betreibt, das ist unverantwortlich. Das hat nichts mehr zu tun mit der Freude am Fußball oder der vorgeblichen Stärkung des europäischen Gedankens. Das ist pure Geldmacherei“, sagte Schröder am Dienstag (06.07.2021) in einem Interview dem Nachrichtenportal t-online.

Positive Corona-Tests in Großbritannien
Montag, 5.7.27.334
Letzte sieben Tage178.128
Inzidenz229,9
Quelle: https://coronavirus.data.gov.uk/ (Stand: 05.07.2021)

EM 2021: Uefa schiebt die Verantwortung von sich

Der Altkanzler frage sich, wo „eigentlich die deutschen Vertreter im Exekutivkomitee der Uefa - wie etwa der DFB-Vize Rainer Koch - in dieser Diskussion“ seien. „Von denen hört man nichts. Man liest nur über Intrigen im DFB. Ich glaube, dort ist ein totaler Neubeginn fällig“, sagte Schröder und sprach somit auch die Krise im Deutschen Fußball-Bund an.

Die Uefa, die bereits im Frühjahr aufgrund ihrer geforderten Zuschauer-Garantien in den EM-Stadien heftig attackiert wurde, lässt all das erwartungsgemäß völlig kalt. Alles sei „vollständig auf die Vorschriften der zuständigen lokalen Gesundheitsbehörden abgestimmt“. Zudem würden die „endgültigen Entscheidungen“ hinsichtlich der Zuschauerzahlen „in die Zuständigkeit der lokalen Behörden“ fallen.

Somit ist der Schwarze Peter weitergegeben. An die Behörden vor Ort, die - gerade im Falle von Großbritannien - alles daran setzen, die Pandemie für beendet zu erklären. Weil Boris Johnson an seinem Fahrplan festhalten und sämtliche Corona-Einschränkungen in England so schnell wie möglich aufheben möchte. Der Beifall vieler Fußballfans kommt ihm da gerade recht. (Stefan Krieger mit sid/dpa)

Rubriklistenbild: © Victoria Jones/dpa

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